Rekord an der Börse: Tesla ist mehr wert als Volkswagen und BMW zusammen
Der kalifornische Elektro-Pionier legt an der Börse kräftig zu und überholt sogar deutsche Konkurrenten Volkswagen und BMW.
Foto: ReutersNew York. Tesla-Aktien schießen weiter nach oben: Etwa 20 Prozent hat der Elektroauto-Pionier aus Kalifornien zum Wochenanfang an den Märkten zugelegt. Die Aktie knackte die Marke von 700 US-Dollar. Damit lieferte Tesla am dritten Handelstag in Folge ein Rekordhoch. Mit einer Marktkapitalisierung von 137 Milliarden Dollar ist der Konkurrent nun mehr wert als die deutschen Autohersteller BMW und Volkswagen zusammen: Die Autobauer aus Wolfsburg und München kommen gemeinsam auf etwa 126 Milliarden Dollar.
Grund für den Kursprung nach Analystenmeinung: Nach jahrelangen Verlusten hat Teslas Batterie-Joint-Venture mit dem japanischen Elektronik-Konzern Panasonic erstmals einen Quartalsgewinn eingefahren. Auch der gerade veröffentliche positive Geschäftsbericht für das vierte Quartal 2019 ließ die Anleger zufrieden in Teslas Zukunft schauen.
Ganz besonders optimistisch für Musks Konzern erweisen sich Prognosen der Investment-Firma ARK Invest, die Tesla in den kommenden fünf Jahren einen Zuwachs von bis zu 4000 Dollar pro Anteilsschein voraussagt. Bis zum Jahr 2024 könnte der Wert demnach sogar bis zu 15.000 Dollar wachsen.
Andere Analysten sehen Tesla eher skeptisch: „Bitcoin auf Rädern“ nannte Gordon Johnson, Chef der Investmentfirma GLJ Research, Tesla vor ein paar Tagen während eines Interviews beim US-Fernsehsender Fox. Die Kryptowährung Bitcoin hatte 2017 2100 Prozent gewonnen, verlor dann aber im darauffolgenden Jahr mehr als 80 Prozent ihres Werts. Die Umsätze bei Tesla im vierten Quartal seien lediglich zwei Prozent gestiegen. „Viele Leute haben nur Angst, was zu verpassen“, so Johnson. 2020 könnte eine Katastrophe werden.
Shotseller lösen Kurssprung aus
Zu einem gewissen Anteil könnten Shortseller den Kurssprung mit ausgelöst haben. Denn Investoren, die auf fallende Kurse setzen, arbeiten oft mit Leerverkäufen: Sie leihen sich bei Fonds Aktien und verkaufen diese. Wenn der Aktienkurs danach wie geplant sinkt, können sie die Aktien günstiger zurückkaufen und an den Fonds zurückgeben. So profitieren die Spekulanten von der Kursdifferenz.
Sinkt die Aktie jedoch nicht, stehen Shortseller vor einem Problem, denn sie müssen das Papier trotzdem an den Verleiher zurückgeben. Sie kaufen die Aktie also zum höheren Kurs zurück – und treiben den Kurs auf diese Weise noch weiter in die Höhe. Womöglich haben solche Short-Squeezes zur jüngsten Tesla-Kursrally beigetragen.
Ob Leerverkäufer ihre Positionen angesichts der für sie schlechten Entwicklung nun im großen Stil aufgeben, ist dennoch unklar. Viele setzen womöglich weiter darauf, dass die Aktie langfristig fällt. Immerhin kommen 2020 – auch infolge neuer CO2-Grenzwerte in der Europäischen Union – viele große, etablierte Autobauer mit E-Autos auf den Markt. So steigt die Konkurrenz für Tesla.