Trendviertel 2012
Erfurt - Landlust in der Stadt

Seit Jahren klettert Erfurts Einwohnerzahl nach oben. Das sorgt für steigende Miet- und Immobilienpreise in der Landeshauptstadt. Dennoch gilt für Anleger: Die Lage ist entscheidend. Gefragt sind die Innenstadtviertel.
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Stephan Höfig ist begeistert von der Erfurter Altstadt. "Man geht am Wasser spazieren und denkt, man sei auf dem Dorf. Und am Samstag trinkt man auf dem Wenigemarkt Kaffee." Das sei Lebensqualität, die auch den Immobilienmarkt der Stadt präge, sagt Höfig, der das Erfurter Büro des Maklernetzwerks Remax leitet: "Die Schönheit einer Stadt ist ein wichtiger weicher Standortfaktor."

Dazu kommen die harten Fakten. Seit Jahren gewinnt die Erfurter Altstadt Einwohner - fast 30 Prozent seit dem Jahr 2000. Auch nach den Zahlen von Immobilienscout24 ist die Altstadt der attraktivste Ortsteil überhaupt. Um zwölf Prozent legte im vergangenen Jahr der Durchschnittspreis der über das Onlineportal angebotenen Eigentumswohnungen zu. Mietwohnungen verteuerten sich um acht Prozent. Und auch die unsanierten Gebäude und Brachflächen, die vor wenigen Jahren noch unübersehbar waren, sind deutlich weniger geworden.

Der Aufschwung der thüringischen Landeshauptstadt beschränkt sich aber nicht auf die Altstadt. "Der Wohnungsleerstand ist seit 2005 von 10,7 auf 6,7 Prozent zurückgegangen", erklärt Uwe Spangenberg, der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Umwelt. Zurückzuführen ist das hauptsächlich darauf, dass Erfurt entgegen früherer Prognosen wieder wächst. 203.000 Einwohner zählt die Stadt derzeit, was allerdings fast 20.000 weniger sind als zur Zeit der Wende. Menschen zieht Erfurt nicht nur wegen seiner Schönheit an, sondern auch wegen seiner für ostdeutsche Verhältnisse starken Wirtschaft. 50.000 Arbeitskräfte pendeln täglich in die Stadt, und gerade errichtet der Onlinehändler Zalando ein Logistikzentrum, das bis zu 2.000 Arbeitsplätze bieten wird.

Diese Arbeitskräfte brauchen Wohnraum. "Dabei geht der Trend in die guten Lagen der Innenstadt", sagt Bernd Kellner, Geschäftsführer des Bauträgers Anhöck & Kellner. Darunter verstehen die Erfurter außer der Altstadt vor allem die Ortsteile im Süden des Zentrums: besonders die auch als Erfurt-Süd bezeichnete Löbervorstadt mit dem Dichterviertel.

"Jeder, der es sich leisten kann, will dort wohnen", stellt Stefan Brendel fest. "Nur kommen dort kaum Wohnungen auf den Markt." Der Geschäftsführer der Projektentwicklungsfirma Ariane erkannte die Marktlücke und erwarb ein ehemaliges Rechenzentrum der Reichsbahn an der Geibelstraße, das er nun zu luxuriösen Wohnungen umbaut. Während er die ersten Einheiten des Projekts namens Lola noch ab 2.200 Euro pro Quadratmeter verkauft hat, gibt es "mittlerweile nichts mehr unter 3.400 Euro pro Quadratmeter". Gar 5.800 Euro pro Quadratmeter kostet die Penthouse-Wohnung des Projekts. Dass diese noch zu haben ist, liegt laut Brendel nicht am Preis, sondern daran, dass sie den bisherigen Interessenten mit 112 Quadratmetern zu klein war.

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