Stahlkonzern: Voestalpine meldet Kurzarbeit in Europa an
Betriebsbedingte Kündigungen seien aus heutiger Sicht zumindest in Österreich nicht geplant.
Foto: ReutersWien. Die Coronakrise trifft den ohnehin schon kriselnden Stahlkonzern Voestalpine schwer. Das österreichische Unternehmen hat für 50 Konzerntöchter in Europa, darunter in Deutschland, Österreich, Frankreich und Belgien, Kurzarbeit angemeldet. Als Grund gibt Voestalpine den Stopp und die Reduktion der Produktion in der Auto-, Luftfahrt-, Maschinenbau- und Ölindustrie an.
„Wenn unsere Kunden die Nachfrage stark reduzieren, Produktionen einstellen und Lieferketten temporär zum Erliegen kommen, müssen wir sofort reagieren“, sagte CEO Herbert Eibensteiner am Montagabend. Mittlerweile stehen auch Werke in den USA, Brasilien, Peru, Frankreich und Italien still. Voestalpine beschäftigt weltweit knapp 52.000 Beschäftigte.
Die Auswirkungen auf die Bilanz des Konzerns lasse sich noch nicht abschätzen, teilte das Linzer Unternehmen am Montagabend mit. „Die Voestalpine steht angesichts der Corona-Pandemie vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung des vergangenen Jahrzehnts“, sagte Eibensteiner, der seit Juli vergangenen Jahres den Konzern durch schwere Zeiten führt. In welchem Umfang es in Folge der Coronakrise einen Stellenabbau geben könnte, dazu machte Voestalpine keine Angaben. Konzernchef Eibensteiner versprach nur: „Wir werden in den nächsten Monaten um jeden einzelnen Arbeitsplatz hart kämpfen.“
Betriebsbedingte Kündigungen seien aus heutiger Sicht zumindest in Österreich nicht geplant. Von seinen Leiharbeitern will sich der Konzern aber trennen. Am Standort Linz wird auch ein kleiner Hochofen stillgelegt, um ein Fünftel der Roheisenproduktion einzusparen.
Im Geschäftsjahr 2018/19 erzielte das börsennotierte Unternehmen noch Erlöse von 13,6 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,6 Milliarden Euro. Als die Coronakrise in Februar noch ausschließlich in China wütete, versprach der Stahlkonzern gerade noch schwarze Zahlen. Doch die Neunmonatsbilanz des Geschäftsjahres 2019/20 sprach bereits Bände: Während die Erlöse um 3,8 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro sanken, rutschte der frühere Vorzeigekonzern aufgrund zahlreiche Einmaleffekte nach Steuern tief in die roten Zahlen. Unter dem Strich machte der Konzern damals bereits einen Verlust von 160 Millionen Euro.
Vor dem Ausbruch der Coronakrise hatte die Voestalpine bereits mit hausgemachten Problemen in den amerikanischen Werken in Cartersville (Georgia) und Corpus Christi (Texas) zu kämpfen. Sie führten unter anderen bereits im vergangenen Jahr zu zwei Gewinnwarnungen.