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StahlindustrieParlament in London billigt Rettung von British Steel

Das britische Parlament hat die Weichen für eine kurzfristige Verstaatlichung von British Steel gestellt. Wie es jetzt genau weitergehen soll, ist unklar. 12.04.2025 - 18:50 Uhr Artikel anhören
Der britische Premierminister Keir Starmer (l.) mit einem Arbeiter der British Steel: Das Parlament hat sich für eine Rettung ausgesprochen. Foto: AFP

London. Das britische Unterhaus hat in einer Sondersitzung die Rettung des letzten konventionellen Stahlherstellers im Land gebilligt. Das am Samstag verabschiedete Gesetz befugt Handels- und Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds, die Leitung des Vorstands und der Belegschaft von British Steel zu übernehmen. Er soll außerdem sicherstellen, dass die rund 3000 Beschäftigten bezahlt und Bestellungen von Rohmaterialien für den Weiterbetrieb von zwei Hochöfen wieder aufgenommen werden.

Premierminister Keir Starmer hatte die Abgeordneten gebeten, aus ihrer Osterpause zurückzukehren, um über das Gesetz zu debattieren, das British Steel und sein Werk in der nordenglischen Stadt Scunthorpe zumindest kurzfristig wieder in staatliches Eigentum überführen soll. Die Regierung suche weiter nach einer privaten Lösung, sagte Reynolds. Eine Verstaatlichung sei „wahrscheinlich“.

Das Werk in Scunthorpe gehört seit 2020 der chinesischen Jingye-Gruppe, die erklärt hat, es sei wegen der „schwierigen Marktbedingungen“ und der gestiegenen Umweltkosten finanziell nicht tragfähig. Dazu kommt die Entscheidung der US-Regierung vom März, Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Stahl- und Aluminiumimporte zu erheben.

Kampf um Subventionen

Die chinesischen Eigentümer ringen seit Wochen mit der Regierung in London um staatliche Unterstützung. London hat Subventionen in Höhe von 500 Millionen Pfund (etwa 600 Millionen Euro) angeboten, die Chinesen fordern jedoch das Doppelte und drohen mit Werksschließungen. Jingye hat nach eigenen Angaben mehr als 1,2 Milliarden Pfund in British Steel investiert, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, und behauptet, es habe finanzielle Verluste von rund 700.000 Pfund pro Tag erlitten.

Dem Werk drohten akut die Eisenerzpellets auszugehen, die in den zwei riesigen Hochöfen verwendet werden, weil Jingye die Bestellungen für die Rohstoffe storniert hat. Die Entscheidung des chinesischen Konzerns setzte Starmer unter Handlungsdruck.

Denn ohne Rohmaterialien hätte den Hochöfen womöglich binnen weniger Tage die dauerhafte Schließung gedroht, zumal ein Wiederhochfahren der Öfen, wenn sie einmal abgekühlt sind, als extrem komplex und teuer gilt. Ein Aus für das Werk in Scunthorpe hätte wiederum bedeutet, dass das Königreich das einzige Land in der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten ohne Kapazitäten gewesen wäre, eigenen Stahl mit konventionellen Mitteln zu produzieren.

Ein solcher Ausfall hätte laut Experten immense Folgen für die britische Bau-, Rüstungs- und Eisenbahnindustrie gehabt und das Land abhängig von ausländischen Quellen für Rohstahl gemacht. Dieses Szenario wollten Politiker aller Parteien vermeiden. British Steel liefert nahezu sämtliche Eisenbahnschienen in Großbritannien. Im vergangenen Jahr musste bereits das bis dahin größte Stahlwerk im walisischen Port Talbot seinen konventionellen Betrieb einstellen.

„Wir können und werden niemals tatenlos zusehen“, wie das Überleben eines der letzten Hochöfen in Großbritannien aufs Spiel gesetzt werde, sagte Reynolds. In den vergangenen Tagen sei klar geworden, dass Jingye nicht genügend Rohmaterial kaufen wollte, um die Hochöfen in Betrieb zu halten. „In Wirklichkeit war es ihre Absicht, bestehende Aufträge zu stornieren und nicht zu bezahlen.“

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British Steel in Scunthorpe: Ein Aus des Werks hätte enorme Folgen für die britische Bau-, Rüstungs- und Eisenbahnindustrie. Foto: AP

Während die Abgeordneten über die Gesetzgebung debattierten, sollen die Arbeiter des Werks in Scunthorpe angeblich die chinesischen Führungskräfte von Jingye daran gehindert haben, Zugang zu wichtigen Bereichen des Stahlwerks zu erhalten. Zugleich protestierten Stahlarbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

ap, tor
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