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Morning BriefingEin Ausnahmemanager durchbricht den Todeszyklus der Tech-Riesen

Christian Rickens 28.11.2025 - 06:03 Uhr
Morning Briefing

Microsoft: CEO Satya Nadella im Handelsblatt-Interview

28.11.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Tech-Konzerne haben normalerweise einen vorgezeichneten Lebensweg: Sie entstehen aus einer revolutionären Idee und werden sehr schnell sehr groß. Mit etwas Glück können sie sich dank ihrer Kapitalkraft noch in ein, zwei weitere Technologietrends einkaufen. Doch mit ihrer Größe und Marktmacht schwindet ihre Innovationskraft. Nach einigen Jahrzehnten gleiten die Konzerne hinüber in den Halbschatten der Mittelmäßigkeit, wo sie von Hewlett Packard mit einem müden Winken begrüßt werden.

Auch für Microsoft schien dieser Weg vor elf Jahren vorbestimmt zu sein. Die Smartphone-Revolution hatte Microsoft verpasst, die PC-Verkäufe fielen seit Jahren.

Doch dann übernahm 2014 Satya Nadella die Führung und weckte den Konzern aus seinem Strategie-Stupor. Nadella setzte frühzeitig auf Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz und hier besonders auf die Partnerschaft mit dem Chat-GPT-Erfinder OpenAI. Das Zwischenergebnis: Unter Nadellas Führung hat sich der Kurs der Microsoft-Aktie verachtzehnfacht.

Unser US-Westküstenkorrespondent Felix Holtermann hat Nadella in der Microsoft-Zentrale bei Seattle zum Interview getroffen. Dem Ausnahmemanager widmen wir die Titelstory unserer Wochenendausgabe.

Hier drei Interview-Aussagen von Nadella, die ich besonders spannend finde.

Über die Gefahr einer KI-Blase an den Börsen:

In fünf Jahren wird der Anteil der Technologie am Bruttosozialprodukt auf jeden Fall höher liegen, sei es in Deutschland, den Vereinigten Staaten oder anderswo auf der Welt. Und wenn man davon ausgeht, dass er höher sein wird, dann sollte man sich nicht zu viele Gedanken darüber machen, was von Quartal zu Quartal passiert.

Über die Abschottung der USA unter Donald Trump:

Viele Menschen sprechen heute davon, dass Vielfalt und Inklusion sowie eine Leistungsgesellschaft irgendwie im Widerspruch zueinander stehen müssen. Das sehe ich nicht so. Ich denke, dass es vielmehr darum geht, eine leistungsorientierte Gesellschaft zu gewährleisten, indem man sicherstellt, dass man die Talente, die es bereits vor Ort gibt, und die Talente, die wir von außerhalb brauchen, nicht übersieht.

Über Deutschlands Wirtschaft:

Die deutsche Ingenieurskunst ist eines der modernen Weltwunder. Selbst wenn ich zu meinem Zahnarzt in Bellevue, Washington gehe, ein paar Meilen von hier entfernt, bin ich vom deutschen Mittelstand umgeben, seiner Präzisionstechnik, seinen Maschinen. Für mich hat Deutschland eine enorme Chance, die Zukunft zu gestalten.

Es dürfte Sie nicht verwundern, dass Nadella sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie sich die deutschen Zukunftschancen durch den verstärkten Einsatz von Microsoft-Produkten noch ein bisschen enormer gestalten ließen.

Vector: Von dieser Drohne will Quantum Systems künftig mehr produzieren können. Foto: Quantum Systems

Drei Milliarden Bewertung für Quantum Systems

Das Münchener Drohnen-Start-up Quantum Systems hat innerhalb von sechs Monaten seine Bewertung auf drei Milliarden Euro verdreifacht. „Wir haben bei unseren Bestandsinvestoren weitere 180 Millionen Euro eingesammelt“, sagte Firmen-Co-Chef Sven Kruck gestern. Damit hat Quantum Systems in diesem Jahr insgesamt 340 Millionen Euro von Geldgebern erhalten.

Quantum Systems fertigt militärische und zivile Flugdrohnen und bietet auch eine Softwareplattform für die unbemannten Systeme an. Die Firma bezieht im Dezember die Werkshallen des insolventen Flugtaxi-Herstellers Lilium.

Deutsche Bank CEO Christian: Das Geldhaus ist in seiner systemrelevanten Bedeutung eine Kategorie abgestuft worden. Foto: REUTERS

Deutsche Bank ist weniger systemrelevant

Will man eigentlich lieber ein kleiner oder ein großer Teil eines Problems sein? Der Deutschen Bank ist diese Entscheidung jetzt abgenommen worden. Der Finanzstabilitätsrat stuft Deutschlands größte Bank nur noch in die unterste von fünf Kategorien der 29 weltweit systemrelevantesten Banken ein. Das teilte das Bankenaufsichtsgremium der G-20-Staaten gestern in Basel mit. Damit muss die Deutsche Bank ab 2027 nur noch einen zusätzlichen Kapitalpuffer von einem Prozent vorhalten. Zuvor waren es 1,5 Prozent.

Die weltweit systemrelevanteste Bank bleibt JPMorgan, die als einzige in der zweithöchsten Kategorie steht. Die höchste Stufe, bei der ein Zusatzpuffer von 3,5 Prozent fällig würde, bleibt traditionell unbesetzt.

Der Rat bewertet die Banken nicht nur nach ihrer Größe, sondern auch nach dem Risiko, das in den Geschäften steckt, und dem Grad ihrer internationalen Vernetzung.

Weniger russisches Öl für Indien

Die Zeit der milliardenschweren Profite im Ölhandel mit Russland ist für Asiens vermögendsten Mann vorerst vorbei. Ab 1. Dezember werde seine auf den Export ausgerichtete Raffinerie im indischen Bundesstaat Gujarat nur noch Treibstoff ausliefern, der nicht auf russischem Öl basiert, ließ Mukesh Ambani seinen Konzern Reliance mitteilen. Die Annahme von russischen Öllieferungen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits vergangene Woche gestoppt.

Ambani reagiert damit auf neue Sanktionen der USA und der EU, die es für Indien deutlich schwieriger machen, seine umfangreichen Ölgeschäfte mit Russland fortzusetzen.

Raffinerie von Reliance an der westindischen Küste Jamnagar: Weniger Rohöl aus Russland. Foto: picture-alliance/ dpa

Analysten gehen davon aus, dass der seit dem Beginn des Ukrainekriegs boomende Ölhandel zwischen Russland und Indien nun stark gebremst wird. Manche Brancheninsider erwarten, dass sich die Lieferungen auf 600.000 Barrel pro Tag dritteln könnten – mit entsprechenden Auswirkungen auf Russlands Kriegskasse.

Es wäre allerdings nicht die erste Russland-Sanktion des Westens, die am Ende nicht den erhofften Effekt bringt.

Wladimir Putin bei einer Begrüßungszeremonie in Bischkek: Der Präsident hat mitgeteilt, er sei bereit, eine Erklärung zu unterzeichnen, Europa nicht anzugreifen. Foto: Uncredited/Pool Sputnik Kremlin/

Russland will Angriffsverzicht unterschreiben

Der russische Staatschef Wladimir Putin ist nach eigenen Worten bereit, schriftlich den Verzicht auf einen Angriff gegen Europa festzuhalten. Es sei „völliger Blödsinn“ zu behaupten, dass Russland vorhabe, Europa zu überfallen, sagte Putin bei einem Besuch in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek:

Die Wahrheit ist, dass wir das nie vorhatten, aber wenn sie es von uns hören wollen, na gut, dann fixieren wir das.

Als Grundvoraussetzung für eine Einigung im Ukrainekrieg nannte Putin erneut die volle russische Kontrolle über die Gebiete Donezk und Luhansk im Donbass:

Die Truppen der Ukraine ziehen sich aus den von ihnen gehaltenen Territorien zurück, dann hören die Kämpfe auf. Wenn sie sich nicht zurückziehen, dann erreichen wir das auf militärischem Weg.

Auch Trump hatte vorgeschlagen, dass die Ukraine die von Russland beanspruchten Gebiete räumt. Kiew und die meisten europäischen Staaten lehnen das ab.

Alle Neuigkeiten zum Krieg in der Ukraine finden Sie wie immer in unserem Live-Blog.

Deutscher fliegt zum Mond – oder eine Deutsche?

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer und sein Kollege Alexander Gerst haben sich nach eigenem Bekunden über die Ankündigung der europäischen Raumfahrtbehörde Esa gefreut, dass im Rahmen des „Artemis“-Programms der Nasa in einigen Jahren ein Deutscher um den Mond fliegen soll. Maurer und Gerst sind dafür die wahrscheinlichsten Kandidaten.

Die Mission „Artemis 4“ mit deutscher Beteiligung ist derzeit für 2028 geplant, Experten rechnen allerdings mit Verschiebungen.

Zudem ist Maurer und Gerst eine unerwartete Konkurrenz um den freien Platz Richtung Mond erwachsen. „Ich habe mich selber ins Spiel gebracht, aber bin bis jetzt abgelehnt worden“, sagte gestern Raumfahrtministerin Dorothee Bär, CSU. „Schauen wir mal.“

Ich wünsche Ihnen einen runden Wochenausklang.

Herzliche Grüße,

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Ihr

Christian Rickens

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