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RettungsaktionWieder ein Plan, der nicht aufgeht – Elon Musk erntet Spott für angekündigte Höhlenrettung

Mit Rettungskapseln wollte Musk die eingeschlossen Jugendlichen aus der thailändischen Höhle befreien. Doch seine Hilfe kommt offenbar zu spät. Jetzt hagelt es Spott.Mathias Peer 09.07.2018 - 12:38 Uhr Artikel anhören

Bangkok. Elon Musks neueste Erfindung sieht so aus wie eine überdimensionierte Patronenhülse. Auf Videos, die der Tesla-Gründer auf Twitter veröffentlicht hat, ist zu sehen, wie Taucher den Aluminiumzylinder durch einen Swimmingpool schieben. Anschließend heben sie den Behälter, an dem Sauerstoffflaschen befestigt sind, nach draußen – und ein Kind klettert aus einer schmalen Öffnung.

Wenn es nach Musk geht, soll die Rettung der eingeschlossenen Kinder in Thailand genau so ablaufen. Statt in einem Pool soll das Gerät aber in einer überfluteten Höhle zum Einsatz kommen, wo vor zwei Wochen eine Jugendfußballmannschaft eingeschlossen wurde. Doch Musks High-Tech-Rettungsplan hat ein Problem: das Timing.

Als Musk am frühen Montagmorgen thailändischer Zeit seine ersten Testvideos der Erfindung im Internet postet, haben vier der jungen Fußballer die Höhle längst verlassen und liegen in einem Krankenhaus in der nordthailändischen Stadt Chiang Rai.

Sie wurden am Sonntag in einem mehrstündigen Rettungseinsatz von Tauchern mehrerer Marine-Spezialeinheiten befreit – und mussten dabei große Teile der Strecke mit Tauchausrüstung unter Wasser zurücklegen. Musk tauschte sich unterdessen mit Twitter-Nutzern darüber aus, dass es „cool“ wäre, auch einen iPod in die Rettungskapsel zu legen.

Wenige Stunden vor dem Start der zweiten Rettungsrunde am Montag, bei der weitere der noch neun eingeschlossenen Personen befreit werden sollen, verkündete Musk auf Twitter, dass ein zweites, 30 Zentimeter kürzeres Exemplar seines Prototypen bald fertig sei.

Zuvor hatte er erklärt, dass die Lieferung von Los Angeles nach Thailand per Flugzeug rund 17 Stunden dauern werde. Das Gerät, das Musk selbst als „U-Boot in Kindergröße“ bezeichnet, dürfte also ankommen, wenn der Großteil des Rettungseinsatzes schon vorbei ist.

In Musks Lieblingsmedium Twitter hagelte es Spott. „Viel beachtet, unerprobt und zu spät – die Geschichte des Elon Musk“, schrieb der Automobilexperte Bertel Schmitt in Anspielung auf Teslas chronische Lieferprobleme. „Jemand sollte Musk erklären, dass die Rettungsaktion schon längst begonnen hat“, kommentierte die Südostasien-Reporterin Kayleigh E. Long. Andere Nutzer warfen Musk, der für seinen Einsatz auch Zuspruch erhielt, zudem vor, die Rettungsmission angesichts des globalen Medieninteresses für Eigenwerbung zu benutzen.

Viele Ideen, keine Umsetzung

Der Einsatz in Nordthailand beschäftigt Musk schon seit Tagen: Am 23. Juni war eine Gruppe aus zwölf Jugendlichen und ihrem Fußballtrainer dort in einer Höhle von einer Sturzflut überrascht und mehrere Kilometer vom Eingang entfernt eingeschlossen worden. Nach einer Woche Ungewissheit, ob die Jugendlichen überlebten, wurden sie eine Woche später von einem britischen Taucherteam gefunden.

Sie zu befreien stellte die Rettungskräfte jedoch vor große Herausforderungen: Sie kämpften mit einer starken Strömung, schlechten Sichtverhältnissen und extrem engen Passagen. Außerdem können viele der Eingeschlossenen offenbar nicht einmal schwimmen – geschweige denn tauchen.

An der Rettungsaktion beteiligten sich mehrere Staaten und thailändische Konzerne. Musk ist der bekannteste Unternehmer, der seine Hilfe anbot. Zu seinen ersten Ideen gehörte eine Art Schlauch, der durch die Höhle verlegt und dann aufgeblasen werden sollte. Die Eingeschlossenen hätten durch die Anlage nach Musks Vorstellung nach draußen spazieren können; ganz im Trockenen.

Auch bei der Möglichkeit, eine neue Öffnung in die Höhle zu bohren, brachte sich Musk ins Gespräch. Zu seinem Firmenimperium gehört schließlich auch die Tunnelbaufirma Boring Company. Ingenieure des Unternehmens reisten zusammen mit ihren Kollegen von Musks Raketenfirma SpaceX nach Thailand, um ihre Hilfe anzubieten.

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Am Ende sah Musk für die Weltraumtechniker offenbar die besseren Aussichten. Die Rettungskapsel wurde zu Musks Plan A. Sie habe den Vorteil, dass die Kinder darin keine Taucherausrüstung tragen müssten und dass auch panische Reaktionen unwahrscheinlicher seien. Mit ein paar Veränderungen könnte die Kapsel auch im All eingesetzt werden, twitterte Musk und widersprach Kritik, dass sein etwas klobiges U-Boot wohl zu groß und unflexibel für die engen Höhlenschächte sei.

Dass es in Thailand aber womöglich nicht mehr zur Probe aufs Exempel kommen würde, schien aber auch ihm klar: „Wir werden weiter testen“, schrieb er nach Beginn des Rettungseinsatzes. „Vielleicht wird es später oder irgendwo sonst in der Zukunft gebraucht.“

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