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Pharmakonzern Boehringer Ingelheim bleibt trotz Corona auf stabilem Kurs

Eine starke Geschäftsentwicklung gibt dem Pharmakonzern Rückhalt, um der Coronakrise mit neuen Forschungs-Aktivitäten und Vertriebskonzepten zu begegnen.
08.04.2020 - 13:09 Uhr Kommentieren
Für 2020 bleibt von Baumbach trotz des Krisenumfelds verhalten zuversichtlich. Quelle: Bloomberg
Hubertus von Baumbach

Für 2020 bleibt von Baumbach trotz des Krisenumfelds verhalten zuversichtlich.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt In Reaktion auf die Pandemie hat das Familienunternehmen Boehringer Ingelheim einen Teil seiner Forschung umgebaut. So sind inzwischen mehr als 100 Wissenschaftler des Konzerns an der Suche nach Therapien gegen die Lungenerkrankung Covid-19 beteiligt.

„Diese Zeiten sind außergewöhnlich“, erklärt Firmenchef Hubertus von Baumbach. „Sie machen uns sehr bewusst, dass wir dort zur Stelle sein müssen, wo der medizinische Bedarf am höchsten ist.

Der Ingelheimer Familien-Konzern ist Deutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller nach Bayer und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Atemwegsmedikamenten. Er war in der Vergangenheit auch in der Virologie-Forschung engagiert, hat sich nach mehreren Misserfolgen aus diesem Gebiet aber vor einigen Jahren zurückgezogen.

Dennoch durchforstet Boehringer nun unter anderem seine Molekülbibliothek auf Substanzen, die gegen das Coronavirus wirken könnten. Mit mehreren Projekten engagiert sich das Unternehmen zudem in internationalen Forschungskonsortien wie den Programmen der Bill & Melinda Gaters Foundation und der Innovative Medicines Initiative (IMI) der Europäischen Union.

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    Hier bringt Boehringer unter anderem auch drei Antikörper ein, die man zusammen mit der Braunschweiger Biotechfirma Yumab entwickelte und die Aktivität bei der Blockade von Rezeptoren des Sars-CoV2-Virus zeigten. Als einer der führenden Auftragsproduzenten für biotechnisch hergestellte Arzneien verfügt der Ingelheimer Konzern zudem über umfangreiches Know-how in der Produktion von Antikörpern.

    Fokus auf bewährte Bereiche

    Das kurzfristige Engagement im Kampf gegen Covid-19 bedeute indessen keine Abkehr von der längerfristigen Forschungs-Strategie, macht von Baumbach im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich.

    Seine Schwerpunkte sieht der Konzern damit weiter in Bereichen wie Onkologie, Diabetes, Immunologie sowie in der Therapie von Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD. Eine Rückkehr auf das Feld der Virologie sei „eher unwahrscheinlich.“

    Der Ingelheimer Konzern kann das Engagement in der Covid-19-Forschung in ausgesprochen starker und stabiler Verfassung angehen. Im vergangenen Jahr steigerte er seinen Umsatz um 8,6 Prozent auf 19 Milliarden Euro. Währungsbereinigt entspricht das einem Plus von 5,7 Prozent. Seine Forschungsausgaben erhöhte Boehringer um neun Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.

    Die beiden Hauptsparten des Konzerns zeigten dabei operativ eine gegenläufige Performance. Während der Bereich Tiermedizin bedingt durch die Schweinepest in China leicht auf vier Milliarden Euro schrumpfte, legte der Konzern im deutlich größeren Geschäft mit Human-Arzneimitteln währungsbereinigt um acht Prozent auf 14 Milliarden Euro zu.

    Boehringer dürfte damit abermals etwas stärker gewachsen sein als die Branche insgesamt. Vor allem das Diabetesmittel Jardiance mit mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz und 47 Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr erwies sich dabei als starker Wachstumstreiber. Zweistellige Umsatzsteigerungen verbuchte Boehringer auch mit dem Diabetesmittel Trajenta und dem Medikament Ofev gegen Lungenfibrose.

    Der Betriebsgewinn des Konzerns verbesserte sich dank der starken Pharma-Performance um knapp ein Zehntel auf 3,8 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern stieg um 31 Prozent auf den Rekordwert von 2,7 Milliarden Euro.

    Stärkung der Finanzreserven

    Wegen eines üppigen operativen Cashflows von 3,3 Milliarden Euro konnte der Ingelheimer Konzern zudem seine Finanzreserven weiter verstärken. Flüssige Mittel und Finanzanlagen addieren sich inzwischen auf gut elf Milliarden Euro, während sich die Bankverbindlichkeiten auf bescheidene 246 Millionen Euro reduzierten.

    Auch für 2020 bleibt von Baumbach trotz des Krisenumfelds verhalten zuversichtlich. „Wir können uns im Moment nicht beklagen und sind sehr dankbar für das, was uns erspart geblieben ist im Verhältnis zu vielen anderen.“

    Anders als viele Industriekonzerne muss der Ingelheimer Konzern keinen Einbruch als Folge der Corona-Pandemie fürchten. Für das Gesamtjahr rechnet er vielmehr mit einem leichten Umsatzplus und einem stabilen Betriebsgewinn.

    Im ersten Quartal verbuchte Boehringer sogar eine besonders starke Nachfrage nach seinen Medikamenten. Diese Entwicklung ist aus Sicht Baumbachs aber stark von Vorratseffekten beeinflusst ist und daher kaum als Indikator für den weiteren Geschäftsverlauf geeignet. „Wir beobachten, dass unter dem Blickwinkel der Versorgungssicherheit in vielen Ländern der Wunsch besteht, die Lagermengen nach oben zu fahren.“

    Auch Boehringer selbst hat nach Baumbachs Worten die eigenen Bestände an Rohmaterialien frühzeitig aufgestockt und dadurch Engpässe in der Produktion vermieden. Selbst die Fabriken des Konzerns in Norditalien laufen ohne Unterbrechung. Und man sei zuversichtlich, dass die Lieferkette auch im weiteren Jahresverlauf intakt bleibe.

    Spuren hinterlässt die Coronakrise dagegen in Organisation und Vertrieb. Rund 40.000 Mitarbeiter, und damit etwa drei Viertel der weltweiten Belegschaft, arbeiten laut Baumbach inzwischen im Homeoffice.

    Die Außendienste wurden komplett auf Online-Plattformen umgestellt. Die Krise eröffnet aus Sicht des Boehringer-Chefs auch neue Chancen, elektronische Vertriebskonzepte voranzubringen.

    Er verweist etwa auf eine von Boehringer entwickelte digitale Interaktionsplattform, die Tierärzte bei Ferndiagnosen unterstützt. Das Interesse daran sei regelrecht durch die Decke gegangen.

    Mehr: Diese Unternehmen sind die großen Gewinner und Verlierer der Coronakrise.

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