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KunststoffherstellerAdnoc stockt Angebot für Covestro auf

Nachdem der Dax-Konzern eine erste Offerte offenbar auf ganzer Linie abgelehnt hat, legt der Ölkonzern aus den Emiraten jetzt nach. Noch reagiert die Covestro-Führung nicht darauf.Arno Schütze, Alexander Möthe 19.07.2023 - 10:53 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Ölkonzern zeigt starkes Interesse am Dax-Konzern Covestro.

Foto: Reuters

Frankfurt, Düsseldorf. Der Ölkonzern Adnoc aus Abu Dhabi erhöht Finanzkreisen zufolge sein Angebot für den deutschen Kunststoffhersteller Covestro. Adnoc biete nun etwa elf Milliarden Euro, sagten mit der Transaktion vertraute Personen. Die Unternehmen selbst wollten sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

Adnoc steht für Abu Dhabi National Oil Co. Die staatliche Ölfirma versucht Finanzkreisen zufolge den Dax-Konzern mit dem neuen Gebot zu Verhandlungen zu bringen. Übernahmegespräche hatten die Leverkusener bisher abgelehnt. Knackpunkt war dabei neben strategischen Gründen der Kaufpreis.

Adnoc umgarnt das Covestro-Management, indem der Konzern aus Abu Dhabi der Unternehmensspitze das Vertrauen ausspreche und Unterstützung für die Firmenstrategie signalisiere, wie eine mit dem Unternehmen vertraute Person sagte. Adnoc wolle Covestro freundlich übernehmen und habe Geld für künftige Investitionen in das Geschäft.

Insgesamt habe der Staatskonzern 150 Milliarden Dollar zur Verfügung und wolle sich breiter aufstellen. Covestro passe gut zu der Firmenstrategie.

Im Rahmen der Übernahmegerüchte reagierte auch die Aktie von Covestro. Nachdem die Papiere am Dienstagnachmittag noch deutlich gestiegen waren, lagen sie am Mittwoch zeitweise mit einem Minus von bis zu 3,2 Prozent am Dax-Ende.

Covestro hatte nach dem ersten Gebot einen Brief an den arabischen Konzern geschrieben. Darin stand Finanzkreisen zufolge, dass die vorgeschlagene Bewertung keine Grundlage für weitere Gespräche sei.

Zudem habe das Management Zweifel daran geäußert, ob Adnoc der beste Eigentümer für einen wesentlichen Teil der Covestro-Geschäfte wäre. Eine Suche nach anderen Käufern plane Covestro nicht, hatte es geheißen.

Dass Covestro auf die neue Offerte bislang nicht öffentlich reagiert hat, hängt nach Angaben von mit der Transaktion vertrauten Personen mit verschiedenen Faktoren zusammen. Zum einen sei aus Covestro-Sicht die Erhöhung des Angebots um 3,6 Prozent zu gering, um ins Gespräch zu kommen, Adnoc habe zudem weiterhin seine Strategie nicht klar formuliert.

Auch die von Adnoc selbst formulierte Einschränkung, eine Übernahme nur freundlich anzustreben, könnte ein Faktor für das öffentliche Schweigen sein. Da das Covestro-Management keinen Deal wolle, sehe es keinen Grund zum Verhandeln, da es gegen seinen Widerstand keinen Deal geben würde. Adnoc hoffe nun darauf, dass die Covestro-Aktionäre beim Management Druck machen, sich für Gespräche zu öffnen.

Analysten sehen Chancen ab 60 Euro pro Covestro-Aktie

Die Leverkusener sind in der Weltspitze bei Kunststoffschäumen, wie sie in Autositzen, Möbeln und Dämmstoffen gebraucht werden. Dazu kommt der transparente Kunststoff Polycarbonat, der in Autoscheinwerfern, Elektronik und in der Medizintechnik eingesetzt wird. Covestro verfügt aber auch über ein beträchtliches Portfolio in der Spezialchemie, etwa bei Beschichtungen.

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Die in Aussicht gestellte Erhöhung könnte der früheren Bayer-Tochter aber noch nicht genügen. Mehrere Analysten hatten bereits unterstrichen, dass wohl erst ein Preis von mehr als 60 Euro pro Aktie überzeugend wirken würde. Eingestiegen war Adnoc Finanzkreisen zufolge mit 55 Euro pro Aktie.

Das Interesse des staatlichen Konzerns aus Abu Dhabi ist groß. Die Araber wollten sich unter anderem Zugang zu Zukunftstechnologien in der Chemie sichern. Deswegen schaut sich Adnoc den Kreisen zufolge derzeit verstärkt nach Übernahmeobjekten in Europa um.

Die Araber seien kurzfristig an Fertigungskapazitäten interessiert, in denen der Output ihrer riesigen Petrochemie-Anlagen zu höherwertigen Kunststoffen weiterverarbeitet werden kann, hieß es.

Covestro käme in diesen Überlegungen als Teil eines größeren Deals ins Spiel. Adnoc und die österreichische OMV prüfen derzeit eine engere Zusammenarbeit ihrer jeweiligen Petrochemieunternehmen Borouge und Borealis. Die Geschäftsleitung von OMV bestätigte vor wenigen Tagen Gespräche über eine mögliche Fusion der milliardenschweren Konzerne.

Branchenexperten erwarten, dass Covestro Teil einer aus dieser Fusion hervorgehenden Firma werden könnte. Die bisherige Unklarheit, welche Rolle der Dax-Konzern in einer möglichen Dreierallianz spielen soll, mache die Verhandlungsposition von Adnoc dabei nicht leichter.

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Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über eine Erhöhung des Angebots berichtet.

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