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LuftfahrtkonzernEx-Telekom-CEO Obermann soll Chefaufseher bei Airbus werden

René Obermann hat gute Chancen, 2019 an die Spitze des Verwaltungsrats von Airbus zu rücken. Vor allem ein Grund qualifiziert den Ex-Telekomchef.Peter Brors, Jens Koenen 27.03.2018 - 18:00 Uhr Artikel anhören

Der Ex-Telekomchef gilt sowohl in Berlin wie in Paris als idealer Kandidat für den Verwaltungsratsvorsitz.

Foto: Roger Cremers/laif

Düsseldorf, Frankfurt. Mit Ablauf der Amtszeit von Tom Enders als Vorstandsvorsitzender im April 2019 wird es beim Luftfahrtkonzern Airbus voraussichtlich auch einen Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats geben.

Das Unternehmen, dessen größte Aktionäre Deutschland und Frankreich mit jeweils 11,1 Prozent der Anteile sind, dürfte ab dem nächsten Jahr von einem Franzosen operativ geführt und von einem Deutschen beaufsichtigt werden.

Darauf haben sich die Regierungen in Berlin und Paris informell bereits verständigt. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel schon vor Weihnachten wörtlich gesagt: „Auf jeden Fall wird jedes Land auf einer wichtigen Position vertreten sein.“

Enders wird demnach von einem noch nicht benannten französischen Manager als Vorstandschef abgelöst. Das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden soll parallel dazu vom französischen Amtsinhaber Denis Ranque an einen deutschen Manager übergehen. Noch gibt es dazu keine formellen Beschlüsse. Doch nach übereinstimmenden Informationen aus Diplomatenkreisen sowie aus dem nahen Umfeld des Kontrollgremiums gilt der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann, als klarer Favorit für das Amt des Oberaufsehers.

Airbus will sich zu möglichen Kandidaten für die Verwaltungsrats- und die Konzernspitze nicht äußern. Das Unternehmen verweist darauf, dass Verwaltungsratschef Ranque 2017 für weitere drei Jahre wiedergewählt wurde und seine Amtszeit somit bis 2020 laufe. Allerdings, so ist aus Unternehmenskreisen zu hören, würde das Board nach der Berufung eines neuen CEOs auch sich daran anschließende „denkbare Folgen“ diskutieren.

Nach Aussage eines Diplomaten und eines Verwaltungsrats wird Obermann, der zurzeit als Finanzmanager in Diensten der Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus arbeitet, in beiden Ländern als Idealbesetzung gehandelt. Obermann wisse, so ein Berliner Regierungspolitiker, wie es sich anfühlt, einen Konzern unter Staatseinfluss zu führen, und wisse sich gleichsam entsprechend auf politischem Parkett zu bewegen.

Tatsächlich ist der Bund bis heute mit mehr als 30 Prozent größter Eigentümer der Deutschen Telekom. Weshalb Obermann während seiner Amtszeit als Vorstandschef in Bonn die Wünsche aus Berlin in wesentlichen strategischen Fragen und in der Dividendenpolitik mindestens zur Kenntnis nehmen musste.

Außerdem braucht Airbus dringend Digitalkompetenz. Insbesondere bei der Wartung der Flugzeuge, aber auch in Teilen des Produktionsprozesses muss der Konzern moderner und innovativer werden. Schon bei Enders steht das Thema ganz oben auf der Agenda.

Obermann besitzt als ausgewiesener Experte für Telekommunikation im Urteil des internen Nominierungskomitees offenbar ausreichend Wissen, um auch den künftigen Airbus-Vorstandschef als ernst zunehmenden Impulsgeber eng zu begleiten.

Und, womöglich das wichtigste Kriterium: Der Deutsche genießt auch in Frankreich höchste Wertschätzung. Vor knapp fünf Jahren erhielt Obermann „für sein Engagement für die deutsch-französische Freundschaft und die Intensivierung der Zusammenarbeit in Wirtschaftsfragen“ aus den Händen des damaligen Botschafters in Berlin, Maurice Gourdault-Montagne, den Orden der Ehrenlegion.

In seiner Amtszeit als Telekom-Chef arbeitete er eng in mehreren Kooperationsprojekten mit France Télécom zusammen. „Kultur, Menschen und Mentalität sind ihm in Frankreich nicht fremd“, weiß ein enger Wegbegleiter Obermanns.

Obermann, der sich zum Thema Airbus nicht äußern wollte, soll in einem ersten Schritt bei der Hauptversammlung am 11. April zum einfachen Mitglied des Verwaltungsrats gewählt werden und ein Jahr später, dann entsprechend eingearbeitet, auf den Posten des Oberaufsehers rücken.

Der frühere Telekom-Chef würde eine herausfordernde Aufgabe übernehmen, wird Airbus doch derzeit von einer Korruptionsaffäre erschüttert. Im Mittelpunkt stehen unklare Zahlungen an freiberufliche Agenten, die bei der Vermittlung von Großaufträgen eingesetzt wurden.

Die britische Anti-Korruptionsbehörde sowie die nationale Finanz-Staatsanwaltschaft in Frankreich ermitteln. Auch in den USA laufen Untersuchungen. Auslöser für die Ermittlungen war eine Selbstanzeige von Airbus. Gegen CEO Enders wird bislang nicht ermittelt.

Wirtschaftlich hat Airbus zuletzt positive Zahlen geliefert. Und das Orderbuch ist prall gefüllt, die Produktion für Zivilflugzeuge auf Jahre hinaus ausgelastet. Allerdings verzögern Probleme bei den Triebwerkslieferanten die Auslieferung mancher Flugzeuge. Und auch beim Militärtransporter A400M gibt es weiter ungelöste Probleme.

Die laufende Korruptionsaffäre und die politische Einflussnahme erschweren die Besetzung von Spitzenposten. Immer wieder werden gezielt Informationen gestreut, um einzelne Personen zu beschädigen.

In Frankreich gibt es zudem Stimmen, Deutschland würde die Affäre dazu nutzen, den Einfluss der „Grande Nation“ zurückzudrängen. In Deutschland hingegen werden immer wieder unlautere Angriffe in Richtung des deutschen CEOs Enders beklagt.

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Umso wichtiger ist es dem Unternehmen nun zu demonstrieren, dass die Top-Personalien unabhängig von diesen Gefechten entschieden werden. Airbus hatte erst vor wenigen Tagen betont, alle Spekulationen über potenzielle Kandidaten für die Nachfolge von Enders nicht mehr kommentieren zu wollen. Der zuständige Verwaltungsrat werde bis Ende des Jahres darüber entscheiden.

Die kürzlich ausgeschiedene Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hatte vor wenigen Wochen erklärt, sie könne sich einen Franzosen an der Spitze von Airbus gut vorstellen. „Wir hatten viele Jahre einen Deutschen als Chef“, so Zypries. Hätten die Franzosen nun einen geeigneten Kandidaten, „könnten wir mit Fug und Recht nichts dagegen sagen.“

Und es wäre der Weg frei für einen Deutschen an der Spitze des Verwaltungsrats.

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