Rolex-Geschenke sorgen für Wirbel: Renzi und das Luxus-Uhren-Problem
Ob er wohl eine Rolex trägt? Italiens Regierungschef beschäftigt nun die Rolex-Affäre.
Foto: apRom. Eine Rolex? Die gibt es in Neapel schon für 20 Euro. Auf der Straße natürlich, bei dem netten Typ aus Ghana, der auch diese Vuitton-Taschen für kleines Geld verkauft, die irgendwie nach Autoreifen statt nach Leder riechen. Auf der Straße, auch in Rom und anderswo, blüht der Handel mit gefälschter Markenware. Kommt ein Polizist um die Ecke, sind die Verkaufsstände in Sekundenschnelle verschwunden.
Nein, eine echte Rolex sollte es sein, dachten sich rund 50 Funktionäre und Staatsbediensteten, die den italienischen Premier Matteo Renzi im vergangenen November auf seiner Reise nach Saudi-Arabien begleiteten. Für die Delegation aus Rom gab es Geschenke: saudische Uhren, ganz nett, aber auch ein paar echte Rolex.
Nach Augenzeugenberichten soll es zu peinlichen Szenen im Palast in Riad gekommen sein. Die Italiener sollen sich geprügelt und gezankt haben um die Luxusuhren. Alle wollten eine Rolex, nicht aber das Saudi-Modell.
Carlo Tecce von der regierungskritische Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“ hat die Geschichte ausgegraben und veröffentlicht, mit Bezug auf einen „Augenzeugen“ und seitdem gehen die Wellen hoch in Italien, als gäbe es keine wichtigeren Themen. Die seriösen Blätter berichten nicht über die „Rolex-Affäre“, aber im Netz gibt es Spott und Hohn und viel Empörung – dahinter steckt natürlich auch viel Neid.
Die Regierung musste Antworten liefern: In einer Stellungnahme aus dem Palazzo Chigi, dem Amtssitz von Premier Matteo Renzi, heißt es, die Uhren seien keine Geschenke an Privatpersonen gewesen und würden nun in einem Zimmer im Palazzo Chigi aufbewahrt.
Nach wie vor gilt in Italien die von Premier Mario Monti 2012 erlassene Verordnung, dass Geschenke von Staatsbediensteten nur bis zu einem Wert von 150 Euro angenommen werden dürfen. Unter Romano Prodi waren es vor rund zehn Jahren noch 300 Euro. Die Saudi-Rolex soll einen Wert von rund 4.000 Euro haben, liegt also deutlich darüber.
Und natürlich versucht die Opposition, Kapital aus der peinlichen Episode zu schlagen. Der Abgeordnete Franco Bordo von der linken Oppositionspartei „Sinistra Italiana“ hat postwendend in der Abgeordnetenkammer eine Anfrage an die Regierung gestellt: Stimmt das mit den Uhren? Wer hat eine bekommen? Wie viele waren es? Und wo sind die Uhren jetzt? An der Antwort wird wohl noch gefeilt.
Eigentlich kann sich die Schweizer Uhrenmanufaktur über so viel Werbung in Italien nur freuen. Denn einmal verblassen so die imageschadenden Bilder von vor einem Jahr. Damals ging ein Foto um die Welt ging, das eine vermummte Demonstrantin in Mailand zeigte, mit Molotow-Cocktail in der Hand und einer Rolex am Handgelenk. Premier Renzi hatte gesagt: „Wir haben die Papa-Söhnchen mit Rolex am Arm besiegt.“
Außerdem zeigt die „Rolex-Affäre“, dass in Italien, wo „bella figura“ so wichtig ist, so ein Statussymbol seinen Wert hat. Anzugträger aller Berufssparten achten in Italien stets peinlich darauf, ihre Uhr so zu tragen, dass sie bloß nicht von der Manschette verdeckt wird.
Eine Zeitung erinnert genüsslich daran, dass Silvio Berlusconi seinerzeit gerne Rolex-Uhren als Geschenke verteilte. Karima El-Mahroug, die als „Ruby Rubacuore“ Karriere bei den Bunga-Bunga-Parties machte, bekam dem Onlineblatt Lettera 43 zufolge damals sogar gleich zwei Exemplare.