Strategiewechsel bei Telekom: „Ein überraschendes Signal“
„Wir sind ganz offen, mit allen möglichen Anbietern zu kooperieren.“
Foto: Telefónica O2Düsseldorf. Bis Februar 2016 war Johannes Pruchnow Chef des Glasfaseranbieters Versatel. Seit Ende November ist er nun bei der Deutschen Telekom. In seinem ersten Interview als Vorstandsbeauftragter für Breitbandkooperation erklärt er den Strategiewechsel des Konzerns.
Wie haben die Wettbewerber darauf reagiert, dass die Telekom nun mit ihnen kooperieren will?
Manche waren verwundert, aber die Resonanz war durchweg positiv.
Woher stammt die Verwunderung?
In den vergangenen Monaten hatte die Diskussion um den Breitbandausbau zwischen der Telekom und den Wettbewerbern durchaus mal einen scharfen Ton. Das hat zu atmosphärischen Spannungen geführt. Meine Ernennung war da für einige ein überraschendes Signal. Aus meiner Sicht ist die neue Kooperationsbereitschaft durchaus ein Paradigmenwechsel.
Warum will die Telekom gerade jetzt die Stimmung verbessern?
Die Zeit ist jetzt reif für mehr Zusammenarbeit. Das hat vor allem vier Gründe: Erstens haben wir jetzt die nötigen Standards für Vorleistungsprodukte als technische Voraussetzung. Zweitens sehen wir in der Regulierung die Tendenz, Kooperationsmodelle beim Breitbandausbau zu unterstützen. Drittens sind alle Unternehmen, die an Förderprogrammen teilnehmen, dazu verpflichtet, andere Anbietern einen Zugang zum Netz zu gewähren. Viertens ist in der Branche insgesamt die Bereitschaft zu kooperieren deutlich gestiegen. Viele wollen ihre Investitionen in Netze nun auch mit Leistungen für Wettbewerber refinanzieren.
Gerät die Telekom unter Zugzwang, wenn sich Konkurrenten nicht mehr zwangsläufig in ihr Netz einmieten müssen?
Es gibt immer Druck, das ist die Natur von Wettbewerb, und wir wollen auch den Infrastrukturwettbewerb. Unser Umsatz mit Vorleistungsprodukten steigt, und er wird es wohl auch weiter tun. Aber es wird auch interessant zu sehen, wie die anderen agieren.
Gibt es schon konkrete Vereinbarungen?
Darüber kann ich erst sprechen, wenn die Tinte getrocknet ist. Aber es gibt eine Reihe von konkreten Projekten. Wir sind ganz offen, mit allen möglichen Anbietern zu kooperieren, von kleinen Stadtnetzbetreibern bis zu den großen Wettbewerbern. Und auch bei der Form der Zusammenarbeit sind wir offen: Wir können uns vorstellen, Infrastruktur anzumieten, fertige Vorleistungsprodukte zu buchen oder auch Joint Ventures zu gründen.
Die Fragen stellte Ina Karabasz.