Zinsskandal: Bafin entlastet Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain
Doppelspitze im Glück: Die Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain können aufatmen.
Foto: dpaFrankfurt. Am Ende steht ein Freispruch erster Klasse: Die Finanzaufsicht Bafin will Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain vom Vorwurf der Mitwisserschaft im Libor-Zinsskandal freisprechen, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Die Bafin komme nach zweijähriger Prüfung in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass es keine Belege dafür gebe, dass Vorstände der Deutschen Bank an Zinsmanipulationen beteiligt waren oder von ihnen wussten. Die Bafin werde daher keine schwerwiegenden Maßnahmen ergreifen, etwa die Abberufung Jains von seinem Posten.
In Finanzkreisen hieß es, der Abschlussbericht der Bafin werde wohl Anfang 2015 kommen. Zuletzt habe es auch keine neuen Erkenntnisse in der Sache gegeben. Im Sommer war davon die Rede gewesen, dass die Bafin nichts Belastendes gegen das Management gefunden habe.
Das Aufatmen in der Führungsetage der Zwillingstürme ist fast hörbar, auch wenn das Institut öffentlich keine Stellung nehmen möchte. Immerhin war es Jain, der in London das Investmentbanking leitete - und damit den Bereich der Bank, in dem beim Libor getrickst worden war. Weltweit gingen Prüfer dem Verdacht nach, dass einzelne Händler von Großbanken an Referenzzinsen wie Libor und Euribor geschraubt haben, um Handelsgewinne einzustreichen.
Wie ein Damoklesschwert schwebten die Ermittlungen über dem Kopf von Jain, der das Institut seit Juni 2012 gemeinsam mit Jürgen Fitschen leitet. Durch die Ermittlungen gegen die Führungsetage schien der vielbeschworene Kulturwandel kaum noch glaubhaft zu vermitteln zu sein.
Doch mit seinem Freispruch kann Jain wieder aus einer Position der Stärke agieren. In der Doppelspitze mit Jürgen Fitschen könnte er nun sogar der entscheidende Mann sein. 2017 läuft der Vertrag von Fitschen aus - spätestens ein Jahr vorher wird darüber diskutiert werden, ob Jain die Bank auch alleine führen könnte.
Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner kann den Freispruch als persönlichen Erfolg verbuchen. Er war es, der bereits im Sommer 2012 verkündet hatte, „dass von den jetzigen und früheren Vorstandsmitgliedern keiner“ in den Libor-Skandal verwickelt sei. Das Geldinstitut hatte Millionen von E-Mails durchforstet, ohne auf Verdachtsmomente zu stoßen, wonach das Topmanagement in den Skandal verwickelt sein könnte. Aber den Aufsehern der Bafin reichte das nicht. Sie startete eine Sonderprüfung, die nun mit dem Freispruch endete.