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StellenabbauVodafone will 70 Millionen bei Mitarbeitern einsparen

Vorstandschef Ametsreiter will Vodafone Deutschland effizienter machen. Ein Stellenabbau soll bis zu 70 Millionen Euro einsparen. Der Aufsichtsrat berät Mittwoch über die Streichung von bis zu 1.000 Arbeitsplätzen.Ina Karabasz 05.07.2017 - 06:15 Uhr Artikel anhören

Der Vodafone-Deutschlandchef will die Kosten senken.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Das Jahr 2017 begann für die Vodafone-Mitarbeiter mit einer für viele beunruhigenden Nachricht. Keine zwei Wochen war es alt, als sie eine E-Mail von ihrem Chef Hannes Ametsreiter bekamen. Dort lasen sie: „Bei allen jüngsten Erfolgen können wir nicht darüber hinwegsehen, dass wir unsere organisatorische Aufstellung noch verbessern können.“ Vodafone solle noch konvergenter, agiler und effizienter werden, schrieb Ametsreiter etwas kryptisch.

Vodafone will kräftig umbauen, einige Stellen sollen gestrichen werden, andere neu entstehen. „Damit wollen wir insgesamt unsere Beschäftigungskosten, also die Summe aus ‧Gehältern sowie Kosten für Externe und Outsourcing, in den kommenden zwei Jahren senken“, erklärte der CEO in dem Brief. Wie dieser Umbau genau aussehen soll, schrieb er nicht.

Mittlerweile scheinen erste Details festzustehen. Wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfahren hat, wird bei dessen Sitzung an diesem Mittwoch die Streichung von rund 1.000 Stellen im Jahr 2018 diskutiert. So will Vodafone mehr als 70 Millionen Euro einsparen. Derzeit arbeiten bei dem Unternehmen in Deutschland rund 14.000 Mitarbeiter.

Vodafone erklärte auf Nachfrage, man könne den Stellenabbau „zum derzeitigen Zeitpunkt nicht bestätigen.“ Sicher sei aber: Es sei kein Mitarbeiterabbau in der genannten Höhe geplant. „Auch weil wir im Rahmen der natürlichen Fluktuation Abgänge nicht nachbesetzen und Mitarbeitern andere Positionen im Unternehmen anbieten“, begründete ein Sprecher diese Aussage. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er aus.

Allerdings, so heißt es bei Vodafone weiter, werde im Zuge der abschließenden Integration von Kabel Deutschland weiterhin geprüft, ob das Unternehmen regional richtig aufgestellt sei. „So überlegen wir etwa bei auslaufenden Mietverträgen, ob wir Einheiten zusammenlegen können“, sagte der Sprecher.

Nach Informationen des Handelsblatts sollen unter anderem Standorte zusammengeschlossen und Mitarbeitern Abfindungsangebote gemacht werden. Dabei soll wohl der größere Teil der Stellen bei der „alten“ Vodafone gestrichen werden. Erst Anfang Juni hat Vodafone in Hannover Richtfest für einen Neubau gefeiert, in dem Mitarbeiter zusammengezogen werden sollen. Die 2013 zugekaufte Festnetztochter von Vodafone, ‧ehemals Kabel Deutschland, hat für Restrukturierungsmaßnahmen im Geschäftsjahr 2015/16 bereits rund 18 Millionen Euro zurückgestellt.

Hohe Abfindungen

Nach Angaben eines Sprechers befinden sich Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretung zurzeit noch in Gesprächen. Er bekräftigte noch einmal das von Ametsreiter genannte Ziel, die Beschäftigungskosten zu senken. „Im Rahmen unserer Transformation planen wir Einsparungen von 70 Millionen Euro bei den Beschäftigungskosten“, so der Sprecher. Das sei im Vergleich zu den Gesamtpersonalkosten pro Jahr von deutlich mehr als einer Milliarde ein kleiner Teil.

Insidern zufolge gehen die Personalverantwortlichen davon aus, dass Mitarbeiter angesichts des Umbaus auch selber nach Abfindungsangeboten fragen werden. Dabei will sich das Unternehmen wohl auch großzügig zeigen, es sei bereit, „sechsstellige Summen mit einer Zwei davor“ zu zahlen, heißt es.

Vodafone hatte schon 2013 das Programm „Fit4Growth“ initiiert. 600 Stellen wurden bereits abgebaut. Ametsreiters Vorgänger Jens Schulte-Bockum hatte es gestartet, weil über Jahre zu wenig in die Infrastruktur des Telekommunikationsanbieters investiert worden war. Die Kunden wurden zunehmend unzufrieden und wechselten zu Wettbewerbern. Vodafone, einst Marktführer in Deutschland, fiel hinter die Deutsche Telekom zurück. Schulte-Bockum musste also Mittel für die Investitionen freimachen. Allerdings führte das zu Unruhe im Unternehmen.

Kritiker warfen dem ehemaligen McKinsey-Berater damals mangelndes Feingefühl vor. Weil Schulte-Bockum zudem das Deutschlandgeschäft nicht schnell genug wieder in die richtigen Bahnen lenken konnte, soll er dann bei Vodafone-Konzernchef Vittorio Colao in Ungnade gefallen sein und verließ die deutsche Tochter im Sommer 2015.

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Im Oktober 2015 übernahm dann Ametsreiter den Chefposten in Deutschland. Der ehemalige Chef der Telekom Austria wurde gleichzeitig in den Konzernvorstand der Vodafone-Gruppe berufen. Um bei der Kundenzahl wieder zur Deutschen Telekom aufschließen zu können, setzte Ametsreiter beim Marketing stark auf das Thema Geschwindigkeit. Hier tut sich die Telekom schwer, im Festnetz mitzuhalten.

Die Strategie scheint aufzugehen. Im Gegensatz zum britischen Mutterkonzern konnte die Deutschland-Tochter zuletzt positive Bilanzzahlen präsentieren. Im Geschäftsjahr 2016/17 (zum 31. März) fiel der Gesamtumsatz zwar leicht um 0,3 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Im wichtigen Segment mit Vertrags- und Festnetzkunden stieg er jedoch um knapp zwei Prozent auf mehr als zehn Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 4,5 Prozent auf rund 3,6 Milliarden Euro, die bereinigte Ebitda-Marge von 32,6 Prozent auf 34,1 Prozent.

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