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Die neuen Gründer – AthletiaImmer auf Ballhöhe

Die Internet-Plattform Athletia vermarktet die Youtube-Kanäle internationaler Sportverbände und kämpft gegen Piraterie im Netz. Das Geschäft, auf das sich das Start-up spezialisiert hat, alles andere als einfach.Diana Fröhlich 07.05.2016 - 17:14 Uhr Artikel anhören

Kaum ein Bereich, der so durchreguliert und -lizenziert ist wie der Sport.

Foto: PR

Köln. Lukas Klumpe liebt seinen Job. So sehr, dass er extra für ihn mehr als 15 Kilogramm abgenommen hat. Denn wer wie er mit Sportlern arbeitet, der muss auch selbst wie einer aussehen. So sieht er das. Schlank ist der 25-Jährige jetzt, auch die weißen Turnschuhe passen zu dem Stil, den er sich selbst auferlegt hat. Klumpe ist ein ehrgeiziger Mensch, einer, der nicht einfach darauf wartet, dass im Leben irgendetwas Gutes passiert, sondern anpackt, „wurstelt“, wie er es nennt. Und dazu gehört eben auch sein Aussehen.

Der gebürtige Kölner ist Gründer und Geschäftsführer des Online-Sportnetzwerks Athletia. Einst als Tochter von Mediakraft, einer der größten Vermarktungsplattformen für Youtuber, gestartet, ist Athletia heute ein eigenes Dienstleistungs-Unternehmen: Klumpe und seine Mitarbeiter beraten Sender, Sportler, Produzenten oder Verbände bei der Verbreitung ihrer Inhalte im Netz.

So vermarkten sie beispielsweise die Youtube-Präsenz des Sportsenders Sky Sport HD, auf der Fußballfans nach dem Spieltag Videos der schönsten Tore und der größten Jubelszenen gucken können. Zu ihren Kunden gehören ebenfalls die internationale Basketball-Föderation und die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft.

Geschäft mit vielen Regeln

Auch Sportler lassen sich von Athletia dabei helfen, ihre Präsenz auf Youtube, Instagram, Twitter oder Facebook auszubauen und zu vermarkten. Ob eine „Elfmeter-Challenge“ mit Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller oder Amateur-Spieler, die versuchen, von der Mittellinie aus ein Tor zu schießen – Athletia produziert die Inhalte und sorgt dafür, dass sie im Netz gefunden und möglichst oft angeklickt werden.

Er wurde vom Youtuber zum Unternehmer.

Foto: PR

Darüber hinaus hat sich das Netzwerk noch ein weiteres Geschäftsmodell erschlossen: Das Management der Youtube-Rechte für die Deutsche Fußball Liga und den Fußball-Weltverband.

Denn zum Glück für Klumpe ist das Geschäft, auf das er sich spezialisiert hat, alles andere als einfach. Auf der einen Seite ist das Interesse am Sport in Deutschland riesig, die Fans wollen nahezu alles über ihren Lieblingssportler und den -verein wissen, jede Randnotiz bringt Millionen Klicks. Auf der anderen Seite gibt es aber auch kaum einen anderen Bereich, der so durchreguliert und -lizenziert ist wie der Sport. Vor allem, was das Sponsoring sowie die Fernseh- und Internetrechte angeht.

Vom Kommentator zum Vermarkter

Schließlich steckt in dem Markt eine Menge Geld: In der laufenden Saison nehmen die 36 Erst- und Zweitligaklubs in Deutschland 826 Millionen Euro aus der Vergabe der nationalen und internationalen Fernsehrechte ein – Internet eingeschlossen.

„Gerade das Geschäftsmodell von Athletia, die Vermarktung von Videoinhalten, steht da noch ganz am Anfang“, sagt Markus Hündgen, Netzpionier und Gründer der European Web Video Academy. „Man darf gespannt sein, ob und wie sich der Markt in Zukunft entwickeln und auch tragen wird.“ Wichtig sei die Präsenz von Vereinen und Verbänden im Internet aber in jedem Fall. „Es geht nicht nur darum, auf Youtube Geld zu verdienen, sondern auch um das Image und die Entwicklung der Marke“, sagt der Experte. Wer den Nachwuchs langfristig an sich binden will, der muss ihn dort suchen, wo er auch zu finden ist: im Netz.

Athletia auf einen Blick
Lukas Klumpe war selbst Youtuber. Er arbeitete zunächst für Mediakraft, machte sich dann mit Hilfe seiner Familie selbstständig.
Athletia berät Unternehmen, Sportler, Online-Videoproduzenten, Vereine und Verbände dabei, wie sie ihre Inhalte dem Publikum im Netz zur Verfügung stellen können - und ihre Rechte dabei wahren.
Ähnlich spezielle Netzwerke, die sich ausschließlich auf die Vermarktung des Sports konzentrieren, gibt es bisher nur wenige. Der größte Konkurrent, Whistle Sport, sitzt in den USA.
Der globale Digital-Sport-Markt ist noch sehr jung. Für die Internet-Rechte an internationalen Sportveranstaltungen werden aber weltweit schon heute Milliarden gezahlt.

Dafür ist dann Klumpe zuständig. Vieles hat er von den Profis bei Mediakraft gelernt. Er war selbst Youtuber, hat während des Studiums am Wochenende den aktuellen Spieltag der Bundesliga kommentiert und parodiert. Gemeinsam mit dem Multi-Channel-Netzwerk, das Youtube-Stars wie Le Floid großgemacht hat, baute er einen Ableger auf, der sich ausschließlich um den Sport kümmerte.

Plattform gegen Piraterie im Netz

Mit der Zeit entwickelte sich Athletia immer weiter weg vom Kerngeschäft der Mutter – vom Vermarkter hin zu einem Technologieunternehmen. So hat Klumpe eine Plattform entwickelt, mit deren Hilfe Profiklubs Piraterie im Netz unterbinden können.

Den Kunden gefällt diese Idee: „Elf Sekunden nach einem Tor gibt es bereits die ersten illegalen Videos eines Fußballspiels auf Youtube“, sagt Sascha Tietz, Antipiraterie-Experte bei Sky. Sei es das Amateurvideo eines Fans, der im Stadion sitzt, oder aber ein absichtlich gefälschter Inhalt, mit dem sich Klicks und damit Erlöse generieren lassen – der Inhaber der Rechte, in diesem Fall Sky, will diese auch gewahrt sehen.

Zum Geschäftsmodell von Mediakraft hat es nicht mehr gepasst. 2015 einigten sich beide Parteien einvernehmlich auf die Trennung. Anfangs hat Klumpes Familie finanziell geholfen, mittlerweile hat er Kunden, die für die Dienstleistung bezahlen. Nach eigenen Angaben arbeitet er „im Kerngeschäft profitabel“.

Nächstes Ziel: Internationalisierung

Heute beschäftigt Athletia rund 30 Leute im Medien-Zentrum Köln-Ossendorf. Das nächste Ziel sei die Internationalisierung, sagt der Gründer. Vor allem in den USA sieht Klumpe viel Potenzial. Aber auch den größten Konkurrenten: den US-Sport-Inhalte-Vermarkter Whistle Sports. Der erreicht nach eigenen Angaben mehr als 60 Millionen Nutzer – bei Athletia sind es 55 Millionen.

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Um dagegenhalten zu können, hat Klumpe schon mit einigen Investoren gesprochen. Einen „intensiven Austausch“ nennt er das, eine Diskussion über mögliche gemeinsame Eintritte in neue Märkte, beispielsweise in den englisch- und spanischsprachigen Raum. Doch er stellt klar: „Wir wollen die eigene Führung behalten.“ Abgeben, was er selbst erfunden hat, passt nicht in Klumpes Konzept. Für den Job hat er sich schließlich selbst neu erfunden. Zumindest äußerlich.

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