1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Medien
  4. Kinox.to: Mutmaßlicher Betreiber der Streamingseite verhaftet

Filmreifes FinaleBehörden fassen mutmaßlichen Betreiber von Kinox.to

Den Behörden ist ein Schlag gegen illegales Streaming gelungen. Vor der deutschen Botschaft im Kosovo wurde einer der beiden mutmaßlichen Hauptbetreiber von Kinox.to verhaftet. Sein Bruder ist weiterhin flüchtig.Lars-Marten Nagel 11.09.2017 - 18:07 Uhr Artikel anhören

Auf dem Portal findet man illegale Downloads neuer Serien und Filme.

Foto: imago/Christian Ohde

Berlin. Vielleicht hatte Kreshnik Selimi, 24, das ständige Weglaufen und die Heimlichtuerei einfach satt. Drei Jahre waren sein Bruder Kastriot, 27, und er auf der Flucht vor den Behörden. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ließ öffentlich nach ihnen fahnden. Sie sind verdächtig, als Hauptverantwortliche das beliebte wie illegale Streamingportal Kinox.to zu betreiben.

Zuletzt versteckte sich Kreshnik auf dem Balkan. Nun ist die Hatz für ihn vorbei. „Die Festnahme erfolgte nach Mitteilung der kosovarischen Behörden am 12. Juli 2017 in Pristina vor der deutschen Botschaft“, sagt Oberstaatsanwalt Oliver Möller dem Handelsblatt. Kreshnik habe sich „im Hinblick auf den hier gegen ihn vorliegenden Haftbefehl freiwillig den Behörden“ gestellt.

Der Verdächtige sitzt nun in Auslieferungshaft. Sein Bruder ist hingegen weiter flüchtig. Der Anwalt der beiden war am Montag zunächst nicht zu erreichen.

Die Selimis gelten in Ermittlerkreisen als ungewohnt aggressiver Typus des Cyberkriminellen. Ihr Steckbrief bezeichnet sie als „Gründer und Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung“ und nennt sie dringend tatverdächtig, schwere Verbrechen begangen zu haben. Die Vorwürfe könnten aus einem Mafia-Film stammen: räuberische Erpressung, Nötigung, Brandstiftung, Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung.

Was die beiden von den meist scheuen Hackern unterscheide, sei ihre Gewaltbereitschaft, heißt es aus Behördenkreisen. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie im Besitz von Schusswaffen sind“, warnt das Landeskriminalamt Sachsen.

Kastriot kam 1989 im Kosovo zur Welt, als sein Heimatland offiziell noch Jugoslawien hieß. Kurz darauf floh die Familie vor den Balkankriegen nach Schweden, wo sein Bruder Kreshnik 1992 geboren wurde. Schließlich lebten die beiden mit ihren Eltern bei Lübeck. Nach außen wirkten sie zwischen Bolzplatz und Ballerspielen wie normale Jungs. Doch im Kinderzimmer sollen sie bereits im Alter von 16 und 13 Jahren angefangen haben, sich in der Kopier- und Tauschszene mit urheberrechtlich geschützten Inhalten ein ebenso illegales wie einträgliches Geschäft aufzubauen.

Razzia in der elterlichen Wohnung

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) ordnete ihnen 2014 zahlreiche Szene-Websites zu, darunter Foren wie Mygully.com und Boerse.sx sowie Hostingdienste wie Shared.sx und Bitshare.com. Richtig bekannt wurden die beiden nach einer Razzia im Oktober 2014. Damals trat eine Spezialeinheit der Polizei die Haustür ein und stürmte die elterliche Wohnung. Ein neuer Verdacht wurde bekannt: Die Brüder sollen die deutschlandweit bekanntesten Streamingportale Kinox.to und Movie4k.to betreiben.

Ein Dritter, Avid O., wurde im Raum Düsseldorf festgenommen. Das Leipziger Landgericht verurteilte ihn ein Jahr später wegen Urheberrechtsverletzungen in 767.000 Fällen zu drei Jahren und vier Monaten Haft. Der Mann mit dem Spitznamen „Pedro“ soll die Nummer drei der mutmaßlichen Bande gewesen sein. Er verbüßt heute seine Strafe.

Verwandte Themen
Kosovo
Amazon Prime
Berlin
Netflix

Den Durchbruch beim Zuschauer hatten die Streamingportale, als die Behörden 2011 den Vorgänger Kino.to zerschlugen. Es gelang den Hinterleuten, in die Lücke auf dem illegalen Markt zu stoßen. Der Name Kinox.to und die Benutzeroberfläche wirken bis heute wie ein Klon des Vorgängers. Vor allem in der Phase nach dem Ende von Kino.to sollen die Selimis gegenüber Szenekonkurrenten aggressiv aufgetreten sein.

Obwohl die Brüder kurz vor der Razzia 2014 abgetaucht waren, blieben die Portale im Netz erreichbar. Urheberrechtsschützer wollen in jüngerer Vergangenheit einen Qualitätsverlust beobachtet haben und verweisen darauf, dass inzwischen nicht mehr jeder aktuelle Film eingestellt werde. Andererseits ist die aktuelle Staffel der Kultserie „Game of Thrones“ sowohl bei Kinox.to als auch bei Movie4k.to abrufbar.

Illegale Streamingdienste finanzieren sich über Gebühren für Premium-Accounts oder Werbeeinnahmen aus dem Bereich der Onlinekasinos, Browserspiele und Pornoseiten. Auch Schadsoftware werde über diese Seiten verteilt, warnen Experten. Aufgrund kostengünstiger legaler Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime war das Geschäft der illegalen Streamszene zuletzt jedoch rückläufig.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt