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Globus-Chef Thomas BruchAusbau Ost

Der Inhaber der Warenhauskette Globus, Thomas Bruch, hat aus dem Tante-Emma-Laden seiner Vorfahren längst einen Konzern mit Milliarden-Umsatz gemacht. Der behauptet sich auch auf dem schwierigen russischen Markt.Diana Fröhlich 16.10.2017 - 18:12 Uhr Artikel anhören

Der Geschäftsführer der Globus SB-Warenhaus Holding zählt zu den reichsten Deutschen.

Foto: Handelsblatt

Saarlouis. Thomas Bruch will wissen, wie seine Kunden ticken. In Deutschland wie auch in Russland und Tschechien. Wie sie denken und fühlen – und natürlich, was sie gerne einkaufen. Bruch ist Unternehmer und führt in der mittlerweile fünften Generation die saarländische Handelsgruppe Globus. Dazu gehören hierzulande 46 Warenhäuser und 90 Baumärkte, hinzu kommen zwölf „Hypermärkte“ in Russland und 15 in Tschechien. Der Chef geht gerne durch seine Läden, spricht mit den Menschen vor Ort, auch darüber, was er noch so alles verbessern könnte.

Dabei läuft es derzeit schon recht gut für ihn und sein Unternehmen: Die Globus-Gruppe mit ihren knapp 45.000 Beschäftigten setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr gut 7,5 Milliarden Euro um, 6,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte zu, um etwa 55 Millionen Euro auf 268 Millionen Euro, wie Bruch gemeinsam mit seinen drei Geschäftsführungskollegen Johannes Scupin, Christian Heins und Erich Huwer am Montagvormittag im „Victor‘s Residenz Hotel“ in Saarlouis bekanntgab. Globus ist zwar deutlich kleiner als Edeka oder Rewe, aber doch Welten entfernt von dem Tante-Emma-Laden nahe der Kirche von St. Wendel, den sein Ur-Urgroßvater Franz Bruch 1828 gründete.

„Bescheiden stolz“

Bruch, der von sich selbst sagt, „bescheiden stolz“ zu sein auf das, was er geschafft hat, gehört damit zu den größten Familienunternehmen des deutschen Einzelhandels. Seine beiden Wachstumstreiber: die Globus-Baumärkte in Deutschland und die positive Entwicklung des Geschäfts in Russland. Rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz verbucht Globus allein dort – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 25 Prozent.
Der stationäre Handel, in dem der Kunde etwas geboten bekommt, habe seiner Meinung nach auch in Zukunft eine Chance – wenn er mit dem E-Commerce eng verzahnt wird. Wer beim Globus-Baumarkt beispielsweise online bestellt, der kann seine Ware schon vier Stunden später im Markt abholen. Dort, vor Ort, gibt es dann einen Anhängerverleih, Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos sowie unzählige Produktpräsentationen. Alles Hand in Hand.

Thomas Bruch, Jahrgang 1950 und geschäftsführender Gesellschafter von Globus, hat es mit seinem bescheidenen Stolz weit gebracht, nach Angaben des US-Magazins „Forbes“ gehört er mit einem geschätzten Vermögen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Deutschen. Doch Bruch ist kein Protzmilliardär, sondern eher eine unauffällige Erscheinung. Einzige Ausnahme: Bruch, der früher Springreiter war, züchtet gemeinsam mit seiner Ehefrau Graciela Trakehner. Sie betreiben in St. Wendel im Saarland ein Gestüt. In dem Ort ist Bruch aufgewachsen, ganz in der Nähe der Firmenzentrale. Und er wohnt noch immer hier.

Aus dem Tante-Emma-Laden von einst hat Bruch einen Konzern geformt; den Anspruch der „billigsten und reellsten Bedienung“ von einst hat sich die Familie allerdings über die Generationen hinweg als eines ihrer Leitmotive bewahrt.

Doch es ist auch für die Bruchs nicht immer einfach, im Wettbewerb gegen die Marktführer in der Branche zu bestehen. Edeka, Rewe, Aldi und Lidl könnten aufgrund ihrer Größe bessere Einkaufspreise aushandeln und die dann auch an ihre Kunden weitergeben. Das sei eine „echte Herausforderung“, gibt Bruch zu. Den Stand zu halten, den man sich erarbeitet habe, sei schwer. Denn die Konkurrenz im deutschen Lebensmittelhandel ist hart: Globus liegt, am Umsatz gemessen, nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Trade Dimensions gerade noch so in den Top Ten. Kein kleiner Spieler, aber eben auch längst kein Gigant der Branche. Und die Konkurrenz aus dem Internet, Amazon etwa, ist noch gar nicht recht angekommen im Handel mit Frischmilch, Obst und Hackfleisch.

Doch die Kette aus dem Saarland hat auch einige Argumente für sich: „Globus hat es in Deutschland im Vergleich mit der Konkurrenz geschafft, den Kunden auf der großen Fläche und zudem auch noch am Stadtrand zufriedenzustellen“, sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE-Handelsberatung aus München. Wo Real längst Einbußen hinnehmen müsse, da gewinne Globus. Und wie? Mit frischer Ware – zum Beispiel einer eigenen Bäckerei, Konditorei und Metzgerei –, attraktiven, regionalen Produkten und dem wichtigen Faktor „Gesamterlebnis“. „In den Regionen, in denen Globus vertreten ist, wirken die Märkte wie ein Magnet“, sagt der Experte.

Bruch als „Putin-Versteher“

Das Prinzip, das Globus in Deutschland erfolgreich gemacht hat – Regionalität, wenn es denn möglich ist, Frische und der Erlebniseinkauf –, steht auch in Russland im Vordergrund. Die Kunden, die allesamt im Moskauer Speckgürtel leben, wissen um die Qualität der Waren. Doch Thomas Bruch weiß auch, wie groß das unternehmerische Risiko ist, das er trägt. Rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt er in dem Land. Einerseits will er in Russland weiter wachsen, weil das Potenzial so groß sei, andererseits rauben ihm die Sanktionen, die EU und USA im Jahr 2014 wegen der russischen Rolle im Ukraine-Konflikt verhängt haben, die Chance.

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Doch ans Aufgeben hat Bruch nie gedacht, im Gegenteil, er geht kreativ mit der Herausforderung um. Für seine Ware hat er eigene Quellen aufgetan. Die Tomaten, die er in Russland verkauft, kommen beispielsweise aus Aserbaidschan, die Apfelsinen aus Usbekistan, der Fisch aus Chile – und das Fleisch aus Russland selbst. Die Sanktionen, sie hätten in dem Land selbst auch für viel Ideenreichtum gesorgt, sagt Bruch.

Mehr als 100 Mal war er in den vergangenen zehn Jahren in Russland, er fühlt sich ein bisschen heimisch hier. Wie kommt ein deutscher Händler überhaupt darauf, im Jahr 2006 als seinen zweiten Auslandsmarkt ausgerechnet Russland zu wählen? Sein ältester Sohn habe während des Studiums in England ein Praktikum in Moskau gemacht, habe für den US-Konzern Wrigley Kaugummi verkauft, erzählt Bruch. Der Aufenthalt des Sohnes, er war auch ein Auslöser für die Expansion.

Heute gilt Bruch als „Putin-Versteher“, als einer, der weiß, wie man in Russland Geschäfte macht. Er wirbt für einen verständnisvollen Umgang mit dem Land, das „den Weg zu finden hatte vom Kommunismus zu neuen, zu demokratischen Strukturen“, sagt er. Das sei nicht einfach, schließlich gab es in Russland – auch durch deutschen Einfluss – 70 Jahre lang keine Demokratie. Er plädiert dafür, gemeinsam einen Weg zu finden. Hand in Hand – es gilt auch hier.

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