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Andreas Andreadis Wie ein griechischer Hotelier mit der Corona-Rezession kämpft

Geld verdienen wird der griechische Hotelier Andreadis dieses Jahr nicht mehr. Trotzdem fiebert der Chef der Hotelgruppe Sani/Ikos dem Saisonstart am 1. Juli entgegen.
15.06.2020 - 14:41 Uhr Kommentieren
Der Chef der Hotelgruppe Sani/Ikos bietet seinen Gästen vier Meter Abstand zwischen den Sonnenschirmen in seinem Stammhaus, dem Sani-Resort. Quelle: Pantelis Zervos
Hotelier Andreas Andreadis

Der Chef der Hotelgruppe Sani/Ikos bietet seinen Gästen vier Meter Abstand zwischen den Sonnenschirmen in seinem Stammhaus, dem Sani-Resort.

(Foto: Pantelis Zervos)

Athen Sonne, Sand und Meer: Das gibt es fast überall in Griechenland. Aber Andreas Andreadis kann seinen Besuchern derzeit noch mehr bieten. Etwas, das in Corona-Zeiten besonders wertvoll ist: Platz, viel Platz. „Wir haben sieben Kilometer Strand, und rechnerisch hat jeder Gast auf unserem Areal 350 Quadratmeter für sich“, sagt der CEO der Hotelgruppe Sani/Ikos.

Auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki betreibt das Familienunternehmen sein Stammhaus, das Sani-Resort. Am 1. Juli öffnet die Ferienanlage. Am selben Tag will die griechische Regierung auch die verbliebenen Quarantäne-Vorschriften für ausländische Besucher aufheben. Alle Flughäfen des Landes werden dann wieder für den Verkehr mit dem Ausland geöffnet.

Es ist der Auftakt zu einer Saison voller Ungewissheiten. Aber eines weiß Andreadis schon jetzt: „In diesem Jahr werden wir kein Geld verdienen.“ Sieben Monate ist das Resort in normalen Jahren geöffnet. „Davon haben wir bereits drei Monate verloren“, sagt der Unternehmer. „Jetzt geht es darum, vom Rest der Saison so viel zu retten wie möglich.“

Sieben Jahre hat Griechenland einen Reise-Rekord nach dem anderen gemeldet. Seit 2013, als die Schuldenkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte, verdoppelte sich die Zahl der ausländischen Urlauber. Vergangenes Jahr kamen 31,3 Millionen Gäste. Sie brachten nach Berechnungen der Bank von Griechenland umgerechnet 18,2 Milliarden Euro ins Land. So erwarteten die hellenischen Hoteliers 2020 das achte Wachstumsjahr in Folge. Doch stattdessen kam das Coronavirus – mit dramatischen Folgen für die Branche.

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    Die meisten der 10.221 griechischen Hotels sind kleine Familienbetriebe. Das macht den Charme des Urlaubsziels Griechenland aus. Aber viele Unternehmen sind schwach kapitalisiert und haben keine Liquiditätsreserven. Zwei von drei Hoteliers, so eine Umfrage der griechischen Hotelkammer, fürchten, dass Corona sie in die Pleite treibt. Fast jeder Fünfte hält es sogar für „sehr wahrscheinlich“, dass er Insolvenz anmelden muss.

    Kontaktloser Aufenthalt per App

    Andreas Andreadis gehört nicht dazu. Angst um den Bestand des Unternehmens habe er nicht, sagte Andreadis. „Wir sind so gut aufgestellt, dass wir auch zwei volle Jahre ohne Hotelbetrieb überstehen könnten.“ Schlaflose Nächte haben ihm in den vergangenen Wochen andere Fragen bereitet: „Wie können wir die Jobs unserer Mitarbeiter sichern und sie motivieren, ohne die wirtschaftliche Zukunft unseres Unternehmens aufs Spiel zu setzen? Wie können wir die Sicherheit unserer Gäste gewährleisten, wenn sie zurückkommen?“

    Mit den neuen Abstandsregeln der Gesundheitsbehörden hat Andreadis kein Problem: „Der vorgeschriebene Mindestabstand zwischen den Sonnenschirmen beträgt zwei Meter, aber wir haben immer schon vier Meter Distanz gehalten.“ A-la-carte-Menüs werden die Büfetts ersetzen. Eine App soll es den Gästen ermöglichen, auf ihrem Smartphone einen „kontaktlosen Aufenthalt“ zu organisieren.

    Mit eigenen Hygieneprotokollen, die vom TÜV Austria und dem Hygienespezialisten Ecolab zertifiziert werden, geht Sani/Ikos sogar weit über die Vorschriften hinaus: „Wir testen nicht nur unsere Angestellten in regelmäßigen Abständen“, sagt Andreadis. „Auch alle Gäste werden bei der Ankunft auf Covid-19 getestet.“

    Andreadis studierte in seiner Heimatstadt Thessaloniki an der Aristoteles-Universität Ingenieurwissenschaften und promovierte an der University of London. Die Geschichte des von seinem Vater begründeten Familienunternehmens geht zurück ins Jahr 1962. Damals entdeckt der Bauunternehmer Anastasios Andreadis einen Streifen Land an der Westküste der damals noch völlig unerschlossenen Halbinsel Kassandra. Es gibt keine Straßen, Andreadis muss ein Kaiki nehmen, ein Fischerboot.

    Er und sein Geschäftspartner Leonidas Sisiadis kaufen einem Kloster das ungenutzte Land ab. Sie planen ein Bungalowhotel. Mit dem Entwurf beauftragen sie den damaligen Stararchitekten Georgios Bogdanos, einen Protagonisten der griechischen Moderne. Im Sommer 1970 ist Eröffnung. Die ersten ausländischen Gäste kommen aus England und Deutschland.

    Ihnen bietet sich neben dem kilometerlangen Sandstrand, den Dünen und dem kristallklaren Meer ein prächtiges Panorama: Im Osten erhebt sich der gewaltige Rücken des Agion Oros, des Heiligen Berges Athos, aus dem Meer, im Westen ragt der schneebedeckte Gipfel des Olymps auf, auf dem die alten Griechen ihre Götter glaubten.

    Finanzinvestoren an Bord

    Aus der bescheidenen Bungalowanlage von einst ist im Laufe der vergangenen 50 Jahre eines der größten Fünf-Sterne-Resorts am Mittelmeer geworden. Die Anlage umfasst auf mehr als 400 Hektar Land fünf Luxushotels mit Familiensuiten sowie Villen mit privaten Pools, einen Jachthafen, 25 Restaurants, Geschäfte und Spas. 2016 bündelte die Andreadis-Familie ihre Hotelunternehmen in der LBRI Group mit Sitz in Luxemburg.

    Die Gruppe, an der die Finanzinvestoren Oaktree Capital Management, Goldman Sachs Asset Management, Hermes GPE und andere Fonds beteiligt sind, betreibt neun Resorts in Griechenland und expandiert in diesem Herbst mit dem Ikos Andalusia auf die Iberische Halbinsel. Die Familie Andreadis hält mehr als ein Viertel der Anteile an LBRI. Der 67-jährige Andreas Andreadis und sein sieben Jahre älterer Bruder Stavros führen das Unternehmen gemeinsam mit Mathieu Guillemin, der von Oaktree kommt.

    Andreas Andreadis, langjähriger früherer Präsident des Verbandes der griechischen Tourismusunternehmen Sete, der über 50.000 Unternehmen mit 350.000 Beschäftigten repräsentiert, gilt als einer der erfahrensten Experten in der Fremdenverkehrsbranche. Sie erwirtschaftete vergangenes Jahr 21 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts und sicherte jeden fünften Job.

    „Im günstigsten Fall werden die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr als Folge der Corona-Pandemie in diesem Jahr um 50 bis 70 Prozent zurückgehen“, schätzt Andreadis. Er erwartet, dass die Krise zu einer Konsolidierung der Branche führt: „Wir werden mehr Übernahmen und Fusionen sehen.“

    Die Branche werde Zeit brauchen, um sich von der Krise zu erholen, meint Andreadis. Für sein eigenes Unternehmen erwartet er, „dass wir in zwei Jahren wieder das Vorkrisenniveau erreichen und möglicherweise sogar stärker dastehen“.

    „Ich bin zuversichtlich, dass die Menschen auch in Zukunft reisen werden“, sagt der Unternehmer. Die Branche habe schon viele Krisen erlebt und sich immer wieder berappelt, meint Andreadis. So werde es auch diesmal sein. „Aber kein einziger Aspekt unseres Geschäfts wird nach dieser Pandemie so sein wie vorher.“

    Andreadis erwartet einen verstärkten Trend zur Digitalisierung, wachsendes Qualitätsbewusstsein der Gäste und eine stärkere Fokussierung auf Nachhaltigkeit. Diesem Trend müssten sich auch die Reiseveranstalter stellen, meint Andreadis. „Die Branche steht vor großen Herausforderungen, die aber zugleich eine großartige Chance eröffnen, unsere Prioritäten und Urlaubsprodukte neu zu definieren“, sagt Andreadis. „Und ich kann mir dafür keinen besseren Zeitpunkt denken als jetzt.“

    Mehr: Premierminister Mitsotakis: „Griechenland hat wieder geöffnet.“

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