Zinsskandal
Bafin entlastet Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain

Wusste Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain von der Manipulation des Zinssatzes Libor? Nach zweijähriger Prüfung urteilt die Bafin-Finanzaufsicht: Nein. Das geht aus einem Abschlussbericht hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.
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FrankfurtAm Ende steht ein Freispruch erster Klasse: Die Finanzaufsicht Bafin will Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain vom Vorwurf der Mitwisserschaft im Libor-Zinsskandal freisprechen, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Die Bafin komme nach zweijähriger Prüfung in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass es keine Belege dafür gebe, dass Vorstände der Deutschen Bank an Zinsmanipulationen beteiligt waren oder von ihnen wussten. Die Bafin werde daher keine schwerwiegenden Maßnahmen ergreifen, etwa die Abberufung Jains von seinem Posten.

In Finanzkreisen hieß es, der Abschlussbericht der Bafin werde wohl Anfang 2015 kommen. Zuletzt habe es auch keine neuen Erkenntnisse in der Sache gegeben. Im Sommer war davon die Rede gewesen, dass die Bafin nichts Belastendes gegen das Management gefunden habe.

Das Aufatmen in der Führungsetage der Zwillingstürme ist fast hörbar, auch wenn das Institut öffentlich keine Stellung nehmen möchte. Immerhin war es Jain, der in London das Investmentbanking leitete - und damit den Bereich der Bank, in dem beim Libor getrickst worden war. Weltweit gingen Prüfer dem Verdacht nach, dass einzelne Händler von Großbanken an Referenzzinsen wie Libor und Euribor geschraubt haben, um Handelsgewinne einzustreichen.

Wie ein Damoklesschwert schwebten die Ermittlungen über dem Kopf von Jain, der das Institut seit Juni 2012 gemeinsam mit Jürgen Fitschen leitet. Durch die Ermittlungen gegen die Führungsetage schien der vielbeschworene Kulturwandel kaum noch glaubhaft zu vermitteln zu sein.

Doch mit seinem Freispruch kann Jain wieder aus einer Position der Stärke agieren. In der Doppelspitze mit Jürgen Fitschen könnte er nun sogar der entscheidende Mann sein. 2017 läuft der Vertrag von Fitschen aus - spätestens ein Jahr vorher wird darüber diskutiert werden, ob Jain die Bank auch alleine führen könnte.

Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner kann den Freispruch als persönlichen Erfolg verbuchen. Er war es, der bereits im Sommer 2012 verkündet hatte, „dass von den jetzigen und früheren Vorstandsmitgliedern keiner“ in den Libor-Skandal verwickelt sei. Das Geldinstitut hatte Millionen von E-Mails durchforstet, ohne auf Verdachtsmomente zu stoßen, wonach das Topmanagement in den Skandal verwickelt sein könnte. Aber den Aufsehern der Bafin reichte das nicht. Sie startete eine Sonderprüfung, die nun mit dem Freispruch endete.

Kommentare zu " Zinsskandal: Bafin entlastet Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain"

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  • Manche Meldungen mag ich einfach nicht mehr glauben, dafür war ich selbst zu lange in diesem Geschäft. Da hat z.B. ein Devisenhändler der DB im Jahre 2008 alleine an Bonuszahlungen vom Hause 80 Millionen Euro genehmigt bekommen - und die Zusammensetzung der Boni hat den Chef der Abteilung selbst bei dieser Höhe nicht interessiert? Das mag glauben wer will. Entweder konnten die Angestellten unter Jain machen was sie wollten - dann war Jain ein verantwortungsloser Chef - oder er wollte es nicht wissen. Und Vorgesetzte wissen in der Regel sehr gut Bescheid, was in ihren Abteilungen läuft, schließlich müssen sie für Handlungen ihrer Mitarbeiter den Kopf hinhalten. Aber wie ich sehe, bestätigt auch hier die Ausnahme die Regel.

  • Wieso sollte denn Anshu dafür verantwortlich sein ? Er hat ja nicht selber gehandelt. Und wie Handelserträge zustande kommen, interessiert einen Vorstand letztendlich nicht. Der hat etwas besseres mit seiner Zeit anzufangen, als sich mit sowas zu beschäftigen. Wenn überhaupt, dann sind nur die betroffenen Händler (um den eigenen Bonus hochzuschrauben) und der Chefhändler der Einheit zur Verantwortung zu ziehen.

    Ich sage das als langjähriger Händler des Handelstisch für Derivate bei der Deutschen Bank, der sowohl Anshu als auch Joe persönlich sehr viel zu verdanken hat. Da sie mich seinerzeit überzeugt hatten zu diesem Haus zu wechseln. Das ist eine Aufgabe eines Vorstandes. Topleute zu rekrutieren und zu motivieren, und mit ihnen die Abfindung auszuhandeln wenn sie ihr eigenes Baby machen wollen.

    Nie wurde ich angehalten, illegale oder geschäftsschädigende Geschäfte zu machen. Sondern einfach nur schneller, besser und cleverer zu sein als andere. Punkt.


    Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.

    Ralph
    Investmentbanker (CFA)
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading

  • für mich als Aktionär der Deutschen Bank bedeutet die Feststellung der Bafin das der Inder jahrelang nur darauf bedacht war möglichst hohe Gewinne zu erwitschaften(was für Ihn hohe Boni bedeutet) ohne darüber nachzudenken mit welchen Betrügereien sein ehemaliger Geschäftsbereich arbeitet.

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