Unternehmen: Deutz AG übernimmt Sobek und steigt in Defence-Bereich ein
Düsseldorf. Der Motorenhersteller Deutz AG übernimmt den Elektrospezialisten Sobek. Laut Insidern zahlt der Kölner Konzern einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für das Unternehmen.
Damit steigt Deutz unter anderem in das Geschäft mit militärisch genutzten Drohnen ein. Dies soll die Abhängigkeit vom klassischen Verbrennungsgeschäft verringern und Zugang zu einem wachsenden Markt im Verteidigungsbereich schaffen – ein stabileres, margenstärkeres Segment als der konjunkturanfällige Dieselmarkt.
Der Schritt kam bei den Deutz-Anlegern am Dienstag gut an. Die Titel des Motorenbauers stiegen in der Spitze um mehr als zehn Prozent auf 9,84 Euro und gehörten damit zu den stärksten Papieren im Kleinwerteindex SDax. Seit Jahresanfang hat die Aktie mehr als 130 Prozent an Wert gewonnen.
Sobek produziert elektrische Hochleistungsantriebe samt Steuerungselektronik für Anwendungen im Motorsport, in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Medizintechnik. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Entwicklung von Antriebssystemen für unbemannte Flugsysteme (UAV), insbesondere für europäische Drohnenhersteller.
Für Deutz ist die Übernahme ein weiterer Schritt beim Umbau des Konzerns. Mit der sogenannten „Dual+“-Strategie, einem Ansatz, bei dem zwei unterschiedliche, aber zusammenhängende Ziele verfolgt werden, plant das Unternehmen, sich vom klassischen Komponentenhersteller zu einem Anbieter vollständiger Antriebssysteme zu entwickeln – inklusive Software, Elektronik und Steuerung.
Potenzial für Anwendungen im zivilen Bereich
Die Technologie von Sobek eröffnet dem Unternehmen dabei nicht nur Zugang zum Verteidigungssektor, sondern schafft auch Potenzial für Anwendungen im zivilen Bereich. Denkbar sind Einsatzfelder etwa in der Robotik, in der Infrastrukturüberwachung oder im Bereich urbaner Luftmobilität.
„Durch Sobek bekommen wir direkten Zugang zum stark wachsenden Verteidigungsmarkt und schaffen die Grundlage, diesen auch über den Einsatz klassischer Antriebe hinaus strategisch zu erschließen“, erklärt Deutz-Vorstandschef Sebastian Schulte.
„Verteidigung verändert sich durch neue Technologien und eine veränderte Kriegsführung rasant; die Nachfrage nach militärischen Drohnen wird weiter zunehmen“, so Schulte. Mit Sobek wolle man außerdem das Geschäft im Motorsport und in der Medizintechnik weiter ausbauen.
Sobek beschäftigt etwa 70 Mitarbeiter an drei Standorten in Baden-Württemberg und Hessen. Das Unternehmen erwartet im laufenden Jahr einen Umsatz im unteren bis mittleren zweistelligen Millionenbereich. Die operative Marge liegt laut Deutz deutlich im zweistelligen Bereich – für das Unternehmen ein wirtschaftlich attraktives Profil.
Erst Anfang August hatte der Konzern seine Pläne für den Ausbau seines Rüstungsgeschäfts konkretisiert. Wie Konzernchef Schulte anlässlich der Jahreszahlen bekannt gab, rechnet das SDax-Unternehmen in diesem Jahr mit mittleren zweistelligen Millionenumsätzen aus dem Bereich.
Ab 2026 könnte das Geschäft nach Einschätzung des Managers anziehen, langfristig sieht Schulte erhebliches Wachstumspotenzial. „Die Zeitenwende ist für uns eine Riesenchance“, sagte Schulte dem Handelsblatt – unter Bezugnahme auf die Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Frühjahr 2022. Damals kündigte er bereits an, dass ein Projektteam am Einstieg in den Defence-Bereich arbeite. Deutz habe „eine lange Liste mit Möglichkeiten“.
Erstpublikation: 02.09.2025, 01:53 Uhr.