Baukonzern Vinci
Bilanzmanipulation, Finanzchef gefeuert – alles nur ein Fake

Gefälschte Mitteilungen haben bei Vinci für Aufruhr gesorgt – der Aktienkurs des französischen Baukonzerns brach um bis zu 18 Prozent ein. Wer steckt hinter der kriminellen Aktion?
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ParisNach dem Kurssturz der Aktie des Bau- und Dienstleistungskonzerns Vinci diskutiert man in Frankreich darüber, wie ein grotesker Betrug so erfolgreich sein konnte. Die Betrüger hatten ein gefälschtes Kommuniqué verschickt, in dem angebliche Bilanzmanipulationen gemeldet wurden, die zur Entlassung des Finanzchefs geführt hätten. Vinci müsse seinen Jahresabschluss für 2015 und das erste Halbjahr 2016 erneuern und vermutlich einen Verlust ausweisen. Der Fake wurde an mehrere Nachrichtenagenturen und Zeitungen geschickt. Bloomberg verbreitete kurz nach 16 Uhr eine Meldung.

Das Kommuniqué war unterzeichnet mit dem Namen des echten Pressechefs. Unter einer falschen Telefonnummer soll sich eine Person gemeldet haben, die die vermeintliche Bilanzfälschung bestätigt haben soll. Rund 20 Minuten später folgte ein weiteres Kommuniqué, das energisch dementierte, dass der Finanzchef entlassen werde. Die Bilanzprobleme seien aufgrund einer Indiskretion bekannt geworden. Dieses zweite Fake-Kommuniqué, unterzeichnet von einer anderen Person, löste offenbar noch größere Bestürzung aus.

Innerhalb kürzester Zeit stürzte die Vinci-Aktie um bis zu 18 Prozent ab. Kurz nach 17 Uhr schließlich dementierte Vinci die Bloomberg-Meldung, der Aktienkurs begann, sich wieder zu erholen. Das Papier schloss aber leicht im Minus. Der falsche Pressesprecher soll sich später bei der Agentur gemeldet und als Mitarbeiter einer Nichtregierungs-Organisation (NGO) bezeichnet haben, die Rache an Vinci nehmen wolle, weil der Baukonzern sich in Russland und Frankreich Verfehlungen zuschulden kommen lasse und in Katar Bauarbeiter unmenschlich behandele.

Der Vorgang erinnert an frühere Falschmeldungen, wie die Imitation der Bloomberg-Webseite im vergangenen Jahr, um den Kurs von Twitter zu manipulieren. Innerhalb von nur vier Tagen mieteten Unbekannte die Webadresse „bloomberg.markets“ an und konstruierten eine Webseite, die dem Angebot der Finanznachrichten-Agentur Bloomberg täuschend ähnlich sah. Die Betrüger stellten einen gefälschten Artikel mit Autorenzeile eines echten Bloomberg-Mitarbeiters online und schickten die gefälschte Nachricht ins Internet: Twitter stehe kurz davor, für rund 31 Milliarden Dollar übernommen zu werden.

Die Aktie des Kurznachrichtendienstes aus San Francisco schoss nach dieser Mitteilung um fast neun Prozent in die Höhe. Nachdem sich die Nachricht als falsch entpuppt hatte, rutschte der Aktienkurs des angeschlagenen Unternehmens wieder ab.

Während früher Kurse über Gerüchte von Mund zu Mund beeinflusst wurden, um mit dem Anstieg oder Fall eines Kurses auf kriminelle Weise Geld zu verdienen, werden heute gleich ganze Medien-Identitäten missbraucht. Der automatisierte Aktienhandel begünstigt die Verbreitung von Panikwellen wie der um Vinci. Allerdings spielt auch der – damit verbundene – enorme Zeitdruck in Agenturen eine Rolle, der die sofortige Verbreitung von Fakes begünstigt.

Ein Anruf beim echten Pressechef von Vinci hätte ausgereicht, um den Betrug auffliegen zu lassen. Der Baukonzern hat juristische Schritte angekündigt.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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