Pro Sieben Sat 1: Berlusconi erhöht Angebot – Aktie steigt um elf Prozent
Düsseldorf. Der Machtkampf um die deutsche Senderkette Pro Sieben Sat 1 geht in die nächste Runde: Der italienische Großaktionär Media For Europe (MFE) will seine Anteile bei dem bayerischen Fernsehunternehmen vergrößern – und hat am Montag sein Angebot verbessert.
MFE bietet den Eignern von Pro Sieben Sat 1 nun pro Aktie 4,48 Euro in bar und zusätzlich 1,3 Anteile der Aktien von MFE. Bei dem ursprünglichen Angebot von Ende März lag die Aktienkomponente noch bei 0,4 Papieren, der Barwert bleibt unverändert. Zum Schlusskurs von Freitag ist die Offerte knapp 8,15 Euro wert. Das Angebot entspricht damit einem Aufschlag von 16 Prozent.
An der Börse kam der Vorstoß gut an. Die Aktie von Pro Sieben stieg am Montag um mehr als elf Prozent auf mehr als 7,80 Euro an. Pro Sieben Sat 1 würde durch das aufgebesserte Angebot dann mit gut 1,8 Milliarden Euro bewertet.
MFE will eine paneuropäische Sendergruppe schaffen. Die Italiener waren 2019 bei Pro Sieben Sat 1 eingestiegen. Mittlerweile hält das Unternehmen, das von Pier Silvio Berlusconi, dem Sohn des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, geführt wird, 30,63 Prozent der Anteile.
„Nicht, weil unser anfängliches Angebot unangemessen gewesen wäre, sondern weil wir von dem Projekt überzeugt sind, das wir seit Jahren als Hauptaktionär unterstützen“, begründete Berlusconi die Aufstockung.
Pro Sieben Sat 1 mit seinen 15 TV-Sendern steht unter Druck. Der Jahresumsatz stagniert bei knapp unter vier Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis sank 2024 das dritte Jahr in Folge auf 557 Millionen Euro. Das wegen der Konjunkturflaute schwächelnde Werbegeschäft macht dem Unternehmen zu schaffen. Zudem drückt die Verschuldung auf die Bilanz. Gleichzeitig muss der Konzern investieren, um gegen globale Streaminganbieter wie Netflix oder Disney zu bestehen.
Bieterwettstreit um Pro Sieben Sat 1
Sowohl der Großaktionär MFE als auch die tschechische Investmentfirma PPF wollen eine strategische Veränderung bei Pro Sieben Sat 1 erreichen. Beide drängen darauf, dass sich der Konzern auf das Kerngeschäft TV und Unterhaltung rund um die Streamingplattform Joyn fokussiert – und Randaktivitäten verkauft. Zu der TV-Gruppe gehören auch ein E-Commerce-Geschäft mit der Onlineparfümerie Flaconi sowie eine Datingsparte, die durch das Portal Parship bekannt ist.
PPF hatte MFE Anfang März mit einem Gegenangebot unter Druck gesetzt. Die Tschechen hatten angekündigt, ihren Anteil von den aktuell 16,48 Prozent auf 29,99 Prozent aufstocken zu wollen. PPF bietet dafür bisher sieben Euro pro Aktie. Das neuerliche MFE-Angebot könnte PPF unter Zugzwang setzen. Ein PPF-Sprecher wollte sich am Montag nicht zu dem MFE-Vorstoß äußern.
Im italienischen Heimatmarkt haben die Berlusconi-Sender im Fernsehgeschäft einen Marktanteil von fast 36 Prozent. Auch in Spanien erreicht die Gruppe nach Zukäufen etwa ein Viertel der dortigen TV-Zuschauer. Nun will Berlusconi in Deutschland, dem größten Werbemarkt Europas, weiter expandieren.
Bundesregierung schaltet sich ein
MFE rechnete vor, dass ein Zusammenschluss zu Einsparungen und Ergebniseffekten von mehr als 400 Millionen Euro führen könne. Kostenvorteile dürfte es vor allem bei Technik, Daten und Werbung geben. Analysten rechnen allerdings mit deutlich geringeren Synergien.
Berlusconi bekräftigte am Montag, sein Unternehmen wolle die deutsche Senderkette nicht komplett übernehmen. Und: MFE werde die redaktionelle Unabhängigkeit und die nationale Identität von Pro Sieben Sat 1 bewahren.
Damit reagierte Berlusconi auf die Bedenken der Bundesregierung, die sich am Wochenende eingeschaltet hatte. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer lud Berlusconi zu einem Gespräch ins Kanzleramt ein. „Ein Eigentümerwechsel darf nicht zu einer Einschränkung der journalistischen Unabhängigkeit führen“, betonte Weimer.
Kritiker werfen MFE-Medien rechtspopulistische Positionen vor. So werden Berlusconi Senior gute Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin nachgesagt. Deutschland hat der Regierung in Moskau wiederholt die bewusste Verbreitung von Desinformation in Europa vorgeworfen.
Aktionäre können bis 13. August entscheiden
Pro-Sieben-Sat-1-Chef Bert Habets reagierte wohlwollend auf die neue Offerte. Die Aufstockung „unterstreicht das langfristig angelegte Investment und fortgesetzte Engagement“ von MFE. „Wir unterstützen ein paneuropäisches Projekt, auch in enger Zusammenarbeit mit MFE.“
Die Aktionäre von Pro Sieben und Sat 1 können bis zum 13. August entscheiden, ob sie eines der Angebote annehmen wollen. Bislang sollen sich kaum Aktionäre für eine der Offerten entschieden haben. Die meisten institutionellen Investoren warten aber häufig bis zum letzten Moment.