Oetker verliert Prozess: Aldis „Flecki“-Pudding bleibt im Kühlregal
Gegner im Puddingstreit: „Flecki“ (l.) von Aldi und „Paula“ von Dr. Oetker.
Foto: dpaDüsseldorf. Der Lebensmittel-Konzern Dr. Oetker hat im Streit um gefleckten Kinderpudding gegen Aldi verloren. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht stufte Aldis Pudding „Flecki“ am Dienstag zwar als Nachahmung von Oetkers Verkaufshit „Paula“ ein, sah aber ausreichend Abstand zum geschützten „Paula“-Design gewahrt.
Oetkers Erfolgspudding „Paula“ wird mit einer Comic-Kuh mit Sonnenbrille seit 2006 vermarktet. „Flecki“ wird von Aldi Süd seit dem vergangenen Jahr ebenfalls mit einer Comic-Kuh vermarktet, die statt Sonnenbrille aber Blümchen und Kuhglocke trägt.
Beim Namen Dr. Oetker denken die meisten Deutschen an Backpulver. Doch zur Oetker-Gruppe gehört viel mehr als nur Lebensmittel. Ob Brauerei, Privatbank oder Reederei - das Traditionsunternehmen ist in etlichen Branchen aktiv und kommt so auf einen Jahresumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro. Nach den Belastungen der Finanzkrise und einem historischen Umsatztief in 2009 steuert das Unternehmen nun wieder in ruhigem und ertragreichem Fahrwasser. Nur über Gewinne, das war schon immer so, spricht man bei den Bielefeldern nicht. Eine Übersicht des Oetker-Imperiums.
Foto: HandelsblattDas Oetker-Imperium begann mit einer einfachen Idee. Im Jahre 1891 verkaufte der Apotheker August Oetker das bis dahin relativ unbekannte Backpulver erstmals in kleinen Tütchen an Hausfrauen - und fand damit eine Marktlücke. Der Gründer erweiterte die Produktpalette zunächst um Puddingpulver und Speisestärke, etliche andere Marken kamen mit den Jahren dazu. Mittlerweile macht die Lebensmittelsparte des Konzerns mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr.
Foto: HandelsblattDas umsatzstärkste Produkt der Oetker-Lebensmittelsparte ist die Fertigpizza. Bereits 1970 brachte Dr. Oetker die erste Tiefkühlpizza auf den deutschen Markt und ist hierzulande Marktführer. Allein im Oetker-Werk in Wittenburg laufen täglich 400.000 Pizzas in diversen Sorten vom Band. Auch in Indien und China baute Oetker eigene Produktionsanlagen auf. Tiefkühlpizzen der Marke sind aber auch etwa in Kanada gefragt.
Foto: HandelsblattAuch Bäcker werden von der Oetker-Gruppe beliefert. Über die Tochterfirma Martin Braun verkauft Oetker mehrere hundert verschiedene Backartikel wie Backmittel, Aromen, Glasuren und Dekorprodukte. Zur Martin-Braun-Gruppe zählen unter anderem das in Nürnberg/Fürth ansässige Unternehmen Wolf ButterBack und die in Spanien auf Gebäck und Eis spezialisierte Firma Arconsa.
Foto: HandelsblattMit der Radeberger Gruppe besitzt Oetker auch die größte deutsche Brauereikette. Das Bild zeigt den ehemaligen Geschäftsführer Ulrich Kallmeyer.
Foto: HandelsblattZu den bekanntesten Biermarken der Radeberger-Gruppe gehören Jever, Schöfferhofer, Binding, Schultheiss, Gilden Kölsch und Clausthaler. Auch die Dortmunder Traditionsmarken Brinkhoff's No.1, DAB, Dortmunder Union, Dortmunder Kronen, Wicküler und Hansa Pils wurden in den Konzern integriert.
Foto: HandelsblattZur Getränkesparte gehören nicht nur Biersorten, sondern auch Wein und Sekt. Neben der Nobelmarke Fürst von Metternich vertreibt der Gründer-Urenkel August Oetker (links, rechts sein 2007 verstorbener Vater Rudolf-August) mit Henkell Trocken die meistexportierte deutsche Sektmarke. Die Marke gilt als Erfinder des Pikkolo. Weitere bekannte Sektmarken der Gruppe sind Söhnlein Brillant, Deinhard oder Kupferberg.
Foto: HandelsblattIm Spirituosenmarkt ist die Henkell-Gruppe ebenfalls vertreten. Der deutsche Wodka-Marktführer „Wodka Gorbatschow“ oder die brasilianische Importmarke Batida de Coco erweitern das Alkohol-Portfolio des Konzerns.
Foto: HandelsblattAuch in der Container-Schifffahrt gehört die Oetker-Gruppe zu den Großen. Was vor fast anderthalb Jahrhunderten mit drei Dampfern und monatlichen Liniendiensten nach Brasilien und dem La Plata begann, hat sich inzwischen zu einem weltumspannenden Netzwerk entwickelt. Die Hamburg Süd bietet heute etwa 40 regelmäßige weltweite Container-Liniendienste und steuert rund die Hälfte zum Umsatz der Oetker-Gruppe bei.
Foto: HandelsblattDurch die Übernahme und Integration zahlreicher neuer Linien gehört die Hamburg Süd mittlerweile fest unter die 20 größten Containerreedereien der Welt.
Foto: HandelsblattAuch das traditionsreiche Bankhaus Lampe befindet sich heute im Besitz der Familie Oetker. Die Privatbank mit Sitz in Bielefeld hat sich auf die Unternehmensfinanzierung, die Vermögensberatung und -verwaltung für reiche Privatkunden sowie das Investmentgeschäft für institutionelle Anleger spezialisiert. Foto: PR
Foto: HandelsblattDie Chemische Fabrik Budenheim (CFB) wurde bereits 1923 vom Haus Oetker übernommen und konzentriert sich auf die Produktion von rund 1000 verschiedenen Spezialchemikalien. Im Bereich Phosphate ist CFB sogar Markführer in Europa.
Foto: HandelsblattDem Geschäftsbereich „Weitere Interessen“ sind auch die Grandhotels der Oetker Hotel Collection zugeordnet. In Baden-Baden liegt das Brenner's Park-Hotel & Spa, in dem bei der WM 2006 unter anderem die englischen Spielerfrauen um Victoria Beckham untergebracht waren. Zur Gruppe gehören drei weitere exklusive Hotels, unter anderem in Paris und an der Côte d'Azur.
Foto: HandelsblattDas Gericht wies mit der Entscheidung einen Berufungsantrag von Dr. Oetker gegen ein Landgerichtsurteil zurück. Das OLG schloss sich im Grundsatz der Auffassung des Landgerichts an, dass „Flecki“ das Geschmacksmuster, das Dr. Oetker für „Paula“ zusteht, nicht verletzt. Auch ahme „Flecki“ den Pudding „Paula“ nicht in unlauterer Weise nach.
Auf Anfrage von Handelsblatt Online begrüßte Aldi Süd das Urteil. In einigen der 31 Regionalgesellschaften werde der „Flecki“-Pudding weiterhin als Testartikel im Sortiment geführt, hieß es.
Das Landgericht Düsseldorf hatte bereits am 1. März einen Eilantrag von Dr. Oetker auf ein europaweites Verkaufsverbot für den „Flecki“-Pudding abgelehnt. Das OLG musste nun in zweiter Instanz über die Forderung von Dr. Oetker nach einem Verbot entscheiden.
Es war ein Kampf der Giganten im deutschen Lebensmittelhandel. Oetker, einer der größten deutschen Markenartikel-Hersteller, hatte seinen Kinderpudding „Paula“ bereits vor sieben Jahren auf den Markt gebracht und sich das an ein Kuhfell erinnernde charakteristische braun-weiße Muster des Schoko-Vanille-Puddings designrechtlich schützen lassen. Der auffällige Pudding hat sich seitdem einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent bei Kinder-Fertigdesserts erobert.
Deutschlands größter Discounter Aldi hatte ein ähnliches Produkt unter dem Namen „Flecki“ in sein Angebot aufgenommen. Oetker sah dadurch sein eingetragenes europäisches Geschmacksmuster verletzt. Außerdem warf das Familienunternehmen Aldi vor, den mit Werbemillionen aufgebauten Ruf von „Paula“ auszubeuten.
Denn auch wenn Aldi einen anderen Namen verwende und die Aufmachung unterschiedlich sei, werde „eine relevante Anzahl der Verbraucher“ wegen der Ähnlichkeit der Produkte denken, „Paula“ gibt es bei Aldi billiger, sagte der Oetker-Anwalt im Juni. Schließlich sei Aldi dafür bekannt, dass es auch von Markenartiklern hergestellte Produkte unter eigenen Namen verkaufe. Dies könnte einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstellen.
Aldi wies die Vorwürfe zurück. Der Discounter habe getan was möglich sei, um eine Verwechslung der Produkte zu vermeiden, betonte ein Prozessvertreter des Unternehmens. Das Produkt und seine Verpackung unterschieden sich deutlich vom Oetker-Pudding. Von einer Herkunftstäuschung oder Rufausbeutung könne keine Rede sein. „Pudding ist kein Imageprodukt mit dem man Leute beeindrucken kann“, sagte der Anwalt.