Headhunter
Wenn Roboter um Talente buhlen

Die Branche der Personalberater wird von der Digitaltechnik aufgemischt. Ausgefeilte Suchsoftware, automatische Ansprache und Persönlichkeitsanalyse halten Einzug. Wird der klassische Headhunter bald überflüssig?

BonnPersonalberater sind kommunikationsfreudige Menschen. Sie können sich in Firmenkulturen und Menschen einfühlen, sind gute Zuhörer und verfügen über ein großes Netzwerk, aus dem sie Manager in neue Positionen vermitteln können. Eine Job, den nur ein Mensch machen kann. Meint man.

Doch auch in der Personalsuche sind Roboter auf dem Vormarsch. Etwa beim Heidelberger Start-up Instaffo. Die junge Firma entwickelt einen, wie sie es nennt, „vollautomatischen Headhunter für anspruchsvolle Jobs“. Kandidaten können dort ihr anonymisiertes und detailliertes Profil hinterlegen, Firmen geben ihre Jobangebote ein. Dann startet die von Instaffo entwickelte Software. „Unser Matching-Algorithmus gleicht Karrierewünsche und Stellenbeschreibung anonymisiert ab“, sagt Daniel Schäfer.

Der 29-Jährige hat das Unternehmen gemeinsam mit Christoph Zöller gegründet. Rund 850.000 Euro sammelten sie Ende Oktober in einer ersten Runde von Investoren ein. Mit Hilfe ihrer Software sollen Firmen die erste Auswahlrunde von Kandidaten bis hin zum Interview per Algorithmus erledigen können. Ein herkömmlicher Headhunter, so verspricht Schäfer, sei dazu nicht mehr nötig.

Lange Zeit war das Headhunting ein reines Kopfgeschäft – Menschen suchen Menschen. Doch die Branche ist voll von der Digitalisierung erfasst: Die riesigen Datenmengen aus den sozialen Netzen, die detaillierten Profile auf Xing und Linkedin, die Spuren der Persönlichkeit im Internet – all das ist ein Goldschatz für die Personalsuche. Roboter mit lernender Software analysieren die Daten und spucken die ihrer Analyse nach besten Talente aus.

Dass die neue Technologie die Branche der Headhunter grundlegend aufmischen wird, davon sind auch die etablierten Anbieter überzeugt. „Aber sie wird nicht das persönliche Gespräch ersetzen. Kern unserer Dienstleistung ist Arbeit von Mensch zu Mensch“, sagt Wolfram Tröger, Gründer von Tröger & Cie sowie Chef des Personalberaterverbands im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Tatsächlich hat Konkurrent Roboter dem Geschäft der Personalberater noch nicht erkennbar zusetzen können. Die Branche ist im vergangenen Jahr um annähernd sieben Prozent auf einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro gewachsen, wie es in einer am Mittwoch vorgestellten Branchenstudie des BDU heißt. Vor allem Vertriebs- und Marketingexperten wurden vermittelt. Und auch für dieses Jahr strotzen die Anbieter vor Optimismus.

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