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Vorteile der GemeinschaftswährungDer Euro darf nicht zerbrechen

Die Deutschen sehen den Euro immer kritischer, einige wünschen sich gar die D-Mark zurück. Dabei bringt die Gemeinschaftswährung viele Vorteile - gerade für Deutschland. Was bei einem Euro-Crash auf dem Spiel stünde.Jan Mallien 25.06.2012 - 10:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Düsseldorf. Wenn es um die Zukunft des Euro geht, sind Finanzexperten deutlich skeptischer als die meisten Politiker. Bislang lagen sie damit richtig: Die Politik ist den Märkten meistens hinterhergelaufen. Umso bedrohlicher wirken die Worte des Chefanlagestrategen der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, Georg Schuh. "Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario", sagte er vergangene Woche auf einer Konferenz in Frankfurt. Im Moment gebe es keine überzeugende Lösung für die Probleme im gemeinsamen Währungsraum. Ähnlich fällt das Urteil der amerikanischen Anleger-Legende George Soros aus. Die Euro-Zone habe nur noch drei Monate, um einen Zusammenbruch abzuwenden.

Viele Deutsche hätten gar nichts dagegen, wenn der Euro tatsächlich zusammenbrechen sollte. Sie verbinden mit der Gemeinschaftswährung vor allem ständige Transferzahlungen an Griechenland und andere Südländer, für die sie mit ihren Steuergeldern aufkommen müssen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap von Ende Mai hält knapp die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) die Abschaffung der D-Mark für einen Fehler. Nur 47 Prozent bewerteten die Einführung des Euro positiv.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder
Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.
Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.
Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.
Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.
Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.
Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.
Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.
Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.
Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.
Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.
Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.
Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.
Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.
Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.
Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.
Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.
Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Dabei verkennen viele die Vorteile, die der Euro Deutschland gebracht hat - allen voran der Exportwirtschaft. Die wichtigsten Absatzmärkte der deutschen Unternehmen liegen nach wie vor in der Euro-Zone – wo etwa 40 Prozent der deutschen Ausfuhren hin gehen.

Vor der Einführung der Gemeinschaftswährung hatte die harte D-Mark den deutschen Firmen schwer zu schaffen gemacht. Wann immer es an den Märkten kritisch wurde, flüchteten Investoren in deutsche Bundesanleihen und trieben damit den Wechselkurs der D-Mark in die Höhe. Durch die kontinuierliche Aufwertung der Landeswährung wurden deutsche Exportgüter im Ausland teurer und verloren damit an Attraktivität.

Kernpunkte des neuen EU-Fiskalpakts
Der neue Fiskalpakt verpflichtet die Länder zu strenger Haushaltsdisziplin. Damit sollen Problemfälle wie Griechenland verhindert und das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewonnen werden. Der Sparpakt wurde Ende Januar beschlossen und wird beim EU-Gipfel am Freitag unterschrieben. Allerdings ziehen nicht alle 27 EU-Staaten mit: Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor, Irland lässt das Volk über das Abkommen abstimmen. Da es ein zwischenstaatlicher Vertrag ist, reicht jedoch auch die Ratifizierung von zwölf Euro-Ländern. In Kraft treten soll der Fiskalpakt spätestens Anfang 2013. Das sind die Kernpunkte:
Die Unterzeichner streben nahezu ausgeglichene Haushalte an. Das jährliche, um Konjunktur- und Einmaleffekte bereinigte Staatsdefizit eines Landes darf 0,5 Prozent der Wirtschaftskraft nicht übersteigen. Die Staaten führen nationale Schuldenbremsen ein und verankern sie in ihrer Verfassung oder auf vergleichbarer Ebene.
Verschuldet sich ein Staat zu sehr, wird automatisch ein Defizitverfahren ausgelöst. Anders als bisher können Sanktionen nur noch mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der EU-Finanzminister gestoppt werden. Liegt die Gesamtverschuldung über 60 Prozent der Wirtschaftsleistung, soll sie pro Jahr um ein Zwanzigstel reduziert werden.
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) überprüft, ob die Staaten die Schuldenbremse auch in nationales Recht umsetzen. Klagen kann nur ein anderes Unterzeichnerland, nicht aber die EU-Kommission.
In letzter Konsequenz kann der Europäische Gerichtshof gegen Haushaltssünder des Eurogebiets eine Geldstrafe von bis zu 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung verhängen. Die Summen fließen bei Euro-Ländern in den Euro-Rettungsfonds ESM, ansonsten in den allgemeinen EU-Haushalt.
Der Sparpakt wird mit dem im Juli startenden ESM verknüpft werden. ESM-Hilfen sollen also nur die Euro-Länder erhalten, die auch den neuen Pakt unterzeichnet haben - was zu einem potenziellen Problem für Irland werden könnte.

Dieser unerwünschte Effekt ist durch die Gemeinschaftswährung komplett verschwunden. Und nicht nur das: Deutschland verbesserte durch den vergleichsweise schwachen Euro auch seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder Japan. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey profitierte die deutsche Wirtschaft  von diesem Effekt im Jahr 2010 mit rund 113 Milliarden Euro. Anders hingegen erging es der Exportwirtschaft in klassischen Weichwährungsländern wie Italien: Ihre Wettbewerbsfähigkeit verschlechterte sich.

Die gemeinsame Währung hat die Unsicherheit über den Wechselkurs aus dem Weg geräumt und dadurch den Handel innerhalb der Eurozone deutlich erleichtert. Die Kosten für den Währungstausch fallen weg und die Unternehmen müssen sich nicht mehr gegen Wechselkursrisiken absichern. Vor der Euro-Einführung sorgten plötzliche Auf-und Abwertungen für stetige Unsicherheit bei den Exporteuren - und bremsten so den Handel. Wissenschaftliche Studien kommen im Schnitt zu dem Ergebnis, dass der Handel innerhalb der Eurozone dank des Euro um etwa 15 Prozent zugenommen hat – was einem Volumen von rund 620 Milliarden Euro entspricht. 

Komplizierter zu quantifizieren ist der Effekt des Zinsniveaus. Unbestritten lagen die Zinsen für Staatsanleihen der Peripherieländer vor der Einführung des Euro deutlich höher als heute. Anleger verlangten höhere Zinsen um sich gegen das Wechselkurs- und  Ausfallrisiko abzusichern. Mit der Einführung des Euro haben sich die Zinsniveaus in der Eurozone zunächst angeglichen. Seit Beginn der Eurokrise entwickeln sie sich aber wieder auseinander. Unterm Strich können sich die Staaten der Eurozone heute dennoch deutlich billiger refinanzieren als vor Einführung der gemeinsamen Währung. In einer Studie über die Zunku8nft des Euro schätzt die Unternehmensberatung McKinsey, dass die Euroländer insgesamt durch die gemeinsame Währung 2010 rund 195 Milliarden Euro Zinsen eingespart haben.

Die Euro-Gegner halten diesen Argumenten die riesigen Kosten des Euros entgegen. In den südeuropäischen Krisenländern stöhnen die Menschen über harte Sparprogramme und Lohnkürzungen. In Deutschland schimpfen sie über immer neue Garantien für die Krisenländer, für die der deutsche Steuerzahler aufkommen muss. Nach der jüngsten Erhöhung des Rettungsfonds EFSF haftet Deutschland mit Garantien in Höhe 211 Milliarden Euro für die laufenden Hilfsprogramme. Hinzu kommen bald weitere Milliarden für den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Ökonomen weisen zudem immer wieder darauf hin, dass die Eurozone kein optimaler Währungsraum ist: Die Euro-Länder sind wirtschaftlich sehr verschieden und haben deshalb sehr unterschiedliche ökonomische Bedürfnisse. Da sich die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Geldpolitik am Durchschnitt der Eurozone orientiert, kann sie auf diese Bedürfnisse viel weniger Rücksicht nehmen als eine nationale Notenbank wie die amerikanische Federal Reserve.

Ein Beispiel: Im Jahr 2003 wuchsen die Euro-Länder im Schnitt um 1,2 Prozent - die deutsche Wirtschaft hingegen schrumpfte um 0,2 Prozent. Der von der EZB festgesetzte gemeinsame Leitzins war für damalige Boomländer wie Spanien oder Irland viel zu niedrig und führte dort zu spekulativen Blasen am Immobilienmarkt. Für das wachstumsschwache Deutschland war der Zins damals hingegen zu hoch.

Inzwischen hat sich die Wirtschaftsentwicklung umgekehrt: Die deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft - und in Spanien und Irland herrscht wirtschaftliche Depression. Nun ist das Zinsniveau für Deutschland zu niedrig.

Solche Widersprüche lassen die Kritiker am Sinn der Währungsunion zweifeln. Dabei gerät aber oft in Vergessenheit, dass sich durch den Euro-Beitritt Deutschlands die Entscheidungsgrundlage geändert hat. Die Frage ist nicht mehr, ob es sinnvoll ist, der Währungsunion beizutreten. Dieser Schritt wurde bereits vollzogen. Nun geht es darum, was auf dem Spiel steht, wenn der Euro zerbricht?

Der Unterschied ist gewaltig: Da Deutschland dem Euro schon beigetreten ist, würden ein Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung dramatische Schäden verursachen. Als sich Großbritannien gegen die Mitgliedschaft in der Währungsunion entschieden hat, musste es diese Kosten nicht fürchten.

Ein Austritt aus dem Euro droht eine Lawine in Gang zu setzen. Wenn zum Beispiel absehbar wäre, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt, würden die Menschen dort die Banken stürmen um ihre Einlagen abzuheben. Da die Banken einem solchen Ansturm nicht gewachsen wären, müssten sie schließen und die Wirtschaft des Landes käme zum erliegen. Auch die Kosten für die anderen Euro-Länder wären hoch: Sie müssten ihre Kredite an Griechenland fast komplett abschreiben.

Das größte Problem aber wäre das Ansteckungsrisiko für andere Krisenländer der Euro-Zone: Wenn Spanier und Italiener sehen, was mit den griechischen Spareinlagen passiert, könnten sie auch Angst um ihr Vermögen bekommen. So könnte sich ein Bank-Run schnell auf andere Länder ausbreiten.

Auch ein Euro-Austritt Deutschlands könnte einen Bank-Run in den Krisenländern in Gang setzen. Denn auch dann hätten die Sparer dort eine Abwertung ihrer Spareinlagen zu befürchten. Die neue D-Mark würde aller Voraussicht nach dramatisch aufwerten, möglicherweise um 30 bis 40 Prozent. Deutsche Kredite an die Krisenländer verlören an dramatisch Wert.

Für die deutschen Exporteure wäre eine solch plötzliche Aufwertung fatal. Schon in anderen Hartwährungsländern wie der Schweiz klagen die Exporteure über die Aufwertung der Landeswährung, dort aber vollzieht sie sich langsamer - ohne einen solch dramatischen Sprung, wie bei einem Zusammenbruch des Euros zu befürchten wäre.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Kosten hätte dies auch erhebliche politische Konsequenzen. Die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union wäre in Gefahr, sie könnte andere große Errungenschaften Europas wie den gemeinsamen Binnenmarkt zerstören.

Grade im angelsächsischen Raum gibt es immer mehr Experten, die mit einem Zusammenbruch des Euro rechnen. Angesichts der immensen Kosten, die dies verursachen würde, erscheint diese Prognose jedoch sehr gewagt.

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