Japan
Datenleck bei Hello Kitty

Tausende Fans von „Hello Kitty“ und Aktionäre des japanischen Unternehmens Sanrio haben Grund zur Sorge. Ihre Kontaktdaten sind auf noch unbekannten Wegen aus einem speziellen Treueclub auf dem Adressmarkt gelandet.
  • 0

Tokio„Hello Kitty“ soll Kunden und Investoren Freude bringen – so lautet der Anspruch des japanischen Designunternehmens Sanrio, das die Kätzchenfigur erfunden hat. Für seine Aktionäre hat das Unternehmen sich daher neben Gewinn und Dividende den „Sanrio Aktionärs-Treuepunkte-Club“ ausgedacht, durch den Anleger unter anderem rabattierte Tickets für Sanrios Freizeitparks erhalten können. Doch ausgerechnet diese Motivationsübung für die Fans des süßen Katzenswesens bereitet dem Unternehmen große Kopfschmerzen. Denn möglicherweise sind persönliche Daten der 6249 Clubmitglieder durchgeleckt.

Dabei könnte es sich um Namen, Adressen und Telefonnummern der Anleger handeln, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Verdacht kam auf, nachdem Aktionäre ungefragt von einer anderen Firma Anlagevorschläge erhalten hatten. Sanrio entschuldigte sich daher für Ungemach und Sorgen, die dadurch den Mitgliedern entstanden sind – und schloss bis auf weiteres den Katzenfanclub.

Der Fall unterstreicht ein weiteres Mal die Probleme von Firmen, vertrauliche Informationen unter Verschluss zu halten. Das ist natürlich ein globales Problem. Aber ausgerechnet im vermeintlich hochentwickelten Japan haben zuletzt große Datenlecks die Öffentlichkeit in Atem gehalten. Sony hatte in den vergangenen Jahren unter mehreren Hackerangriffe zu erleiden. Doch am größten ist die Ähnlichkeit zu einem Skandal aus dem Jahr 2014 beim Lehrmaterialhersteller Benesse. Denn wie damals ist ein externer Dienstleister für den Datenweitergabe verantwortlich.

Sanrio hatte das Management des Internet-Clubs an die Firma Investor Networks abgegeben. Wie genau die Daten ihren Weg von dort in den florierenden Markt für Adressen fanden, steht noch nicht fest. Sanrio verspricht daher bisher nur, ein neues System aufzubauen, das entweder Hacks oder den Zugang zu persönlichen Daten erschwert.

In Benesses Fall waren nicht etwa besonders trickreiche Hacker verantwortlich. Stattdessen hatte ein Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma, der in dem Dienstleister arbeitete, die Dateien kopiert und anschließend verhökert. Zum Glück für Sanrio ist die Zahl der Betroffenen gering. Bei Sony und Benesse waren Millionen Kunden betroffen.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

Kommentare zu " Japan: Datenleck bei Hello Kitty"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%