Industriekonzern: Überraschend gut: Thyssen-Krupp steigert das Ergebnis und bestätigt seine Jahresprognose
Der operative Gewinn soll im Gesamtjahr zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Euro liegen.
Foto: dpaEssen. Steigende Gewinne der Stahlsparte machen Thyssen-Krupp den Abschied von dem konjunkturanfälligen Geschäft schwer. Im Frühjahr werde es noch keine Entscheidung über eine mögliche Abspaltung geben, sagte Finanzchef Klaus Keysberg am Donnerstag bei der Präsentation der Quartalszahlen.
„Wir nehmen uns die Zeit, die dafür notwendig ist“, betonte er. „Wir brauchen Klarheit, was die Rahmenbedingungen, Förderprogramme etc. angeht.“ Die Stahlsparte trug wesentlich dazu bei, dass der Thyssen-Krupp im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2020/21 den operativen Gewinn fast verfünffachte.
Dank höherer Material- und Stahlpreise steigerte der Ruhrkonzern sein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 378 Millionen Euro von 78 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte 23 Prozent auf 9,0 Milliarden Euro, der Auftragseingang legte sogar 33 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zu. Lieferengpässe, höhere Rohstoff-, Energie- und Transportkosten sorgen jedoch für Gegenwind. Thyssen-Krupp bestätigte die Jahresziele, wonach etwa der operative Gewinn auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro von zuletzt 796 Millionen Euro klettern soll.
Dank höherer Preise konnte Steel Europe den operativen Gewinn im Quartal auf 124 Millionen Euro von zuvor 20 Millionen Euro steigern. Ein Abflachen der Nachfrage sehe er nicht, sagte Keysberg. Die Schwerindustrie boomt durch die nach dem Höhepunkt der Coronakrise anziehende Weltkonjunktur.
Am Mittwoch hatte der österreichische Konkurrent Voestalpine seine Gewinnerwartung für das Geschäftsjahr 2021/22 auf das obere Ende der bisherigen Bandbreite angehoben. Auch Weltmarktführer Arcelor Mittal äußerte sich optimistisch zur Geschäftslage. Thyssen-Krupp bestätigte, dass die Stahlsparte im Gesamtjahr einen operativen Gewinn von mindestens einer Milliarde Euro einfahren soll.
Für Steel Europe bleibe ein Spin-Off die bevorzugte Option, sagte Keysberg. Thyssen-Krupp will wie die ganze Schwerindustrie seine Produktion klimaneutral aufstellen. Dies kostet Milliardensummen. Thyssen-Krupp habe Förderanträge gestellt und erwarte dazu eine Entscheidung der EU-Wettbewerbsbehörden in den kommenden Monaten.
Keysberg begrüßte Pläne von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, mit Hilfe sogenannter Klimaverträge die höheren Kosten einer CO2-freien Produktion auszugleichen. „Klimaverträge sind ein wesentliches, wichtiges Instrument, um die Transformation zu fördern – und je eher desto besser.“
Während beim Stahl ein Spin-Off noch offen ist, treibt Thyssen-Krupp die Pläne für einen Teilbörsengang der Wasserstofftochter Nucera voran. Dieser sei weiterhin im ersten Halbjahr geplant. „Wenn wir eine Entscheidung für einen Börsengang treffen, dann werden wir den auch kurze Zeit danach machen.“
Insgesamt habe Thyssen-Krupp ein gutes erstes Quartal gehabt, betonte Keysberg. Das Unternehmen sei aber noch nicht da, wo es hin wolle. „Nächstes großes Etappenziel ist ein ausgeglichener Cashflow.“ Davon ist der Konzern allerdings noch weit entfernt. Der Free Cashflow vor M&A lag nach dem ersten Quartal bei minus 858 Millionen Euro, nach einem Plus von 32 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Aktienkurs rutschte zeitweise drei Prozent ins Minus.