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Oetker verliert ProzessAldis „Flecki“-Pudding bleibt im Kühlregal

„Paula“ gegen „Flecki“: Heute ging das Duell der Comic-Kühe in die letzte Runde. Mit einem klaren Sieger: Aldi darf seinen „Flecki“-Pudding weiter verkaufen - obwohl das Gericht ihn als Nachahmung einstuft. 24.07.2012 - 11:39 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Gegner im Puddingstreit: „Flecki“ (l.) von Aldi und „Paula“ von Dr. Oetker.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Lebensmittel-Konzern Dr. Oetker hat im Streit um gefleckten Kinderpudding gegen Aldi verloren. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht stufte Aldis Pudding „Flecki“ am Dienstag zwar als Nachahmung von Oetkers Verkaufshit „Paula“ ein, sah aber ausreichend Abstand zum geschützten „Paula“-Design gewahrt.

Oetkers Erfolgspudding „Paula“ wird mit einer Comic-Kuh mit Sonnenbrille seit 2006 vermarktet. „Flecki“ wird von Aldi Süd seit dem vergangenen Jahr ebenfalls mit einer Comic-Kuh vermarktet, die statt Sonnenbrille aber Blümchen und Kuhglocke trägt.

Beim Namen Dr. Oetker denken die meisten Deutschen an Backpulver. Doch zur Oetker-Gruppe gehört viel mehr als nur Lebensmittel. Ob Brauerei, Privatbank oder Reederei - das Traditionsunternehmen ist in etlichen Branchen aktiv und kommt so auf einen Jahresumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro. Nach den Belastungen der Finanzkrise und einem historischen Umsatztief in 2009 steuert das Unternehmen nun wieder in ruhigem und ertragreichem Fahrwasser. Nur über Gewinne, das war schon immer so, spricht man bei den Bielefeldern nicht. Eine Übersicht des Oetker-Imperiums.

Foto: Handelsblatt

Das Oetker-Imperium begann mit einer einfachen Idee. Im Jahre 1891 verkaufte der Apotheker August Oetker das bis dahin relativ unbekannte Backpulver erstmals in kleinen Tütchen an Hausfrauen - und fand damit eine Marktlücke. Der Gründer erweiterte die Produktpalette zunächst um Puddingpulver und Speisestärke, etliche andere Marken kamen mit den Jahren dazu. Mittlerweile macht die Lebensmittelsparte des Konzerns mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Foto: Handelsblatt

Das umsatzstärkste Produkt der Oetker-Lebensmittelsparte ist die Fertigpizza. Bereits 1970 brachte Dr. Oetker die erste Tiefkühlpizza auf den deutschen Markt und ist hierzulande Marktführer. Allein im Oetker-Werk in Wittenburg laufen täglich 400.000 Pizzas in diversen Sorten vom Band. Auch in Indien und China baute Oetker eigene Produktionsanlagen auf. Tiefkühlpizzen der Marke sind aber auch etwa in Kanada gefragt.

Foto: Handelsblatt

Auch Bäcker werden von der Oetker-Gruppe beliefert. Über die Tochterfirma Martin Braun verkauft Oetker mehrere hundert verschiedene Backartikel wie Backmittel, Aromen, Glasuren und Dekorprodukte. Zur Martin-Braun-Gruppe zählen unter anderem das in Nürnberg/Fürth ansässige Unternehmen Wolf ButterBack und die in Spanien auf Gebäck und Eis spezialisierte Firma Arconsa.

Foto: Handelsblatt

Mit der Radeberger Gruppe besitzt Oetker auch die größte deutsche Brauereikette. Das Bild zeigt den ehemaligen Geschäftsführer Ulrich Kallmeyer.

Foto: Handelsblatt

Zu den bekanntesten Biermarken der Radeberger-Gruppe gehören Jever, Schöfferhofer, Binding, Schultheiss, Gilden Kölsch und Clausthaler. Auch die Dortmunder Traditionsmarken Brinkhoff's No.1, DAB, Dortmunder Union, Dortmunder Kronen, Wicküler und Hansa Pils wurden in den Konzern integriert.

Foto: Handelsblatt

Zur Getränkesparte gehören nicht nur Biersorten, sondern auch Wein und Sekt. Neben der Nobelmarke Fürst von Metternich vertreibt der Gründer-Urenkel August Oetker (links, rechts sein 2007 verstorbener Vater Rudolf-August) mit Henkell Trocken die meistexportierte deutsche Sektmarke. Die Marke gilt als Erfinder des Pikkolo. Weitere bekannte Sektmarken der Gruppe sind Söhnlein Brillant, Deinhard oder Kupferberg.

Foto: Handelsblatt

Im Spirituosenmarkt ist die Henkell-Gruppe ebenfalls vertreten. Der deutsche Wodka-Marktführer „Wodka Gorbatschow“ oder die brasilianische Importmarke Batida de Coco erweitern das Alkohol-Portfolio des Konzerns.

Foto: Handelsblatt

Auch in der Container-Schifffahrt gehört die Oetker-Gruppe zu den Großen. Was vor fast anderthalb Jahrhunderten mit drei Dampfern und monatlichen Liniendiensten nach Brasilien und dem La Plata begann, hat sich inzwischen zu einem weltumspannenden Netzwerk entwickelt. Die Hamburg Süd bietet heute etwa 40 regelmäßige weltweite Container-Liniendienste und steuert rund die Hälfte zum Umsatz der Oetker-Gruppe bei.

Foto: Handelsblatt

Durch die Übernahme und Integration zahlreicher neuer Linien gehört die Hamburg Süd mittlerweile fest unter die 20 größten Containerreedereien der Welt.

Foto: Handelsblatt

Auch das traditionsreiche Bankhaus Lampe befindet sich heute im Besitz der Familie Oetker. Die Privatbank mit Sitz in Bielefeld hat sich auf die Unternehmensfinanzierung, die Vermögensberatung und -verwaltung für reiche Privatkunden sowie das Investmentgeschäft für institutionelle Anleger spezialisiert. Foto: PR

Foto: Handelsblatt

Die Chemische Fabrik Budenheim (CFB) wurde bereits 1923 vom Haus Oetker übernommen und konzentriert sich auf die Produktion von rund 1000 verschiedenen Spezialchemikalien. Im Bereich Phosphate ist CFB sogar Markführer in Europa.

Foto: Handelsblatt

Dem Geschäftsbereich „Weitere Interessen“ sind auch die Grandhotels der Oetker Hotel Collection zugeordnet. In Baden-Baden liegt das Brenner's Park-Hotel & Spa, in dem bei der WM 2006 unter anderem die englischen Spielerfrauen um Victoria Beckham untergebracht waren. Zur Gruppe gehören drei weitere exklusive Hotels, unter anderem in Paris und an der Côte d'Azur.

Foto: Handelsblatt

Das Gericht wies mit der Entscheidung einen Berufungsantrag von Dr. Oetker gegen ein Landgerichtsurteil zurück. Das OLG schloss sich im Grundsatz der Auffassung des Landgerichts an, dass „Flecki“ das Geschmacksmuster, das Dr. Oetker für „Paula“ zusteht, nicht verletzt. Auch ahme „Flecki“ den Pudding „Paula“ nicht in unlauterer Weise nach.

Auf Anfrage von Handelsblatt Online begrüßte Aldi Süd das Urteil. In einigen der 31 Regionalgesellschaften werde der „Flecki“-Pudding weiterhin als Testartikel im Sortiment geführt, hieß es.

Das Landgericht Düsseldorf hatte bereits am 1. März einen Eilantrag von Dr. Oetker auf ein europaweites Verkaufsverbot für den „Flecki“-Pudding abgelehnt. Das OLG musste nun in zweiter Instanz über die Forderung von Dr. Oetker nach einem Verbot entscheiden.

Warum Aldi billig ist
Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.
Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.
Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.
Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.
Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.
Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.
Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen.
Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.
Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.
Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Es war ein Kampf der Giganten im deutschen Lebensmittelhandel. Oetker, einer der größten deutschen Markenartikel-Hersteller, hatte seinen Kinderpudding „Paula“ bereits vor sieben Jahren auf den Markt gebracht und sich das an ein Kuhfell erinnernde charakteristische braun-weiße Muster des Schoko-Vanille-Puddings designrechtlich schützen lassen. Der auffällige Pudding hat sich seitdem einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent bei Kinder-Fertigdesserts erobert.

Deutschlands größter Discounter Aldi hatte ein ähnliches Produkt unter dem Namen „Flecki“ in sein Angebot aufgenommen. Oetker sah dadurch sein eingetragenes europäisches Geschmacksmuster verletzt. Außerdem warf das Familienunternehmen Aldi vor, den mit Werbemillionen aufgebauten Ruf von „Paula“ auszubeuten.

Denn auch wenn Aldi einen anderen Namen verwende und die Aufmachung unterschiedlich sei, werde „eine relevante Anzahl der Verbraucher“ wegen der Ähnlichkeit der Produkte denken, „Paula“ gibt es bei Aldi billiger, sagte der Oetker-Anwalt im Juni. Schließlich sei Aldi dafür bekannt, dass es auch von Markenartiklern hergestellte Produkte unter eigenen Namen verkaufe. Dies könnte einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstellen.

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Aldi wies die Vorwürfe zurück. Der Discounter habe getan was möglich sei, um eine Verwechslung der Produkte zu vermeiden, betonte ein Prozessvertreter des Unternehmens. Das Produkt und seine Verpackung unterschieden sich deutlich vom Oetker-Pudding. Von einer Herkunftstäuschung oder Rufausbeutung könne keine Rede sein. „Pudding ist kein Imageprodukt mit dem man Leute beeindrucken kann“, sagte der Anwalt.

Wie Aldi groß wurde
Wer hatte eigentlich die Idee Aldi so zu gründen, wie wir es heute kennen? Es wird wohl nie endgültig zu klären sein. Aber viele Indizien deuten darauf hin, dass es eher Karl Albrecht war als sein Bruder Theo. Das soll aber nicht schmälern, welch wichtigen Beitrag auch Letzterer beitrug.
Der Krieg war aus. 1946 im zerbombten Essen-Schonnebeck begann die Erfolgsgeschichte zwischen Lebensmittelkartons und Krämerware. Das Brüderpaar Karl und Theo Albrecht erkannte die Chance, die die Phase der sozialen Umorientierung bot. Sie bauten den Tante-Emma-Laden der Eltern aus.
Karl und Theo Albrecht erkannten rasch, dass der Laden der Eltern ihnen beiden keine Zukunftsaussicht bot. Sie entdeckten die betriebswirtschaftliche Zauberformel der Zeit „Nachfrage versus Bedarfsdeckung“ für sich und schafften es, sie im Sinne des Kunden zu lösen.
Karl und Theo Albrecht lebten  die Anforderungen der damaligen Zeit in perfekter Symbiose. Sie hatten weder äußerlich viel gemeinsam noch waren sie ähnlich gepolt. Theo überragte seinen Bruder um Kopfeslänge. Doch der „Kleinere“ war Vordenker und Impulsgeber. Ungeduldig, beredt, rastlos, bisweilen explosiv war Karl. Theo wirkte dagegen eher zurückhaltend, sogar zögerlich abwägend.
Die beiden Brüder waren in ihrer uniformen Arbeitsauffassung füreinander ein Glücksfall. Von vornherein waren die Aufgaben geteilt: Karl versah den Innen-, Theo den Außendienst. Sprich: Karl kümmerte sich um die schwierige Einkaufspolitik. Es war nicht einfach, die richtige Ware preiswert und in ausreichende Menge zu erhalten. Theo betreute die Verkaufsstellen sowie die Verwaltung und Buchhaltung.
1946 begann es mit dem kleinen Laden der Eltern. 1950 nannten die beiden Brüder eine Kette von 13 Läden inklusive Bedienungen ihr Eigen. Nun strukturierten sie ihre Läden nach dem Discountprinzip um. 1961 trennten sie ihre Geschäfte in Aldi Nord und Aldi Süd.
Zur moralischen Stabilität ihrer Konzerne trug maßgeblich die persönliche Lebensweise der Brüder bei. Beide waren im Auftreten zurückhaltend und lebten bescheiden. Sie waren nach alter Schule nach den Prinzipien Sparsamkeit und Kargheit erzogen.
Als einzigen „Luxus“ erlaubten sie sich ein eigenes Auto. Auf sein Golfschloss in Donaueschingen schickte Karl Albrecht seine Führungskräfte zum Entspannen. Die Brüder kannten keine Scheu vor ihrer kleinbürgerlichen Herkunft. Die Adresse Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck wollten sie nie abstreifen. Sie waren stets praktizierende Katholiken und wollten in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich wahrgenommen werden.
Theo Albrecht hatte eine Marotte: Er wollte jede Filiale sehen, bevor die zentrale Schreinerei an die Fertigung der Regale und Einrichtungsteile ging. Dabei kümmerte den Hobbyarchitekten die Delegation von Aufgaben zur eigenverantwortlichen Erledigung nur bedingt. Es galt: In dubio pro Theo.
Es gab durchaus Spannungen zwischen Theo und Karl Albrecht. Besonders deutlich wurde das beim ersten Schritt über die Grenzen Deutschlands. 1971 expandierte Aldi nach Österreich. Karl war es, der die Familie als erster international aufstellte. Heute firmiert Aldi Süd in Österreich übrigens unter dem Namen „Hofer“.
Verschwiegenheit war stets Trumpf im Hause Albrecht. Aldi lässt sich partout nicht in die Karten schauen. Die totale Verschleierung aller Kulissen ist institutionalisiert. So wenig undichte Stellen wie möglich, lautet die Devise.
Die Brüder gaben sich Maßregeln, die zu unverrückbaren internen Prinzipien wurden: Keine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Keine Firmensprecher. Keine Interviews im Radio oder Fernsehen. Keinerlei mondäner Lifestyle. Keine Lobbyarbeit. Keine Firmenjubiläen. Lückenlose Rückgabe von Werbegeschenken.
Die Zurückhaltung hatte einen guten Grund: Abgucker und Schmarotzer sollte keine Gelegenheit  zur Einsicht in Interna haben. Die innovative Discount-Struktur war eine zarte Pflanze und schutzbedürftig. Das neue Konzept musste sich in Ruhe verfestigen. Erfahrungen waren Gold wert.
Aldis Verwaltungsrat ist ein frei schwebendes Organ. Gesellschaftsrechtlich ist es nirgendwo in den Statuten eingebunden. Seine Mitglieder haben freiberuflichen Status, sind aber dennoch die „Macher“: Der Verwaltungsrat ist das zentrale Machtorgan des Konzerns. Aldi steht seit jeher zu seinem Führungssystem, dass sich mit dem Wort Durchgriffs-Management am besten umschreiben lässt. Der Verwaltungsrat hat den Alleinführungsanspruch.
Aldi stellte stets besondere Anforderungen an seine Mitarbeiter und richtet seine Personalsuche darauf ab. Vorstellungsgespräche sind exzessiv angelegt, manchmal über mehrere Sitzungen. Man lotet die charakterlichen und sozialen Hintergründe des Bewerbers genau aus. Personalvermittlungen kommen nicht zum Zug.
Natürlich variiert das Anforderungsprofil je nach Stelle, aber es gibt gewisse Grundvorstellungen: Der Bewerber sollte unauffällig und zurückhaltend im Auftreten sein, seine Bekleidung schlich und gediegen, seine Herkunft möglichst bodenständig, die Familienverhältnisse geordnet, Sparsamkeit wird sehr geschätzt wie auch Pflichtbewusstsein und Normalität hinsichtlich des Lebensprinzips.
Das Warenumschlagssystem von Aldi mit seinen schematisierten Abläufen erfordert erfahrene Praktiker. Es wird nicht vorrangig Kopfarbeit am Schreibtisch verlangt. Wer richtig aufsteigen wollte, hatte bei den Albrechts eine Ochsentour vor sich. Ein Akademikerstatus ist entbehrlich.
Für Aldi liegt das Geheimnis des langfristigen Erfolges im Zeitmanagement der Führungskräfte. Es gibt eine detaillierte Planungsphilosophie und strenge Normen nach dem Motto: Plan dich oder friss dich! Zudem hat Aldi ein umfangreiches Prämiengerüst. Bezirksleiter bekommen solche und vergeben wiederum welche an ihre Filialleiter. Einzig der Geschäftsführer bekommt keine Prämie.
Wer den Ansprüchen Aldis gerecht werden will, muss sie beherrschen: die Handbücher. Das gilt aber vor allem für die regionalen Geschäftsführer. Aldi Nord hat im Laufe der Jahre alles, was Firmeninterna angeht, in solchen Handbüchern fortgeschrieben. Da ist einiges Zusammengekommen – viel Lesestoff.
Aldi-Mitarbeiter lachen wenig. Zu stark lastet der Druck auf allen. Er wird von der Spitze her aufgebaut und durchgereicht. Das einzige, was lacht, ist die Liquidität.
Es ist auch für Journalisten vom Fach sehr schwierig, Details über die beiden Aldi-Konzerne herauszubekommen. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert und somit nur zu bestimmten Veröffentlichungen verpflichtet. Umso wertvoller sind glaubwürdige und detaillierte Berichte, wie sie Eberhard Fedtke in seinem Buch geliefert hat. Er war viele Jahre lang Gesellschafter bei dem Konzern. Bibliografie:Eberhard FedtkeAldi Geschichten. Ein Gesellschaftler erinnert sichNWB Verlag, Herne 2011296 Seiten

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