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Thyssen-Krupp, SSAB, Tata Steel Europas Stahlkocher flüchten sich in Fusionen

Die europäischen Stahlkonzerne legen ihre Quartalszahlen vor. Dabei zeigt sich: Der Konsolidierungsdruck in der Branche wächst kontinuierlich.
22.07.2020 - 16:47 Uhr Kommentieren
Die Branche litt schon vor Corona an rückläufigen Umsätzen. Die Schließung zahlreicher Automobilwerke zu Beginn der Pandemie setzte den Firmen umso schwerer zu. Quelle: dpa
Stahlarbeiter

Die Branche litt schon vor Corona an rückläufigen Umsätzen. Die Schließung zahlreicher Automobilwerke zu Beginn der Pandemie setzte den Firmen umso schwerer zu.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Als Vorstandschef Martin Lindqvist am Dienstag die Quartalszahlen des schwedischen Stahlherstellers SSAB präsentierte, schwieg er sich zum derzeit wohl spannendsten Thema der Branche aus. Auf die Frage, ob SSAB Interesse an einer Fusion mit der Stahlsparte von Thyssen-Krupp habe, antwortete er nur: „Ich freue mich, dass wir in einer Lage sind, in der uns einige Unternehmen als Partner sehen könnten – das ist positiv.“

Dabei dürften die Gerüchte um einen Zusammenschluss mit dem deutschen Rivalen nicht das Einzige gewesen sein, das Lindqvist gefreut hat. Denn der schwedische Stahlkocher überraschte mit seinem Ergebnis die Analysten. Zwar fiel zwischen April und Juni ein Verlust von umgerechnet 25 Millionen Euro an. Doch das Quartal lief damit besser als von den Analysten erwartet. Der Aktienkurs sprang in der Folge zeitweise um mehr als sechs Prozent in die Höhe.

In der europäischen Stahlindustrie ist SSAB damit eine Ausnahmeerscheinung. Denn für den Rest der notleidenden Branche zeigt sich die Coronakrise bislang als gefährlicher Brandbeschleuniger. Schon 2019 war der Stahlverbrauch in Europa mit einem Minus von 5,3 Prozent rückläufig. Doch nachdem wegen der Pandemie zahlreiche Automobilhersteller ihre Werke geschlossen hatten, brach die Nachfrage ins Bodenlose ein.

In der Folge reduzierten die Stahlkocher ihre Produktion drastisch. Thyssen-Krupp, Tata Steel, Arcelor-Mittal: Nahezu alle Hersteller fahren derzeit Restrukturierungsprogramme, um ihre Belegschaft zu verkleinern. Der Ruhrkonzern streicht 3000 Stellen, der Jobabbau bei Tata in Europa hat eine ähnliche Größenordnung. Wer kann, schickt seine Belegschaft in Kurzarbeit – allerdings nur in dem Maße, in dem es die technischen Anlagen ermöglichen.

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    Denn eine vollständige Abschaltung der Hochöfen ist wegen der auf kontinuierliche Produktion auslegten Technik für kaum einen Hersteller möglich. Die Kosten der Unternehmen liefen also unverändert weiter. Und während die Erzkosten zuletzt sogar stiegen, fielen die Umsätze wegen Corona plötzlich auf breiter Front aus.

    Das bringt die Stahlkocher zunehmend in Bedrängnis. So sprach etwa der Stahlvorstand von Thyssen-Krupp bei einer Betriebsversammlung kürzlich gar von einer „existenzbedrohenden Lage“ – und rechnet für das Geschäftsjahr 2019/20, das im September endet, mit einem negativen Cashflow von mehr als einer Milliarde Euro.

    Um die Not zu lindern, prüft der Konzernvorstand in Essen derzeit verschiedene Konsolidierungsoptionen für das Geschäft. Neben einer innerdeutschen Stahlfusion mit dem niedersächsischen Konkurrenten Salzgitter sind auch mehrere europäische Lösungen im Gespräch – darunter ein Zusammenschluss mit SSAB oder der europäischen Tochter des indischen Stahlriesen Tata Steel.

    SSAB mit solider Bilanz

    Die beste Ausgangsposition haben dabei die Schweden: So standen zum Jahresabschluss 2019 Gesamtverbindlichkeiten von umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro einem Eigenkapital von rund 5,8 Milliarden Euro entgegen. Verglichen mit Wettbewerbern wie Tata Steel Europe oder Salzgitter hat SSAB damit die gesündeste Bilanz – zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung des Thyssen-Krupp-Großaktionärs Cevian, über die Reuters am Dienstag berichtete.

    Auch andere Branchenbeobachter sehen einen Vorsprung von SSAB gegenüber beispielsweise Tata Steel, wenn es um die Performance während der Coronakrise geht. „SSAB ist deutlich weniger abhängig von konsumnahen Sektoren wie der Automobilindustrie“, sagte Credit-Suisse-Analyst Carsten Riek dem Handelsblatt.

    Zudem seien die finanziellen Risiken aufgrund der solideren Bilanz bei den Schweden geringer. Allerdings will sich Riek nicht festlegen, welches der beiden Unternehmen eine flexiblere Kostenbasis hat. „Für eine Beurteilung ist es hier noch zu früh, da fast alle Stahlhersteller derzeit von staatlichen Stützungsmaßnahmen profitieren“, so der Analyst.

    Dennoch hat SSAB bei möglichen Fusionsverhandlungen gegenüber anderen Interessenten mit der Billigung von Cevian wohl einen entscheidenden Vorteil. Denn bei einer früheren geplanten Fusion hatte der schwedische Investmentfonds, der bei Thyssen-Krupp rund 18 Prozent der Anteile hält, seine Zustimmung versagt.

    So hatte der Ruhrkonzern bereits im vergangenen Jahr versucht, seine Stahlsparte mit Tata Steel Europe zu fusionieren. Das Vorhaben scheiterte aber am Ende nicht an Cevian, sondern am Veto der EU-Kommission, die den Konzernen so strenge Auflagen gemacht hatte, dass die Wunschpartner die geplante Fusion im Mai 2019 platzen ließen.

    Bei einem neuen Versuch dürfte der Konzern nach Ansicht von Experten aber auf mehr Milde hoffen. So sagte der Kartellrechtler Andreas Lotze von der Essener Kanzlei Aulinger dem Handelsblatt: „Wenn Thyssen-Krupp versuchen sollte, seine Stahlsparte mit einem Konkurrenten zu fusionieren, wird die EU-Kommission nicht umhinkommen, die ohne Zweifel veränderten Rahmenbedingungen der Branche in ihre Entscheidung miteinzubeziehen.“

    Es wäre deshalb zu einfach, schlicht den gleichen Maßstab wie 2019 anzulegen, so Lotze. Denn mit der Coronakrise hätten sich die kundenspezifischen Absatzvolumina der Hersteller, also die Marktstrukturen, deutlich geändert. „Das spielt eine gewichtige Rolle und kann vielleicht dazu führen, dass etwaige neue Auflagen weniger restriktiv ausfallen“, so die Einschätzung des Experten.

    Wie groß die Auswirkungen der Coronakrise auf die Stahlkocher sind, werden die nächsten Wochen zeigen. Als einer der letzten Konzerne in der Branche legt Thyssen-Krupp Mitte August seine Zahlen vor. Carsten Evers, Finanzchef bei Thyssen-Krupp Steel, hat bereits angekündigt: Das dritte Quartal wird das „schwerste sein, das wir in diesem Jahr erleben werden“.

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