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Deutsche TelekomNeue Zentrale für den Hacker-Abwehrkampf

Die Telekom eröffnet am Donnerstag ihr neues Cybersicherheits-Zentrum. Ein Ort des Beobachtens, Zeigens – und manchmal auch der Sorge. Das Handelsblatt hat es sich exklusiv vorab angesehen.Ina Karabasz 26.10.2017 - 08:00 Uhr Artikel anhören

Zehn IT-Spezialisten überwachen hier rund um die Uhr weltweite Hackerangriffe.

Foto: Ina Karabasz

Bonn. Manchmal scheint die Realität einem Fernsehfilm erstaunlich nah zu kommen: In den nahezu kreisrunden Raum dringt kaum Tageslicht. An drei Reihen Tischen sitzen Cybersicherheitsexperten. Auf ihren Computerbildschirmen beobachten sie, wie Angreifer versuchen, die Sicherheitswälle der Systeme zu überwinden. Beim kleinsten Anzeichen eines Durchbruchs müssen sie sofort reagieren.

Um sie herum schieben Projektionen von abstrakten Formen in der Telekom-Farbe Magenta und stark vergrößerte Statistiken zu Angriffsversuchen über die Wände. Die Tische sind auf eine Wandseite ausgerichtet, an der 21 Bildschirme neben- und übereinander hängen. Mehrere bilden eine große Weltkarte ab, auf der kontinuierlich Pfeile anzeigen, aus welche Länder andere angreifen.

Andere Bildschirme zeigen, wie viele Attacken auf die eigenen Systeme gerade durchgeführt werden, ob in sozialen Medien gerade über eine neue Angriffsart getwittert wird, wo die Krisenherde der Welt sind. Auf einem anderen laufen Nachrichten. An einer Seite des Raumes steht ein Konferenztisch vor einem weiteren Bildschirm, über den im Angriffsfall Live-Schalten geführt werden können. Wenn es sein muss, auch mit dem Kanzleramt.

Die Szene zeigt unausgesprochen: Das Netz und die IT-Systeme werden ständig angegriffen und müssen aufwendig verteidigt werden, sonst droht Gefahr. Und dennoch zeigt Dirk Backofen, Leiter Telekom Security, nun noch eine Videoinstallation auf der großen Wandfläche. „Wir bilden die Armee der Guten“, steht nun in großen Lettern dort. Oder „Wir verbinden Konnektivität mit Security.“ Wer die Bedrohungslage bis dahin nicht verstanden hat, dem wird sie nun mit Surround-Sound verdeutlicht. Der Raum sei eben nicht nur Herzstück des neuen Security Operations Centers (SOC), der Hacker-Abwehrzentrale der Telekom, sagt Backofen, der Raum diene auch dazu, Kunden von der Notwendigkeit einer wirkungsvollen IT-Sicherheitsstrategie zu überzeugen.

Telekom-Chef Höttges in der Nahaufnahme

„Sehen Sie, ich bin nicht mehr der Böse“

Heute wird das neue SOC in Bonn von Konzernchef Timotheus Höttges offiziell eröffnet. Cybersicherheit ist eines der strategischen Wachstumsfelder der Deutschen Telekom. Im Januar hat der Konzern 1.200 hauseigenen Spezialisten im neuen Bereich Telekom Security gebündelt. „Wir haben viel Erfahrung mit dem Schutz unserer eigenen Systeme“, erklärt Thomas Tschersich, langjähriger Sicherheitschef der Telekom und Chef des operativen Geschäfts. Dieses Wissen will die Telekom nun stärker auch an Kunden verkaufen.

Die Nachfrage scheint vorhanden. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom im Auftrag des IT-Sicherheitsanbieters F-Secure aus dem Oktober dieses Jahres halten 61 Prozent der Unternehmen das Risiko, Opfer von Hackern oder Cyberkriminellen zu werden, für sehr groß. Der Studie zufolge wurden zudem zwei Drittel von ihnen in den vergangenen zwölf Monaten bereits Opfer von mindestens einem Cyberangriff. Das Marktforschungsunternehmen Gartner geht davon aus, dass die weltweiten Ausgaben für IT-Sicherheit in diesem Jahr um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen werden – auf 90 Milliarden Dollar.

Rund dreißig Kunden hat der Bereich derzeit, etwa die Hälfte sind Dax-Konzerne, die andere Hälfte sind große Mittelständler. „Wir bieten auch für kleinere Unternehmen Sicherheitslösungen an“, sagt Tschersich, „aber die sehen anders aus, als bei großen Konzernen.“ Dort würde etwa deutlich weniger Personal für die Absicherung benötigt. Was die Betreuung der IT-Sicherheit durch die Telekom kostet, will er nicht genau sagen. Das komme immer darauf an, wie viel Aufwand entstehe, sagt er. In der Regel handele es sich aber um einen fünf- bis siebenstelligen Betrag für einen Vertrag über drei bis fünf Jahre, je nach Größe der Kunden.

Neu im Kreis der Telekom-Sicherheits-Kunden ist nun auch der Gase-Anbieter Linde, wie Backofen stolz erklärt. Überhaupt einen Kundennamen nennen zu können, ist ungewöhnlich. Die meisten Unternehmen sprechen nicht gerne über das Thema IT-Sicherheit, auch aus Angst, Angriffe zu provozieren.

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Sechs Millionen Angriffe auf ihre 2.000 sogenannten Honeypots im Jahr registriert die Telekom am Tag. Dabei handelt es sich um vermeintlich schlecht geschützte Systeme im Netz, die Angreifer anlocken sollen, damit die Telekom ihre Angriffswege studieren kann. Der Bildschirm im neuen SOC der Telekom zeigt an: In der letzten Minute waren es 176.

Zehn Mitarbeiter der Telekom beobachten diese Angriffe nun in dem runden Raum im Schichtbetrieb, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Wenn ein Angriff losgeht, sehen sie ihn hoffentlich als erstes und setzten Abwehrmechanismen in Gang. Damit sie trotz aller Dramaturgie nicht immer im Dunkeln arbeiten müssen, kann die Wand sich öffnen und Tageslicht hereinlassen. Nur wenn die Kunden kommen, muss es dunkel für die Videoinstallation sein.

Einen einstelligen Millionenbetrag hat die Telekom der Umbau des alten 60er-Jahre-Fernmeldeamts in Bonn gekostet. 320 Mitarbeiter werden demnächst hier auf drei Etagen und rund 7.000 Quadratmetern arbeiten. Noch sind die unteren beiden Stockwerke nicht fertig. Das oberste, mit dem SOC, ist aber bereit für die offizielle Eröffnung.

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