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Marcus von Oeynhausen-Sierstorpff Ein Graf kämpft um seinen Traum von der eigenen Rennstrecke

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff steckte Millionen in das Bilster Berg Drive Resort. Nun kämpft der Adlige vor Gericht um sein Lebenswerk.
24.02.2020 - 14:22 Uhr Kommentieren
Der Adlige ist vom Motorsport begeistert. Quelle:  © Juergen Rehrmann für Handelsblatt
Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff

Der Adlige ist vom Motorsport begeistert.

(Foto:  © Juergen Rehrmann für Handelsblatt)

Düsseldorf Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff ist ein umtriebiger Unternehmer. Der Adlige betreibt vier Kurkliniken, ein Vier-Sterne-Superior-Hotel samt 64-Hektar-Park und den Mineralwasserhersteller Bad Driburger. Rund 1.500 Mitarbeiter arbeiten in der Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff (UGOS). Ihre Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1782, der Graf führt die Geschäfte in siebter Generation.

Die größte Leidenschaft des Grafen ist eine andere: der Motorsport. Obwohl 1,90 Meter groß, zwängt er sich seit Jahren selbst gern in PS-Boliden. Er fährt Rennen, unterhält ein eigenes Rennteam und ist sogar an einem Rennkurs, dem Bilster Berg Drive Resort, beteiligt.

Dass all dies Millionen kostet, hat den Grafen nie abgeschreckt. Nur mit bestimmten ausufernden Nebenkosten mag er sich nicht anfreunden. Die Ausgaben für Rechtsberater und Strafverteidiger summierten sich in den vergangenen Jahren auf eine siebenstellige Summe.

Die Anfänge des Dramas reichen zurück ins Jahr 1993. Großbritannien zog nach der Wende einen Teil seiner Streitkräfte aus Deutschland ab, im Teutoburger Wald gab das Land ein Munitionsdepot auf. Das Gelände, nur wenige Kilometer vom Wohnort des Grafen im ostwestfälischen Bad Driburg entfernt, fiel an den Vorbesitzer. Da kam dem Grafen eine Idee. Das 85 Hektar große Areal um den Bilster Berg sollte Kulisse für seinen lang gehegten Traum werden: eine eigene Rennstrecke.

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    Vor dem ersten Grölen der Motoren lag allerdings ein Marathon der Überzeugungsarbeit. Das Bilster Berg Drive Resort sei das Ergebnis einer „Vision und hartnäckigen sowie langatmigen Vorarbeit Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpffs“, schreibt der Graf selbst auf seiner Webseite. Ohne seine Initiative hätte es die Rennstrecke mitten in der Natur nie gegeben.

    Es dauerte allerdings. 20 Jahre brauchte Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, um alle Hindernisse zu überwinden. Banken, die Geld geben wollten, begannen zu zögern. Dann kam die Weltfinanzkrise. Schließlich fand der Graf private Investoren, die mit ihm gemeinsam die Kosten von 34 Millionen Euro schulterten.

    Hässliche Schlagzeilen

    180 Gesellschafter beteiligten sich an dem Projekt, darunter viele Unternehmer aus der Region. Als das Geld da war, kamen die Klagen. Anwohner gründeten die Initiative „Ruhe am Bilster Berg“, Naturschützer warnten vor Umweltschäden.

    Im Sommer 2013 setzte sich der Graf trotzdem durch. 40.000 Motorsportfans kamen Anfang Juni, um den 4,2 Kilometer langen, zwischen bewaldeten Hügeln gewundenen Rundkurs zu bewundern. Eine Woche später feierte der Graf mit 1.400 Gästen aus nationaler und internationaler Wirtschaft, der Automobilindustrie, Politik und Adel die Eröffnung.

    Noch im selben Monat schaute Lewis Hamilton vorbei. „Die Strecke ist großartig“, schwärmte der Formel-1-Weltmeister nach einer Testfahrt. Im November erhielt das Bilster Berg Drive Resort den Preis als „Rennstrecke des Jahres“.

    Nur ein Jahr später war die Autofreude stark getrübt. Medien druckten hässliche Schlagzeilen. Der Graf soll falsch abgerechnet haben. Ein Sonderbericht beschrieb offenbar Leistungen, die bezahlt, aber nicht erbracht worden seien.

    Der Bilster Berg ist und bleibt mein Kind. Und seine Kinder gibt man auch nach schwieriger Geburt nicht auf. Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, Unternehmer

    Die Vorwürfe wurden ausgerechnet von dem Mann befeuert, den der Graf einst selbst ins Projekt holte: Hans-Jürgen von Glasenapp. Der kam 2006 vom Hockenheimring. Er kannte die Rennszene, sollte den Bilster Berg entwickeln und zum Erfolg führen. Der Graf war mit seiner Arbeit sehr zufrieden, ab 2010 arbeiteten sie Seite an Seite in der Geschäftsführung. Dann holte von Glasenapp einen technischen Projektsteuerer in die Firma: Hans-Joachim Pillich.

    Pillich beteiligte sich als Gesellschafter an der Bilster Berg Drive Resort GmbH & Co. KG und zog in ihren Beirat ein. Dort fiel ihm die Aufgabe zu, die Geschäftsführung zu überwachen. Pillich bildete gemeinsam mit von Glasenapp ein neues Machtzentrum am Bilster Berg. „Die beiden entwickelten unverzüglich eine enge Zusammenarbeit“, erinnert sich Oeynhausen-Sierstorpff und behauptet: „Von Glasenapp weitete den Vertrag mit Pillich eigenständig aus und verbarg zahlreiche weitere Aufträge an ihn.“ Dann wurde der Streit schlimmer.

    Pillich warf dem Grafen vor, er habe die Firma um 1,35 Millionen Euro geprellt. Die Summe sei für einen Vertrag über die „Gesamtprojektleitung und Projektsteuerung“ geflossen, dem nie eine Leistung folgte. Oeynhausen-Sierstorpff dementierte und hatte zuvor schon Pillich mit Haftungsansprüchen gedroht. Beide Seiten waren unversöhnlich. Der Streit ging vor Gericht. Der Graf verlor zuletzt vor dem Oberlandesgericht Hamm, jetzt liegt der Fall beim Bundesgerichtshof.

    Ein unerhörter Vorgang

    Der Graf weist die Vorwürfe zurück und geht in die Offensive. An seiner Seite: sein langjähriger Geschäftsfreund Heinz Schmersal. Der heute 73-Jährige führt ein Unternehmen für Medizintechnik mit 1.900 Mitarbeitern in Wuppertal. Schmersal, der sich selbst einen „rennverrückten Opa“ nennt, fährt noch immer 24-Stunden-Rennen. Die Idee seines Freundes, auf dem Bilster Berg eine Rennstrecke zu bauen, begeisterte ihn vom ersten Tag an. Dass man den Grafen aus seinem eigenen Traum drängte, findet Schmersal unerhört.

    Und so schlug er zurück. Schmersal stellte Strafanzeigen gegen von Glasenapp und Pillich – wegen angeblicher Veruntreuung. Die Staatsanwaltschaft sah aber keinen Anfangsverdacht. Mit allem dazugehörigen juristischen Hin und Her beschäftigt dies die Parteien seit Jahren. Jetzt versucht es Schmersal mit einem Klageerzwingungsverfahren. Das Oberlandesgericht Hamm solle die Staatsanwaltschaft Paderborn dazu verdonnern, gegen seine Gegner vorzugehen. Schmersal heuerte dafür den bekannten Verteidiger Gerhard Strate aus Hamburg an.

    Inzwischen haben Anwälte am Bilster Berg mehr Spaß als die Rennfreunde. Neben Strafrechtlern kommen Experten für Zivilrecht auf ihre Kosten. In Klageschriften führen sie Vorwürfe von Schmersal aus, von Glasenapp und Pillich würden in der Bilster Berg Gesellschaft übliche Compliance-Richtlinien missachten.

    Der Beiratsvorsitzende Pillich mache Geschäfte zulasten des Gesellschaftsvermögens, im Gegenzug bewillige er von Glasenapp jährlich Tantiemen, die ihm laut Geschäftsführervertrag nicht zustünden. Beide widersprechen. „Es gibt keine Compliance-Probleme im Unternehmen“, sagt von Glasenapp. Er verweist auf rechtliche Gutachten angesehener Kanzleien und die Erfolge bei Gericht. Auch die Mehrheit der Gesellschafter beschwere sich nicht.

    Trotzdem wird von Glasenapp seine Kritiker nicht los. „Wir beobachten die Sache sehr genau, das Gebaren von Herrn von Glasenapp betrachten wir sehr kritisch“, sagt etwa Lutz Leif Linden, Generalsekretär des Automobilklubs AvD, der selbst Anteile an der Stecke hält. „Es ist gut möglich, dass wir unser Engagement am Bilster Berg beenden.“

    Das freilich wäre eine Entwicklung, die eigentlich niemand will. Abschreiben will von Oeynhausen-Sierstorpff den Bilster Berg noch lange nicht. „Er ist und bleibt mein Kind“, sagt der Graf. „Und seine Kinder gibt man auch nach schwieriger Geburt nicht auf.“

    Mehr: Schlemmen in Schottland: Zum Lunch bei Prinz Charles

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