Kommentar
Warum sich Bernie Ecclestone freikaufen darf

Die Armen hängt man, die Reichen lässt man laufen? Der Satz ist falsch. Und er wird auch nach dem nun erzielten 100-Millionen-Dollar-Vergleich im Fall Ecclestone nicht richtiger.
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DüsseldorfIch weiß schon, was heute Abend bei Ihnen Tischgespräch ist. Sie werden darüber reden, dass es eine neue Gleichung gibt vor unseren Gerichten. Sie heißt: Schuldig + reich = unschuldig. Bernie Ecclestone, der Formel-Eins-Boss, wendet sie gerade an. 75 Millionen Euro, umgerechnet 100 Millionen Dollar, zahlt er dem Staat dafür an, dass beim Handel mit Formel-Eins-Anteilen zwischen ihm und der Bayerischen Landesbank nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen ist.  Ist das schon wieder eine Form modernen Ablasshandels?

Meine Antwort: Ja – es ist ein Ablasshandel, aber ja – er hat seine Berechtigung. In den vergangenen Verhandlungswochen ist es den Staatsanwälten nämlich nicht gelungen, Ecclestone zweifelsfrei nachzuweisen, dass er Bestechungsgeld ausgegeben hat, um zum Ziel zu kommen. Die Richter haben es mit einem 83-jährigen Fuchs zu tun, dessen Anwälte mit allen Wassern gewaschen sind.

Zweifel am Maß seiner Schuld, das hohe Alter des Angeklagten – all das würde nach deutscher Rechtsprechung dazu führen, dass am Ende eines ordentlichen Verfahrens eine Geldbuße steht, die vielleicht durch eine zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe ergänzt wird.

Das allerdings wäre doppelt unbefriedigend: Ecclestone träfe die Bewährung nicht. In seiner Branche gilt so etwas eher als Ritterschlag. Und die Geldstrafe würde womöglich niedriger ausfallen, als das, was er jetzt bereit ist zu zahlen. 

Das Ergebnis des Deals von heute ist da besser. Es lautet: Ecclestone bekennt seine Schuld. Das Gericht öffnet ihm aber eine Tür, um diese Schuld zu tilgen. 100 Millionen Dollar kostet dieser Weg. Juristisch geht der Ablasshandel damit völlig in Ordnung. Wir sollten unsere Aufregung heute Abend bei Tisch darüber zügeln.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Warum sich Bernie Ecclestone freikaufen darf"

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  • Was reden Sie da? Bei Horst Mahler hat "Heil Hitler" für de facto lebenslang gereicht.

    'geht es eigentlich gar nicht um Recht sondern um Rache. Das ist leider ein Trend dieser Zeit, dass viele Zeitgenossen das verwechseln.'

    Ich weiß nicht in welcher Zeit sie leben, aber PRÄVENTION und ABSCHRECKUNG sind eben nicht mehr existent. Zumindest gelten sie nur noch für Deutsche, sofern sie nicht betucht sind oder eine Loge angehören, während man als Ausländer inzwischen sogar deutsche tottreten kann, oder Frauen vergewaltigen kann und man bleibt auf freiem Fuß.
    Wenn es so wäre, wie sie sagen, dann wären unsere Häuser und Straßen sicher. Stattdessen bleiben schon mal die Züge stehen, weil sich kulturelle "Bereicherer" wieder mal irgendwo bedient haben, weil sie die "Rache" der deutschen Justiz so fürchten...

  • @ Monika Eichner

    "Vermutlich hätte er sich dem Vollzug entzogen. Bei seinem Vermögen dürfte das kein Problem sein."

    Das ist der beste Beweis für "die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen".

    Es geht bei den vorangegangenen Kommentaren nicht um Rache, sondern um Recht. Man muß sich fragen, ob diese Deals grundsätzlich im Starrecht verankert sein sollten. Denn bei einer Schuld gibt es mindestens eine Geldstrafe, bei keiner Schuld einen Freispruch.
    Und wenn die Justiz entweder zu faul oder nicht in der Lage ist, Prozesse zuende zu führen, kann man das Rechts(UN?)wesen ohnehin vergessen.

  • @Monika Eichner

    Gestern der Kommentar in den Tagesthemen (sinngemäß):

    Selbst wenn, wie im Fall Ecclestone, nur der Eindruck entsteht, daß man sich Freikaufen kann, ist das fatal für einen Rehtsstaat. Sinnvoller wäre es, den Prozeß bis zu einem Urteil (Freispruch oder Stafe) weiterzuführen.

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