Jaguar Land Rover: Britische Regierung erwägt wohl Hilfen für Zulieferer
London. Die britische Regierung will den von einer Cyberattacke beim Autobauer Jaguar Land Rover (JLR) betroffenen Zulieferern offenbar helfen. Das meldet die BBC und beruft sich dabei auf Regierungskreise.
Demnach könnte der Staat vorübergehend als Auftraggeber für Zulieferteile fungieren, die dann produziert und gelagert werden, bis die Produktion bei JLR wieder anläuft. Der Autobauer hat den Neustart seiner Produktion gerade auf Anfang Oktober verschoben.
Die Fertigung bei JLR wurde Ende August durch einen Cyberangriff lahmgelegt. Seitdem geht in den Werken des britischen Traditionsunternehmens nichts mehr. Normalerweise werden allein in den drei britischen Fabriken mehr als 1000 Fahrzeuge pro Tag hergestellt. Die meisten der etwa 33.000 Mitarbeiter in Großbritannien wurden nach Hause geschickt. Bislang ist unklar, wer hinter der Attacke steckt.
Keine Cyberversicherung
Die Kosten des Produktionsstopps für JLR werden von Experten auf etwa 50 Millionen Pfund (etwa 58 Millionen Euro) pro Woche geschätzt. Sollte der Stillstand bis November andauern, könnte sich der finanzielle Schaden für das zum indischen Tata-Konzern gehörende Unternehmen nach Schätzungen von David Bailey, Professor an der Universität Birmingham, auf mehr als eine Milliarde Pfund summieren. JLR selbst hat dazu bislang eine Stellungnahme abgelehnt.
Unterdessen melden britische Medien, dass der Autokonzern nicht gegen einen Cyberangriff versichert war. „Jaguar Land Rover hat es versäumt, vor dem Vorfall eine Cyberversicherung abzuschließen“, schreibt das Fachmagazin „The Insurer“ und beruft sich dabei auf mit der Lage vertraute Personen. Das würde bedeuten, dass JLR den Schaden allein schultern muss. JLR wollte dazu nicht Stellung nehmen.
Finanzvorstand PB Balaji, der demnächst als Vorstandschef übernehmen soll, sagte, es sei „verfrüht, eine endgültige Einschätzung“ der finanziellen Auswirkungen der Krise abzugeben. Das Unternehmen sei aber in einer „guten Position“, um bei Bedarf zusätzliche Kredite aufzunehmen.
Zulieferer in Liquiditätsklemme
Der Konzern ist nach Angaben der Regierung durch den Vorfall nicht existenziell bedroht. Anders sieht es dagegen bei den zahlreichen Zulieferern aus, die insgesamt etwa 200.000 Menschen beschäftigen. Viele davon sind nach Angaben des britischen Automobilverbands SMMT mittelständische Unternehmen, die durch den IT-Schaden und den folgenden Produktionsstopp in eine Liquiditätsklemme geraten sind. Selbst Rechnungen für bereits gelieferte Teile können nicht fristgerecht bezahlt werden.
Nach Angaben von Balaji bemüht sich JLR darum, den am stärksten bedrohten Zulieferern finanziell zu helfen. Gewerkschaften fordern darüber hinaus von der Regierung finanzielle Überbrückungshilfe für die betroffenen Beschäftigten.