Milliardenschwere Industrie mit Experimenten: Die Ökonomie der Tierversuche
Abgastests mit Affen stürzen Volkswagen in einer neue große Krise.
Foto: Stone/Getty ImagesBerlin, Düsseldorf, New York. Kein Schild, dafür viele Videokameras und mehrere Sicherheitsschleusen. Im Lovelace Labor in Albuquerque im Süden der USA kam es Besuchern im Sommer 2017 vor, als ob sie einen Hochsicherheitstrakt betreten. Der Chefwissenschaftler von Lovelace, Jake McDonald, scherzte: „Das ist eben die gefährlichste Gegend der Stadt.“
Die Wahrheit lautet wohl eher: Man will die Tierschützer fernhalten, denn die Labors des Instituts sind ein Zentrum für Tierversuche. In geheimen Tests für das amerikanische Militär werden Substanzen an Ratten, Hunden und Affen getestet. Hier bei Lovelace hat auch die deutsche Autoindustrie jene Abgasversuche an Affen in Auftrag gegeben, die nach ihrem Bekanntwerden vor einer Woche in Deutschland und aller Welt für Entsetzen sorgen.
Für die Gegner von Tierversuchen ist das Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) ein Negativbeispiel für die Machenschaften der Laborbranche. Das US-Landwirtschaftsministerium verhängte in den vergangenen Jahren aufgrund von Tierquälerei wiederholt Strafen gegen die Firma. Schmerzmittel oder andere Medikamente wurden nicht wie vorgeschrieben verabreicht, ein Hund starb, als seinen Lungen aus Versehen zu viel Luft zugeführt wurde. Es sind Missstände, wie sie regelmäßig ans Tageslicht kommen, wenn Tierschützer heimlich Aufnahmen in Testlabors machen. Hunde, denen der Kopf aufgebohrt wird, um Viren direkt ins Gehirn spritzen zu können. Katzen, die in völlig überfüllten Räumen gehalten werden.