Überhöhte Rechnungen Die Tricks der Steuerberater

Insider bemerken eine Zunahme von Beschwerden über Steuerberater-Rechnungen. Schwarze Schafe rechnen schon mal 25.000 Euro zu Unrecht ab. Wie Berater abkassieren und Mandanten sich dagegen wehren können.
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Steuererklärung: Die Rechnungen von Steuerberatern sorgen häufig für Streit. Quelle: dpa

Steuererklärung: Die Rechnungen von Steuerberatern sorgen häufig für Streit.

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Ibiza ist eine tolle Insel. Und wer da mal Urlaub machte, denkt schnell darüber nach, ob er dort nicht eine Immobilie kauft. In der Praxis ist solch ein Kauf aber kompliziert. Vor allem die steuerlichen Aspekte sollten seriös geklärt werden.

Also fragte eine geneigte Interessentin bei ihrem Steuerberater in Dortmund nach, wie das Ferienhäuschen zu versteuern sei. Die Antwort kam auf Papier und war recht allgemein gehalten. Wesentlich konkreter war dagegen die Rechnung, die dann folgte. Die Anfrage ins Blaue kostete stolze 470 Euro. Drei Stunden Arbeit a 125 Euro plus Steuern und noch andere Gebühren.

Eine Suche bei Google kam schnell zu besseren Ergebnissen. Die Betroffene ärgerte sich über die Rechnung und schrieb eine E-Mail an die Dortmunder Kanzlei. Die Replik ließ nicht lange auf sich warten. Es kam ein Brief mit folgendem Text: „Anliegend eine kleine Aufmerksamkeit, um den Ärger schneller zu vergessen“. Die Aufmerksamkeit bestand aber nicht in einem deutlichen Abschlag von der Rechnung, sondern in einem Blumengutschein über 20 Euro.

Darf ein Steuerberater dürftige Informationen zu Hochpreisen abrechnen? Es kann sich für Mandanten durchaus lohnen die Rechnungen ihrer Beratern unter die Lupe zu nehmen. Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter aus Delmenhorst ist unter anderen auf Streitigkeiten zwischen Mandanten und Steuerberatern spezialisiert und bestätigt aus ihrer Erfahrung: „Ich würde schon sagen, dass Beschwerden über Steuerberater-Rechnungen, im Übrigen ebenso wie Beschwerden über Kostennoten von Rechtsanwälten, in den letzten Jahren zugenommen haben“. Doch liegt das nicht allein daran, dass es Zunahme unrechtmäßiger Honorarabrechnungen gibt. Oft sind solche Gebühren-Beschwerden ein beliebter Versuch von Mandanten, sich vor der Zahlung des Honorars zu drücken.

Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer sieht es so: „Steuerberater werden nicht maßloser. Das zeigt die relativ geringe Zahl von Gebührenstreitigkeiten. Komplett falsche Rechnungen sind sehr selten“. Sie weist auf eine häufige Quelle für Kontroversen hin: Dies sind Aufträge ohne Preisabsprachen. Sie empfiehlt, dass jeweils vorab Honorarfragen, eventuell auch Auftragserweiterungen oder -kürzungen geklärt werden sollten. Im mittlerweile gestiegenen Wettbewerbsdruck sei es für Steuerberater immens wichtig, qualitativ hochwertige Serviceleistungen anzubieten. Darin inbegriffen sei auch eine fehlerfreie Rechnungslegung.

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16 Kommentare zu "Überhöhte Rechnungen: Die Tricks der Steuerberater"

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  • Mitbuerger, Grüße von Rumpelstilzchen.
    Genauso erledige ich meine Steuererklärung auch und bin damit ebenfalls immer gut gefahren.
    Leute, die einen Steuerberater aufsuchen, wollen nur ihre "Vorteile" und sind dann im Ergebis beleidigt, wenn das Finanzamt ihnen auf die Schliche kommt und der Steuerberate darüber hinaus ein saftiges Honorar fordert.

  • Aha - wie kommt jemand dazu seinen Steuerberater zu fragen wie er das steuerlich verwerten kann? Entweder halte ich die Immobilie eh über eine spanische SL (was beim Weiterkauf erhebliche Vereinfachung darstellt) und "versteuere" in Spanien (die brauchen das Geld ja jetzt) - oder ich reiche das eben einfach mit ein beim Steuerberater, da ich diesen Grundbesitz dem FA ja mit angeben will oder werde. Dann soll der Steuerberater das Optimale draus machen (dazu muß man ihn allerdings leider zu oft auffordern !!) - ansonsten hat er ja normalerweise ein Haftpflichtversicherung im Schadenfall oder bei Falschberatung. Was von Mandanten viel zu selten in Anspruch genommen wird.

  • Wir haben das Blatt abbestellt. Gut getan. Wer als Verleger seine Stammkundschaft von freien Mitarbeitern pauschal beleidigen lässt, bestellt seinen Misserfolg.

  • Das war doch man wieder ein schöner Pari-Fari-Artikel, bei dem zwei Personen genannt sind - vermutlich abreiten die auf eine Professur hin - ich die Qualität des Artikels.... 6 setzen. Beim nächsten mal was besseres ausdenken, insbesondere die Beispiele waren ja echt übel !

  • eine kollegin (in rente, fallweise psycholog. beratungen) zahlt bei ihrem steuerberater jährlich i.d.r. etwa 700 euro! das finde ich persönlich nicht gerechtfertigt für relativ geringen aufwand. mein rat generell (auch an diese kollegin), sie möge doch ein gutes pc-steuerprogramm (um die 30 euro) nutzen. zugegeben, bei erstmaliger nutzung hat man schon zu kämpfen, das kostet schon - auch bei einfachen erklärungen - möglicherweise einen ganzen tag oder länger für installation und einstieg. ich verwende schon seit den 90-iger jahren den pc dafür. wenn man aber diverse wertpapiere bei verschiedenen banken und/oder wohnungsvermietungen der betriebspension etc. hat, wirds schon happig. noch unangenehmer ist es natürlich, wenn man im rollstuhl sitzt aus altersgründen. alte leute werden überall derbleckt, warum sollte es bei der steuer/steuerberater anders sein!
    zum schluß ein schmankerl aus meiner tätigkeit als "hobby-steuer-experte": in den 90-iger jahren habe ich eruiert, daß unter dem punkt vorsorgeaufwendungen der vorwegabzug (6000 dm) bei firmenpensionen gemindert wurde, obwohl die ehemalige firma bei vorzeitigem auscheiden meist nur eine firmenpension gezahlt hat, aber keine sozialleistungen mehr entrichtet hat. das habe ich beim finanzamt münchen, oberfinanzdirektion münchen und finanzministerium moniert: keine sinnvolle reaktion außer balbla! wahnsinn! dadurch sind in etwa 20-30 jahren viele firmenpensionsbezieher (von mir geschätzt) um etwa 50-100 mio. dm derbleckt worden. hinweis: bei mir als hobby-steuermann haben sich diverse geprüfte (!!) steuerberater erkundigt, wie es geht, daß der vorwegabzug eben nicht gemindert wird! dieser fall ist aus meiner sicht mölicherweise kein einzelthema, warum auch! hinweis: ich war privat immer ein unterstützer von herrn kirchhof für steuervereinfachung! ehemalige kollegen sehen mich als experten, was ich nun wirklich nicht bin!

  • Absolut einverstanden! Wird nach meinem Kenntnisstand auch immer in der Praxis bei großen Mandaten gemacht. Im übrigen: Zum Teil rechtfertigen sich daher bei gr. Kanzleien Stundensätze von bis 500 EUR. Die bearbeiten zum Teil Milliardendeals, dies würde nach dem Gesetz kaum abrechenbar sein, obgleich es mittlerweile eine Deckelung der Geschäftswerte gibt (30 Mio). Aber in der Praxis der kleineren Kanzleien können Aufträge nicht abgelehnt werden. Dort hofft man gerade, dass man eine kleine Sache für den Mandanten erledigt und dafür dann auch mal eine große Sache bekommt, so rechnet sich das insgesamt. Bei Mandanten würde ich es persönlich fair finden, wenn man sich offen auf einen Stundensatz einigt, der dann aber bei allen Mandaten bezahlt wird, egal wie groß. Die Abrechnung nach Geschäftswert ist m.E sowohl für den Berater,als auch für den RA nicht befriedigend. Darüberhinaus bin ich aber dafür, dass das Honorar frei vereinbart werden kann, mit allen Spielarten und damit auch das Erfolgshonorar nach US Beispiel. Die derzeitige Möglichkeit ist viel zu eng und zu unsicher für den Berater. Und wichtig imm reden, reden, reden. Jedes Geschäft und das gilt nicht nur für den Beraterbereich, muss für beide Seiten interessant sein!

  • Der Staat kennt keine Tricks: Verordnungen, Ausführungsverordnungen Unterausführungsverordnungen.

    Der Staat sind wir und nicht diese Beamten.

    Und zu Staat reicht es nicht, kleine Zöllner mit Schraubenzählen zu befassen, wie in einem Schimpansenprogramm.

    Staat und Staatsbürger.

    Derzeit noch gilt Staat, Diener und Knecht.

    Das reicht einfach nicht zur Demokratie.

  • Dagoli,
    als unser Steuerberater erfahren hat, wir machen den Laden dicht, hat er seine Gebühren erhöht. Er begründete es damit: "Er könne es nach eigenem Ermessen, wie ein Anwalt." Es gäbe da so Sätze, Höchstsätze, etc. Das war kein feiner Zug von ihm, ich wünsche ihm trotzdem heute alles Gute. Gerade wenn man vor der Pleite ist, benötigt man jeden Cent. Er dachte sich wohl, na gut, wenn ich die bald nicht mehr habe, dann noch mal richtig kassieren.

  • Die Leute sind auch naiv. Viele Fragen erst hinterher nach den Kosten. Ob dies Steuerberater, Automechaniker, Handwerker ( auch Zahnaerzte ;) ), Schluesseldienste oder was auch immer sind.

    Unlaengst habe ich bei mehreren Notaren mal Gebuehren fuer eine notarielle Handlung abgefragt. Die Differenz war das Dreissigfache fuer die gleiche Leistung. Die einen Notare richteten sich nach dem Wert der Vertragsgegenstandes, die anderen verrechneten eine Aufwandsgebuehr nach Zeit - was in diesem Falle ungleich billiger war.

  • Ede, völlig ok, aber man kann einen Auftrag auch ablehnen. Wenn ich grössere Aufträge vergebe, bin ich nicht bereit, die kleinen Anderer mitzufinanzieren.
    Festgelegte Leistung und Festpreis sind akzeptabel, oder?

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