Quartalszahlen: Hewlett-Packard bremst Umsatzschwund
Palo Alto. Der Umbau von Hewlett-Packard (HP) trägt langsam Früchte: Der US-Computerkonzern schrumpft nur noch minimal. Im abgelaufenen Quartal sei der Umsatz lediglich um ein Prozent auf rund 28,2 Milliarden Dollar zurückgegangen, teilte HP am Donnerstagabend mit. Branchenexperten hatten im Schnitt mit einer Milliarde Dollar weniger gerechnet. Zugleich hob der Konzern seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr leicht an. Die Aktien legten daraufhin am Freitag auf dem Frankfurter Parkett fast fünf Prozent zu.
„HP befindet sich heute in der besten Position seit langer Zeit“, erklärte Konzernchefin Meg Whitman, die sich für dieses Jahr zudem eine Stabilisierung der Erlöse vorgenommen hat. Der Gewinn im abgelaufenen Quartal kletterte um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar. HP hatte zuletzt massiv Stellen abgebaut, um die Kosten zu drücken.
Nach einer langen Durststrecke legte das Computergeschäft rund vier Prozent zu. Unternehmen und Behörden hätten im vergangenen Quartal damit begonnen, ältere Computer auszurangieren und durch neue Rechner zu ersetzen, so Whitman. Auch die Ankündigung des Software-Herstellers Microsoft, das in die Jahre gekommene Betriebssystem Windows XP nicht weiter zu unterstützen, habe zu einer stärkeren Nachfrage nach neuen Computern geführt.
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PC-Betriebssysteme
Marktanteile weltweit in Prozent
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Die lukrativere Firmenkundensparte mit Servern und Netzwerk-Ausrüstung steigerte ihre Einnahmen um ein Prozent. Whitman setzt beim eingeleiteten Umbau darauf, hier zuzulegen, weil der klassische PC-Bereich unter der Konkurrenz von Smartphones und Tablets an Boden verliert. Sie räumte aber ein, dass die Neuausrichtung angesichts des scharfen Konkurrenzkampfes hart sei. „Es ist eine Schlacht. Es ist jeden Tag ein Kampf bis aufs Messer, aber wir sind gut gerüstet.“
Von Analysten erntete Whitman zaghaftes Lob. „Die Firma zeigt sich in einer guten Ausgangsposition für dieses Jahr. Aber es zeigt sich auch, dass sie weiter vor Herausforderungen im Firmenkundengeschäft und in ihrer Softwaresparte steht“, urteilte Branchenkennerin Shannon Cross. „Sie sind mit der Sanierung noch lange nicht fertig.“
Die klassische Computerindustrie stand zuletzt bei Investoren nicht hoch im Kurs, nachdem Branchen-Riese IBM mit seiner Bilanz enttäuschte.
Da viele „Big Blue“ im Geschäft mit Serviceleistungen nacheifern, vermuteten die Anleger, dass auch Firmen wie HP, Dell oder die chinesische Lenovo die Nachfrageschwäche in einigen Schwellenländern, insbesondere China, zu spüren bekämen. Hinzu kamen Bedenken, US-Firmen könnten unter den Folgen des NSA-Spionageskandals leiden.
In einem Reuters-Interview bezeichnete Whitman das Europa-Geschäft als vielversprechend, da sich in der Region eine Stabilisierung abzeichne. Wachstumsmotor seien aber weiterhin Schwellenländer wie Indien oder Mexiko. Das Geschäft in China sei stabil geblieben, fügte sie hinzu.
Dass Lenovo das Geschäft mit einfacheren Servern von IBM übernimmt, hält Whitman zunächst für einen vorübergehenden Vorteil für ihr Haus. Viele Kunden scheuten die Ungewissheit über die weitere Produktentwicklung. „Daraus ergibt sich für uns kurzfristig, dass wir Marktanteile gewinnen können. Wir arbeiten mit den Händlern daran“, sagte sie. „Aber langfristig wird Lenovo ein mächtiger Konkurrent.“