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PharmakonzernGeschäft mit Covid-Impfstoffen entwickelt sich für Pfizer besser als erwartet

Pfizer erhöht die Prognose für Erlöse mit dem Covidimpfstoff. Grund sind höhere Auslieferungen in den USA. Davon dürfte auch Biontech profitieren.Siegfried Hofmann 01.11.2022 - 15:28 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der US-Pharmakonzern hebt seine Gewinnprognose an.

Foto: Reuters

Frankfurt. Das Geschäft mit Covid-Impfstoffen und Medikamenten hat beim US-Pharmariesen Pfizer inzwischen zwar seinen Zenit überschritten. Es entwickelt sich aber weiter besser als bisher prognostiziert. Jetzt konnte Pfizer deshalb seine Umsatzprognose für den Covid-Impfstoff Comirnaty trotz deutlich negativer Währungseffekte noch um zwei Milliarden Dollar erhöhen, auf nunmehr 34 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2022.

Der US-Konzern hat zugleich auch das untere Ende seiner Jahresprognose angehoben. Er erwartet nun Gesamterlöse von 99,5 bis 102 Milliarden Dollar. Operativ wäre das ein Plus von 29 bis 32 Prozent. Comirnaty und das Covidmedikament Paxlovid werden dazu laut Pfizer insgesamt 56 Milliarden Dollar beisteuern, also mehr als die Hälfte.

Der bereinigte Gewinn je Aktie soll um gut zwei Drittel auf 6,40 Dollar bis 6,50 Dollar je Aktie zulegen. Das entspricht einem Nettogewinn von etwa 37 Milliarden Dollar.

Die verbesserte Guidance des US-Konzerns lässt Rückschlüsse auf das Geschäft des deutschen Partners Biontech zu. Die beiden teilen sich den Rohertrag aus dem gemeinsamen Covid-Impfstoff-Geschäft, wobei Pfizer den Löwenanteil der weltweiten Umsätze verbucht.

Viel spricht dafür, dass auch das Mainzer Biotech-Unternehmen seine bisherige Prognose übertreffen kann. Denn der Entwickler des Covidimpfstoffs, der für 2022 bisher einen Umsatz von 13 bis 17 Milliarden Euro in Aussicht stellt, dürfte zusätzlich auch von der starken Dollar-Aufwertung profitieren.

Biontech legt Anfang kommender Woche Quartalszahlen vor. In Reaktion auf die Pfizer-Mitteilungen legte die Biontech-Aktie am Dienstag bis zum frühen Nachmittag um gut drei Prozent zu, Pfizer notierte vorbörslich ähnlich stark im Plus.

Die Pfizer-Zahlen im Detail

Der US-Konzern verbuchte im dritten Quartal insgesamt einen Umsatzrückgang um sechs Prozent auf 22,6 Milliarden Dollar. Er lag damit aber noch deutlich über den Erwartungen des Marktes.

Zwar sank der Umsatz mit dem Covidimpfstoff Comirnaty im dritten Quartal um zwei Drittel auf 4,4 Milliarden Dollar. Das sind allerdings immer noch fast zwei Milliarden Dollar mehr als ursprünglich von Pfizer prognostiziert. Grund dafür sind vor allem höhere Auslieferungen in den USA. Für das vierte Quartal erwartet der US-Konzern wieder steigende Erlöse von mehr als sieben Milliarden Dollar.

Den starken Umsatzrückgängen bei Comirnaty und den für Pfizer negativen Währungseffekten standen zudem 7,5 Milliarden Dollar Zusatzumsatz mit dem Covidmittel Paxlovid gegenüber. Das Medikament soll die Vermehrung des Coronavirus in den Zellen und damit im Körper stoppen und wurde erst zu Jahresbeginn auf den Markt gebracht.

Für Paxlovid rechnet Pfizer mit etwa fünf Milliarden Dollar Umsatz im vierten Quartal und mit 22 Milliarden Dollar im Gesamtjahr. Alles in allem bestätigt sich das Covidgeschäft für den Pharmariesen damit weiterhin als enormer Ertragsfaktor im laufenden Jahr.

Das etablierte Geschäft legte laut Pfizer währungsbereinigt um moderate zwei Prozent zu.

Ausblick auf das Geschäft nach Covid

Eine erhebliche Herausforderung für den US-Konzern besteht darin, das übrige Geschäft stärker voranzubringen, um auch nach dem durch Covid verursachten Boom weiter Wachstum zu generieren. Hier ist der Konzern noch ein Stück entfernt von seinem selbst gesetzten Ziel, bis Ende des Jahrzehnts die Erlöse organisch um etwa sechs Prozent pro Jahr zu steigern.

Zudem werden Produkte mit einem Gesamtjahresumsatz von 17 Milliarden Dollar bis 2030 ihren Patentschutz verlieren. Dazu zählen Blockbuster wie das Krebsmittel Ibrance und der Blutverdünner Eliquis. Viele Investoren sind deshalb skeptisch, wenn es um die längerfristigen Wachstumschancen des Konzerns geht.

Firmenchef Albert Bourla verwies dagegen bei Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag auf eine stark gefüllte Pipeline. „Wir glauben, dass wir diese Einbußen nicht nur kompensieren, sondern möglicherweise starkes Wachstum bis Ende des Jahrzehnts erzielen können.”

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In den nächsten 18 Monaten erwarte man Zulassungen für 19 Produkte oder erweiterte Einsatzbereiche. Bourla stellte dabei unter anderem einen Impfstoff gegen das Respiratorische Synzytial Virus (RSV) heraus. Für den Erreger von Atemwegserkrankungen hat der Konzern kürzlich Phase-3-Daten präsentiert.

Ein zusätzliches Umsatzpotenzial von rund 25 Milliarden Dollar will sich Pfizer bis Ende des Jahrzehnts durch Akquisitionen und Lizenzdeals erschließen. In diesem Jahr wurden bereits 26 Milliarden Dollar in Übernahmen investiert. Die Biotech-Firmen Biohaven und Global Blood Therapeutics kosteten Pfizer zusammen 17 Milliarden Dollar. Dank der Coviderlöse verfügt der Konzern noch über erheblichen Spielraum für weitere Deals.

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