„Made to be remade“: Wie aus gebrauchten Schuhen ein gleichwertiges Modell entsteht
Der Sportartikelhersteller ist beim Nachhaltigkeitstrend vorn dabei.
Foto: AdidasMünchen. Nie wieder Müllhalde: Den neuen Laufschuh „Made to be remade“ will Adidas in gleicher Qualität recyceln. Wiederverwertbare Schuhe sind an sich nicht ungewöhnlich. Allerdings lassen sich mit dem daraus gewonnenen Material keine gleichwertigen Produkte herstellen.
Das versucht Europas größter Sportkonzern nun zu ändern. Aus einem benutzten Schuh soll nach dem Recycling ein genauso guter neuer entstehen.
Sechs Jahre hat Adidas zusammen mit Partnern wie dem Chemiekonzern BASF daran geforscht. Das Ergebnis: ein Schuh, der aus einem einzigen Material besteht. Sohle, Obermaterial und Schnürsenkel sind aus demselben Kunststoff, thermoplastischem Polyurethan, kurz TPU. Die unterschiedlichen Bestandteile werden ohne Klebstoff miteinander verbunden, zudem verzichteten die Entwickler auf Farben.
Seit ein paar Tagen gibt es den Schuh für Mitglieder des Kundenbindungsprogramms für 180 Euro zu kaufen.
Adidas ist vorn mit dabei in einem branchenweiten Trend: „Nachhaltigkeit ist zu einer immer dringlicheren Priorität der Verbraucher geworden“, heißt es in einer neuen Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey und des Weltverbands der Sportartikelindustrie. Die Pandemie beschleunige diese Entwicklung. „Jetzt liegt es an den Unternehmen, nachhaltige Lieferketten zu sichern und sich mit Konzepten wie der Kreislaufwirtschaft auseinanderzusetzen.“
Momentan verwendet die Industrie nicht einmal zehn Prozent an wiederverwerteten Materialien.
Der kleinere Konkurrent On Running aus der Schweiz setzt derweil auf einen Schuh, dessen Material aus Rizinusbohnen gewonnen wird. Ein Abo-Modell soll dafür sorgen, dass die Schuhe zurückgegeben werden, um sie wieder zu verwerten.
Adidas überträgt sein Konzept unterdessen auf Textilien. Die ersten voll recycelbaren Anoraks kommen im Sommer 2022 in die Läden, T-Shirts sind schon erhältlich. Es geht um gewaltige Mengen: 2020 hat der Konzern 379 Millionen Paar Schuhe abgesetzt – die früher oder später weggeworfen werden.