Textilkette: Unruhe bei Peek & Cloppenburg: Marcus Diekmann verlässt Geschäftsführung für Eigenmarken
Diekmann ist für seine unorthodoxen Managementmethoden bekannt.
Foto: Simon Thon.Düsseldorf. Der Digitalexperte Marcus Diekmann wird den Posten des Co-Geschäftsführers der P&C-Tochter für Eigenmarken, International Brands Company KG, aufgeben. Künftig wird Konstantin Kirchfeld den Geschäftsbereich allein leiten. Das teilte Peek & Cloppenburg Düsseldorf am Donnerstagmittag mit.
Damit ist der Versuch des Düsseldorfer Textilhändlers, das Eigenmarkengeschäft neu aufzustellen, bereits kurz nach dem Start gescheitert. Der Inhaber Patrick Cloppenburg hatte Diekmann persönlich für diese Aufgabe ins Unternehmen geholt und ihn zum Co-Geschäftsführer der P&C-Tochter IB Company gemacht, die sich um die Führung der Eigenmarken kümmert.
Diekmann sollte die umsatzstarken, aber weitgehend unbekannten Eigenmarken des Familienunternehmens wie Review, Jake*s und McNeal auch extern stärker vermarkten, zum Beispiel über den Onlineshop, Marktplätze oder Soziale Netzwerke. „Ich könnte mir vorstellen, auch Geschäft unter einer neuen Marke zu bündeln“, hatte Diekmann damals dem Handelsblatt gesagt.
Doch bereits kurz nach Diekmanns Start am 10. Januar formierte sich Widerstand gegen die Entscheidung des Inhabers. Unternehmenskreisen zufolge ist die Marketingabteilung von P&C nicht bereit gewesen, Kompetenzen an das Tochterunternehmen abzugeben.
Auch an anderen Stellen des Unternehmens sei die Einstellung Diekmanns auf Widerstand gestoßen. Diekmann ist für seine unorthodoxen Managementmethoden bekannt. So sollte der Manager den Job in Teilzeit ausüben, weil er noch zahlreichen anderen Beschäftigungen außerhalb des Unternehmens nachgeht.
Der Umsatz des Modehändlers war bereits vor der Pandemie rückläufig.
Foto: Peek & CloppenburgDiekmann ist Beirat beim Händler Rose Bikes, der einen Großteil seines Umsatzes online macht. Daneben ist er an Start-ups beteiligt, beispielsweise zusammen mit Fußball-Nationaltorhüter Manuel Neuer an dem Softwareunternehmen Votebase. Außerdem berät er Unternehmen bei der digitalen Transformation. Unter anderem hat er zuletzt die Jobplattform für Geflüchtete aus der Ukraine „Job Aid Ukraine“ gestartet.
Ambitionierte Pläne von Firmenchef Edgar Hert
Auch hatte Diekmann bereits vor seinem Start erklärt: „Wir wollen echte Konsumentenmarken aufbauen, und dafür brauchen wir auch eine ganz eigene Kultur im Team.“ Er gilt nicht als jemand, der starre Hierarchien akzeptiert, wie sie bei P&C in weiten Bereichen noch üblich sind. In seinen bisherigen Jobs hat er eine offene Führungskultur mit viel Eigenverantwortung der Mitarbeiter praktiziert.
Besonders heikel: Auch P&C-Geschäftsführer Edgar Hert war offenbar nicht bereit, Diekmanns neue Rolle im Unternehmen ohne Weiteres zu akzeptieren, heißt es in Unternehmenskreisen. Dabei gilt Hert als sehr enger Vertrauter von Patrick Cloppenburg. Cloppenburg hatte Hert vor vier Jahren vom Autohersteller Daimler zu P&C geholt und auch gegen interne Widerstände in eine sehr einflussreiche Rolle befördert.
Hert verantwortet bei P&C neben dem strategischen Einkauf auch das Onlinegeschäft. Gerade da sieht aber auch Diekmann seine Hauptkompetenz als Digitalexperte.
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In der offiziellen Mitteilung des Unternehmens heißt es, seit Diekmanns Start im Januar habe man die Situation analysiert, und nun sei entschieden worden, „die Exklusivmarken aus dem eigenen Unternehmen heraus weiter unter der Dachmarke Peek & Cloppenburg voranzutreiben und auf bestehende Ressourcen der Unternehmensgruppe in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Digital zurückzugreifen“. Marcus Diekmann unterstütze das Unternehmen aber noch bis mindestens Ende September bei den Marken Review und Jakes.
In einem Nachsatz lässt das Unternehmen Gründe anklingen: „Die Peek & Cloppenburg Unternehmensgruppe nutzt alle potenziellen Synergien und vorhandenen Ressourcen, um trotz der starken Umsatzeinbußen und wirtschaftlich schwierigen Situation, die aus der Coronapandemie resultieren, alle zukunftsgerichteten Initiativen vorantreiben zu können.“
Dabei sind die Pläne von Firmenchef Hert ambitioniert: Bis 2026 will er das Unternehmen zum „führenden Omnichannel-Multimarken-Händler“ machen. Im Jahr 2020 erwirtschaftete das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf und Wien etwas mehr als eine Milliarde Euro, 28 Prozent weniger als vor der Pandemie. Die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen habe bei minus 4,8 Prozent gelegen, der Verlust bei knapp 50 Millionen Euro.
Neue Personalchefin war wie Firmenchef Hert früher bei Daimler
Auch die Wiener Gesellschaft setzte 2020 mit 560 Millionen Euro rund 30 Prozent weniger um. Zur Düsseldorfer Gesellschaft zählen Deutschland, die Schweiz und Westeuropa, zur Wiener Gesellschaft Österreich und Osteuropa. Die Herrenbekleidungskette Anson’s gehört ebenfalls zur Unternehmensgruppe. Unter den Namen Fashion ID und „peek-cloppenburg.de“ betreibt der Konzern Onlineshops und mit Stylebop einen Onlinehandel im Luxussegment. Insgesamt betrage der Onlinehandel aktuell rund 15 Prozent des Umsatzes. P&C beschäftigt etwa 15.000 Mitarbeitende.
Der gesamte Modehandel ist noch immer von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Bei Peek & Cloppenburg war der Umsatz aber bereits vor der Pandemie im Jahr 2019 um 1,5 Prozent gesunken. Auch für 2021 rechnete das Unternehmen, das noch keine Zahlen für das vergangene Jahr herausgegeben hat, mit einem ähnlichen Rückgang wie 2020 gegenüber 2019.
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In der Modebranche steht das Thema Nachhaltigkeit weit oben auf der Agenda, passiert ist allerdings bisher wenig. Auch P&C will sich dabei weiter engagieren, hat aber bislang dazu noch keine Ziele kommuniziert.
Zuletzt hat das Unternehmen Carolin Schwarz als Personal- und Kommunikationschefin bei P&C verpflichtet. Die 46-Jährige ist Anfang April bei P&C eingestiegen. Schwarz war wie Firmenchef Hert früher beim Autohersteller Daimler unter anderem für Transformations- und Nachhaltigkeitsthemen verantwortlich, zuletzt als Direktorin Integritätsmanagement. Danach war sie als Managementberaterin und als Dozentin für Nachhaltigkeitsthemen an der ESB Business School in Reutlingen tätig.