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WHU-Umfrage Jedes zweite Unternehmen setzt in der Coronakrise auf Hilfen vom Bund

Die Wirtschaftshochschule WHU hat zum zweiten Mal in der Coronakrise Finanzchefs und Controller zur Lage ihrer Firmen befragt. Die Ergebnisse im Vergleich.
19.05.2020 - 11:23 Uhr Kommentieren
Vor allem die Absatzeinbrüche durch fehlende Nachfrage bereiten den Krisenmanagern Sorgen. Quelle: dpa
Montagelinie bei Volkswagen

Vor allem die Absatzeinbrüche durch fehlende Nachfrage bereiten den Krisenmanagern Sorgen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mitte März machte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Kampf gegen das neue Coronavirus zur Chefsache. Auf einer Pressekonferenz erklärte sie das Konzept, das von dort an das Handeln bestimmen sollte – und das öffentliche Leben in Deutschland und die Wirtschaft praktisch herunterfuhr: Die Ausbreitung verlangsamen, „die Kurve abflachen“, damit das Gesundheitssystem nicht kollabiert.

Noch am gleichen Tag erklärten führende Wirtschaftsexperten, der Staat werde sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen, um den absehbaren Einbruch der Wirtschaft abzufangen. Es folgte ein milliardenschweres Hilfsprogramm.

Gut zwei Monate ist das nun her, und klar ist: Das Gesundheitssystem ist momentan weitgehend stabil. Doch während Bund und Länder weitere Lockerungen der Kontaktbeschränkungen planen, sind die Unternehmen nach wie vor im Krisenmodus, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Zum zweiten Mal hat die WHU Otto Beisheim School of Management in Kooperation mit dem Internationalen Controller Verein (ICV) knapp 340 Finanzvorstände und Controller in der deutschen Wirtschaft zur Lage in ihren Firmen befragt.

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    Ein Ergebnis der Blitzstudie, die vom 7. bis zum 11. Mai online durchgeführt wurde und deren Ergebnisse dem Handelsblatt exklusiv vorliegen: Wie bei der ersten Erhebung (20. bis 23. März) ist etwa ein Drittel der Unternehmen stark von der Krise betroffen; jedes zweite hat bereits die Soforthilfe des Bundes in Anspruch genommen.

    Dabei dominiert mit Abstand das Kurzarbeitergeld (41 Prozent), gefolgt von Steuerstundungen oder Stundungen von Sozialversicherungsbeiträgen und Krediten der staatlichen KfW. In einem Sechstel der Unternehmen trifft die Kurzarbeit sogar mehr als die Hälfte der Mitarbeiter.

    14 Prozent haben krisenbedingte Kündigungen ausgesprochen

    Laut der Bundesagentur für Arbeit haben bis Ende April mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland Kurzarbeit angemeldet. Ein Rekord. Zum Vergleich: Der bisherige Höchstwert stammte aus der Finanzkrise im Jahr 2009, in der 3,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit waren. Viele Deutsche fürchten dennoch um ihre Jobs, und das nicht zu Unrecht. So haben 14 Prozent der Unternehmen im WHU-Panel seit Jahresbeginn bereits krisenbedingte Kündigungen ausgesprochen.

    Momentan kämpfen die Firmen im Alltag immer noch mit erschwerten Arbeitsbedingungen. Diese Herausforderung war jedoch im März zu Beginn des Shutdowns noch deutlich größer. Die fragilen Lieferketten beschäftigen die CFOs und Controller nicht mehr so stark, dafür rücken Absatzeinbrüche in den Vordergrund.

    „Die meisten Firmen haben in den vergangenen Wochen zwar Home-Office-Möglichkeiten geschaffen und die Produktion unter Schutzvorkehrungen wieder hochgefahren, aber es gibt immer noch einige Einschränkungen. Dagegen haben sie die Lieferketten weitgehend stabilisiert“, sagt WHU-Professor Marko Reimer. „Was den Krisenmanagern jetzt vor allem Sorge macht, ist die fehlende Nachfrage.“ Die Autobranche etwa fordert trotz aller Vorbehalte vehement staatliche Kaufanreize, um den Absatz wieder in Schwung zu bringen.

    Gemeinsam mit Utz Schäffer leitet Reimer das Institut für Management und Controlling an der privaten Wirtschaftshochschule, das die Umfrage durchgeführt hat. Etwas über die Hälfte der Firmen, in denen die befragten CFOs und Controller arbeiten, erzielt einen Jahresumsatz zwischen 50 Millionen und einer Milliarde Euro, je rund ein Viertel weniger oder mehr. 55 Prozent stammen aus dem produzierenden Gewerbe, 38 Prozent aus dem Dienstleistungssektor und sieben Prozent aus Handel.

    So sind die befragten CFOs und Controller auch weiterhin skeptisch, wann sich die Lage in ihren Unternehmen wieder bessert. In der ersten Erhebung hatten sie im Schnitt erwartet, in sechs Wochen klarer sehen und die weitere Entwicklung besser abschätzen zu können. „60 Prozent können aber immer noch nicht sagen, bis wann sich die Situation in ihrer Firma wieder normalisiert haben wird“, sagt WHU-Professor Schäffer.

    Die Folge: 58 Prozent der befragten CFOs und Controller berichten, dass sie die Ziele für das laufende Jahr bereits angepasst haben. Von den 304 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben im ersten Quartal nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY 77 vor Gewinn- und Umsatzeinbußen gewarnt – mehr als je zuvor. Dazu kommt, dass sich viele angesichts der andauernden Ungewissheit gar keine neue Prognose mehr zutrauen.

    Die Krise hat ebenfalls starke Auswirkungen auf die Investitionen, denn viele Unternehmen reagieren mit Verschiebungen oder Kürzungen auf den wirtschaftlichen Einbruch. Positiv fällt dabei auf, „dass die Investitionen in Digitalisierung im Durchschnitt aller Unternehmen deutlich weniger reduziert werden als Ausgaben in anderen Bereichen“, so Schäffer. 17 Prozent der Unternehmen stocken aktuell ihre Investitionen im digitalen Bereich sogar noch auf, nur jedes fünfte streicht sie in Teilen.

    Mehr: Controller rechnen mit Erholung für Unternehmen im Juli

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