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Gewinnbeteiligung Bedrohte Dividenden: Bei welchen Unternehmen Aktionäre um die Ausschüttung zittern müssen

Um gut zehn Prozent sinken die Dividenden in Deutschland in diesem Jahr. Im europäischen Vergleich sind sie dennoch hoch und stabil. Das könnte sich im nächsten Jahr ändern.
07.07.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Vor allem bei den Autowerten dürften die Dividenden sinken. Quelle: Bloomberg
Produktionsstrecke bei VW

Vor allem bei den Autowerten dürften die Dividenden sinken.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Anlegern liefern Dividenden dieses Jahr ein Wechselbad der Gefühle: Einerseits lässt jedes vierte Unternehmen in den vier wichtigsten deutschen Börsenindizes, das sind neben dem Leitindex Dax der M-, Tec- und SDax, seine Dividende ausfallen. Andererseits sinkt die Summe aller Ausschüttungen um nur rund zehn Prozent auf insgesamt 44 Milliarden Euro. Das kann in Corona-Zeiten schon als Erfolg gelten.

Der Grund: Dividenden-Bewahrer wie Siemens und BASF liegen hierzulande im Trend – zumindest mehr als die Anhänger von Streichungen wie etwa Triebwerkhersteller MTU oder Adidas.

In Deutschland bleiben die Ausschüttungen damit stabiler als im Rest Europas. Dort rechnet der britische Vermögensverwalter Janus Henderson angesichts der Ertragseinbrüche bei vielen Unternehmen mit einem Rückgang von bis zu 35 Prozent auf insgesamt 933 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 1,4 Billionen Dollar.

Allerdings drohen im nächsten Jahr weitere Einschnitte bei den Ausschüttungen. Commerzbank-Analyst und Dividendenexperte Andreas Hürkamp geht davon aus, dass die Coronakrise viele Unternehmen zwingen wird, ihre Dividenden erneut zu kürzen: „Für das Geschäftsjahr 2020 erwarten wir einen weiteren Rückgang um elf Prozent.“ Damit würde die Dividendensumme im Dax von 34,5 Milliarden Euro in diesem Jahr auf knapp 31 Milliarden Euro sinken. Das wäre das Niveau von 2016. „Vor allem im Autosektor werden die Dividenden stark sinken“, orakelt Hürkamp.

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    Mit BMW, Daimler, Volkswagen und dem Zulieferer Continental sind im Dax vier Autowerte gelistet. Die Branche leidet unter der Nachfrageschwäche infolge der Corona-Pandemie und benötigt unabhängig von der Krise viel Geld für Investitionen in die Umstellung auf die Elektromobilität. Das dürfte sich auch negativ auf die Dividenden für dieses Geschäftsjahr auswirken, die im kommenden Jahr ausgezahlt werden.

    Liquidität geht in der Krise schnell verloren

    Betriebswirtschaftlich erscheinen Kürzungen der Dividenden oder Verzichte angesichts großer Einnahmeausfälle sinnvoll, auch wenn die Unternehmen über finanzielle Polster aus der Vorkrisenzeit verfügen. Das Eigenkapital der Dax-Konzerne stieg im Laufe des vergangenen Geschäftsjahres um fast vier Prozent auf 656 Milliarden Euro. Das entspricht einer soliden durchschnittlichen Eigenkapitalquote von 34,5 Prozent.

    Mit Ausnahme vom Energieversorger Eon, der allerdings keine Einbußen angesichts Corona befürchten muss, verfügen alle übrigen Konzerne im Leitindex über eine Quote oberhalb der als kritisch geltenden 20-Prozent-Marke.

    Auch stieg der operative Cashflow: Die mit der Geschäftstätigkeit erwirtschafteten liquiden Mittel wuchsen binnen eines Jahres um gut elf Prozent auf 142,8 Milliarden Euro. Am meisten Cashflow hat Volkswagen mit 30,7 Milliarden Euro angehäuft, gefolgt von der Deutschen Telekom mit 23 und Daimler mit 13 Milliarden Euro.

    Grafik

    Liquidität geht allerdings schnell verloren, wenn in der Krise die Einnahmen versiegen und die Kosten gleich bleiben. Das erlebten die Unternehmen schon einmal: zur Jahreswende 2008/09 in der Finanzkrise.

    Diesmal ist der Stillstand in der Wirtschaft sogar noch größer. „Viele Unternehmen dürften in den kommenden Monaten ihre Verschuldung in Form neuer Kredite hochfahren. Mittelfristig erwarten wir auch Kapitalerhöhungen zur Stärkung des Eigenkapitals“, prognostiziert DZ-Bank-Experte Christian Kahler.

    Dazu gehören auch Dividendenkürzungen – wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr, um so Mittelabflüsse zu begrenzen. Denn inzwischen erregt der hohe Geldabfluss auch die Aufmerksamkeit der Bonitätswächter. Die amerikanische Ratingagentur Moody’s hat die drei deutschen Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW mit negativem Vorzeichen auf ihre Beobachtungsliste gesetzt. Das heißt, den Unternehmen droht ein schlechteres Rating. Die Folge wäre, dass sich Kredite oder Anleihen verteuern.

    Noch immer viele Dividendenzahler

    Moody’s, aber auch die Kollegen von Standard & Poor’s sehen Dividendenzahlungen in der Krise kritisch. Aus einem einfachen Grund: Bares fließt ab, wodurch sich die Reserven verringern. Die Unternehmen „schonen mit der Kürzung von Dividenden ihre Liquidität, was aus Sicht langfristig orientierter Anleger nicht unbedingt schlecht sein muss“, sagt Chefstratege Robert Greil vom Vermögensverwalter Merck Finck.

    Die Idee dahinter ist, dass die Unternehmen jetzt Bares zusammenhalten, um durch die Folgen der Pandemie nicht in Schieflage zu geraten und gleichzeitig Geld für Investitionen vorzuhalten. Wenn dann am Ende die Gewinne und Dividenden wieder steigen, dürften auch die Interessen der Aktionäre befriedigt sein.

    Mit Blick auf die Ausschüttungen, die in diesem Jahr für das Geschäftsjahr 2019 gezahlt werden, denken bislang viele Unternehmen aber gar nicht daran, ihre Dividenden zu kürzen. Mit vier Milliarden Euro ist die Allianz der größte Zahler in Deutschland.

    Ihr folgt Volkswagen mit 3,3 Milliarden Euro, die an Stamm- und Vorzugsaktionäre gehen. Bei Siemens flossen bereits 3,1 Milliarden Euro an die Aktionäre, bei BASF waren es drei Milliarden Euro. Alle vier haben die Dividenden in diesem Jahr sogar erhöht – bei VW steht die Hauptversammlung und damit die Ausschüttung allerdings noch aus.

    Selbst schlechte Ergebnisse und Prognosen hindern einige Unternehmen nicht daran, ihre Ausschüttungen zu erhöhen. „Wir erwarten bestenfalls ein operatives Ergebnis von einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag“, sagte BASF-Konzernchef Martin Brudermüller mit Blick auf das zweite Quartal auf der virtuellen Hauptversammlung im Juni. „Es kann auch null sein oder negativ“, bekräftigte er frühere Schätzungen.

    Eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr 2020 gibt Brudermüller nach wie vor nicht ab, nachdem er im April die Ziele wegen der Pandemie zurückgezogen hat. „Wir wissen nicht, ob und wann sich die Märkte wieder normalisieren. Und wie sie sich künftig entwickeln.“ Dennoch erhöhte BASF seine Dividende um zehn Cent auf 3,30 Euro je Aktie.

    MTU als „Eisbrecher“

    Zwar sei eine Kürzung diskutiert worden, sagte Brudermüller, „aufgrund unserer soliden Finanzkraft und Bilanz haben wir uns aber entschlossen, diese auszuzahlen“.
    Eine Kürzung oder gar Streichung wäre einem Wortbruch gleichgekommen. Kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr 2018 hatte sich Brudermüller unter Zugzwang gesetzt und angekündigt, die Ausschüttung künftig jedes Jahr erhöhen zu wollen.

    Unter seinen Vorgängern galt die Maxime, in guten Zeiten mehr auszuschütten und in schlechteren Jahren die Dividende möglichst zu halten. Diese auch bei vielen anderen Unternehmen gängige Praxis galt bei BASF bis in Zeiten von Kurt Bock. Der frühere Vorstandschef und Vorgänger Brudermüllers ist seit der diesjährigen Hauptversammlung neuer Aufsichtsratschef und damit Oberkontrolleur. Gut möglich, dass BASF schon bald zu seiner alten Devise zurückkehrt.

    3,3 Milliarden Euro gehen an die Stamm- und Vorzugsaktionäre. Quelle: Reuters
    VW-Werk in Wolfsburg

    3,3 Milliarden Euro gehen an die Stamm- und Vorzugsaktionäre.

    (Foto: Reuters)

    Einer der ersten Konzerne, die Konsequenzen aus der Coronakrise zogen und die bereits angekündigte Ausschüttung für 2019 kappten, war MTU. Und das, obwohl das Geschäftsjahr für den Triebwerkhersteller erfolgreich war. „MTU ist der Eisbrecher“, mutmaßte Commerzbank-Analyst Hürkamp im März dieses Jahres. Er verfolgt seit Jahrzehnten die Ausschüttungspolitik der Unternehmen und behielt mit seiner Prognose recht.

    Nachdem MTU recht früh auf die einbrechenden Erträge im Zuge der Pandemie reagierte, zogen andere Unternehmen nach: darunter Adidas, Continental, Covestro und Heidelberg Cement. Sie senkten die Höhe der bereits angekündigten Dividende oder strichen sie wie Adidas ganz.

    Noch nie gab es eine vergleichbare Situation, dass Anleger auf breiter Front für ein eigentlich erfolgreiches Geschäftsjahr leer ausgehen, weil das darauffolgende schlecht läuft. Nicht einmal nach dem Konjunktureinbruch infolge der Pleite der amerikanischen Großbank Lehman im Jahr 2008 und der darauffolgenden Finanz- und Wirtschaftskrise war das der Fall.

    Allerdings ist der Einbruch diesmal auch deutlich größer. „Insgesamt könnte die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt des laufenden Vierteljahres um beinahe ein Zehntel und damit noch erheblich stärker zurückgehen als im ersten Quartal“, prognostizierte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Juni.

    Regelungen nicht verschärft

    Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent geschrumpft und damit so stark wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr. Für das Gesamtjahr rechnen Experten mit einem Rückgang von mehr als sechs Prozent. Kommt es so, wäre das der stärkste Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

    Weil gleichzeitig die gesamte Weltwirtschaft 2020 um mindestens zwei Prozent schrumpfen dürfte – in der Finanzkrise lag das Minus bei 0,2 Prozent –, brechen die Erträge der vielen exportstarken deutschen Unternehmen nachhaltig ein. Mit entsprechenden Folgen für die Gewinnausschüttungen. Deswegen erwarten Experten wie Hürkamp weitere Kürzungen im nächsten Jahr.

    Generell kann man allerdings sagen, dass die deutschen Unternehmen im europäischen Vergleich durch vergleichsweise hohe und stabile Dividenden herausragen. Volkswagen und BASF erhöhten ihre Ausschüttungen in diesem Jahr sogar trotz der Tatsache, das sie einen Teil ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben.

    Solch ein Vorgehen ist umstritten. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stellte frühzeitig klar, dass Unternehmen, die Staatshilfe benötigen, keine Dividende auszahlen sollen. Kurz darauf legte Wirtschaftsminister Peter Altmaier nach: Unternehmen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, dürften keine Gewinne ausschütten und müssten sich darüber hinaus bei Bonuszahlungen zurückhalten. „Darüber reden wir mit jedem einzelnen Unternehmen.“

    Den starken Worten folgten aber keine Taten, geschweige denn gesetzliche Regelungen. Die Unternehmen haben also freie Hand – und sie berufen sich darauf, dass Kurzarbeitergeld keine Form von Staatshilfe ist, weil die Gelder aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung stammen – in die auch BASF und Co. einzahlen.

    Wie weit Worte und Taten der Politik auseinanderklaffen, beweist Volkswagen: Der Konzern beabsichtigt, seine Dividende so stark wie kein anderer Dax-Konzern zu erhöhen – um rund 850 Millionen Euro auf 3,27 Milliarden Euro. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechtsanteile und hätte sehr wohl die Möglichkeit, die Dividende angesichts von Kurzarbeit zu verhindern. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sitzt im Aufsichtsrat und damit im Kontrollgremium.

    Mehr: Bilanzsaison - Das Schlimmste kommt erst noch.

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