Adidas-Personalchefin: Amanda Rajkumar verlässt Adidas nach zweieinhalb Jahren
Die Adidas-Personalchefin hatte den Job erst Anfang 2021 angetreten.
Foto: adidas / Hannah HlavacekMünchen. Der kriselnde Adidas-Konzern baut unter der Führung des neuen Chefs Björn Gulden den Vorstand weiter um. Personalvorständin Amanda Rajkumar verlässt das Unternehmen nach nur zweieinhalb Jahren wieder. Die 51-jährige Britin scheidet bereits zum 15. Juli aus dem Vorstand aus, wie Adidas am Mittwoch mitteilte.
Offiziell hieß es, Rajkumar habe ihren Ende des Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollen. Sie galt allerdings als Wackelkandidatin. In Industriekreisen hieß es, die Chemie zwischen ihr und Gulden habe nicht gestimmt.
Adidas steckt in einer Krise. CEO Kasper Rorsted musste nach einer Reihe von Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr gehen. Unter Gulden, der vom derzeit erfolgreicheren Konkurrenten Puma kam, hat sich die Stimmung etwas verbessert. Die Zahlen allerdings sind weiter schlecht, im ersten Quartal schrieb der Dax-Konzern sogar rote Zahlen.
Neben Amanda Rajkumar mussten zwei weitere Vorstände bereits gehen
Gulden hat nun einen guten Teil der Führungsmannschaft ausgetauscht. Die Personalchefin ist der dritte Abgang aus dem Vorstand seit seiner Amtsübernahme. Im März waren bereits Vertriebsvorstand Roland Auschel und Markenchef Brian Grevy gegangen.
Rajkumars Aufgaben soll vorübergehend Michelle Robertson übernehmen. Sie hat laut Industriekreisen durchaus Chancen, dauerhaft aufzurücken. Die als bodenständig geltende Britin ist bereits seit vielen Jahren bei Adidas. Es helfe in dieser Funktion, wenn man das Unternehmen gut kenne, hieß es in Industriekreisen. Rajkumar war noch unter Rorsted von BNP Paribas zu Adidas gekommen.
Dort stand sie vor großen Herausforderungen. Bei Adidas gab es heftige interne Black-Live-Matters-Debatten, in deren Folge Vorgängerin Karen Parkin nach 23 Jahren bei Adidas ging. Rajkumar startete ein „Data Diversity Dimension Project“. Damit will Adidas als erstes Dax-Unternehmen die Vielfalt des Unternehmens erfassen, indem auf freiwilliger Basis ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht und andere Merkmale der Mitarbeiter erfasst werden.
Unter der Ägide von Rajkumar habe Adidas „große Fortschritte in der Förderung einer tiefgreifenden Inklusionskultur und der Verbesserung von Führungskompetenzen erzielt“, sagte Aufsichtsratschef Thomas Rabe nun. Rajkumar dankte für „sehr inspirierende Jahre bei Adidas“.
Adidas leidet noch immer unter dem Kanye-West-Skandal
Bei der Hauptversammlung hatten Investoren nach der Rolle der Personalvorständin im Skandal um den US-Rapper Kanye West gefragt. Dabei ging es vor allem um Vorwürfe, der Konzern habe nicht schnell genug reagiert, als die Affäre bekannt wurde. Adidas hatte die Kooperation mit West nach dessen unter anderem antisemitischen Äußerungen gestoppt.
In einer anonymen Mail, die wohl von ehemaligen Mitarbeitern geschrieben wurde, war Adidas vorgeworfen worden, Manager des Konzerns hätten schon früh von weiteren Eskapaden Wests erfahren, aber nicht eingegriffen. Laut Aufsichtsratschef Thomas Rabe haben sich die Vorwürfe in einer internen Untersuchung aber „nicht substanziiert“. Laut Industriekreisen hat das Thema beim Abgang Rajkumars keine Rolle gespielt.
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Die personelle Neuaufstellung an der Spitze dürfte Gulden nun weitgehend abgeschlossen haben. Doch die operativen Probleme bleiben. In guten Jahren hatte Adidas mit Wests „Yeezy“-Kollektion weit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr erzielt. Diese Erlöse fehlen nun. Im ersten Quartal stagnierten die Adidas-Umsätze deshalb bei nur 5,3 Milliarden Euro, während die Konkurrenz teils kräftig zulegen konnte.
Zwar startete Adidas im Mai den Verkauf von Lagerbeständen aus der „Yeezy“-Kollektion. Zahlen hat der Konzern dazu bislang noch nicht genannt, doch war das Interesse laut Einschätzungen in der Branche groß. Allerdings handelt es sich nur noch um Einmaleffekte. Zudem hatte Adidas angekündigt, man werde von dem Erlös „einen signifikanten Betrag an ausgewählte Organisationen spenden, die sich gegen Diskriminierung und Hass, einschließlich Rassismus und Antisemitismus, einsetzen“.
Erstpublikation: 05.07.2023, 09:37 Uhr.