EU plant schnelle Entstehung
Kroatien baut Flüssiggas-Terminal im Eiltempo

Die Gasleitung South Stream ist tot. Es lebe das neue Gas-Projekt in Kroatien! Die EU will mit einem Terminal für Flüssiggas an der nördlichen Adria unabhängiger von Russland werden. Wie geht das?
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ZagrebDas Projekt geht zurück auf die 80er Jahre, doch erst die Ukrainekrise hat es zu einem Lieblingsplan der EU und der USA gemacht: Auf der nordkroatischen Adriainsel Krk soll im Eiltempo ein Terminal für Flüssiggas entstehen (Liquefied Natural Gas – LNG). Im großen Stil wird der wertvolle Stoff mit Schiffen angelandet und weiter nach Norden und Osten verteilt. Sechs Milliarden Kubikmeter sollen so jährlich durchgeleitet werden. Eine Verdoppelung der Kapazität bei entsprechender Nachfrage wird mitgeplant.

„Kroatien hat das Potenzial, ein regionaler Energie-Hub zu werden“, hatte US-Vizepräsident Joe Biden erst vor zwei Wochen in Istanbul erneut das Krk-Vorhaben unterstützt. Die kroatischen Medien bejubeln ihr Land schon als „neues Norwegen“. Denn neben diesem Projekt soll bald auch aus der Adria Öl gefördert werden. Nachdem auch die EU das Projekt im Mai auf ihre Prioritätenliste gesetzt hatte, kann jetzt alles schnell gehen. Die EU zahlt mit fünf Millionen Euro die Hälfte der Vorplanungen. Studien zur Machbarkeit und Umweltverträglichkeit sind positiv abgeschlossen, heißt es aus der staatlichen Gesellschaft LNG-Hrvatska (Kroatien).

Anfang des nächsten Jahres können interessierte Firmen aus der ganzen Welt anmelden, ob sie in welchem Umfang an der Nutzung des neuen Terminals interessiert sind. Dann folgt die Sicherung der Finanzierung. Der Energieknoten auf Krk soll 630 Millionen Euro kosten, der Neu- und Ausbau von Pipelines bis zu 750 Millionen. Wirtschaftsminister Ivan Vrdoljak erwartet, dass die EU die Hälfte und sein Land ein Viertel der Kosten übernimmt. Sein Argument: Kroatien braucht das Projekt nicht, die EU aber schon. Das letzte Viertel der Investition soll von internationalen Banken oder strategischen Finanzpartnern gesichert werden.

Von Krk wird das Gas in vier Hauptrichtungen gepumpt: Nach Norditalien und über Slowenien ins österreichische Baumgarten. Der dritte Strang führt nach Ungarn. Von dort können Tschechien, die Slowakei und sogar die Ukraine erreicht werden. Schließlich soll eine Pipeline entlang der Adriaküste nach Montenegro und Albanien im Süden führen. Ein Großteil der Leitungen besteht bereits. Sie müssen allerdings ausgebaut werden. Mitte 2016 soll der Grundstein auf Krk gelegt werden, Ende 2019 der Betrieb aufgenommen werden.

„Bisher hatten die wichtigsten Gasleitungen in Europa nur eine Richtung: Von Ost nach West“, erläutern Experten von LNG Hrvatska die Besonderheit des mit Hochdruck geplanten Energieprojekts. Durch den Zusammenschluss der nationalen Leitungsnetze der EU-Mitglieder in der Region sollen alle Transportwege in Zukunft in beide Richtungen nutzbar sein. Damit könnte bei Energieverknappung eine bessere Versorgung aller EU-Mitglieder gesichert werden. Wenn das gesamte Netzwerk eines Tages steht, wäre die kroatische LNG-Station mit dem Gegenstück im polnischen Swinemünde an der Ostsee verbunden. So entstünde eine Nord-Süd-Energietransversale weitgehend ohne russisches Gas.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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