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Textilfabriken in Bangladesch„Eigentlich müssten wir alle Fabriken schließen“

Ein Jahr nach dem furchtbaren Fabrik-Unglück in Bangladesch achten westliche Einkäufer und die bengalische Regierung stärker auf die Sicherheit – und gehen doch viele Kompromisse ein. Ein Besuch vor Ort.Christoph Kapalschinski 20.04.2014 - 13:15 Uhr Artikel anhören

Dhaka, Savar.

Sie stehen wieder am Straßenrand, wie so oft in den vergangenen Monaten, die alte Frau und der kleine Junge. Sie halten das Foto von ihrem toten Sohn und Vater in die Kameras, das Passbild mit dem gebügelten Hemd. Gerade einmal drei Wochen arbeitete er als Näher in der Fabrik, bevor sie einstürzte. 26 Jahre alt war Siddik, als er am 24. April 2013 starb – zusammen mit 1126 anderen Menschen.

Seine Mutter spricht wieder in die Mikrofone der zahlreichen Reporter, erzählt, wie die Fabrikmanager die Arbeiter drängten, in das Gebäude mit den Rissen im Beton zu gehen, kurz bevor das Rana Plaza genannte Hochhaus in sich zusammensackte. Einfach so – weil der Gebäudebesitzer mehr Stockwerke gebaut hatte als erlaubt. Die versprochene Entschädigung, übertönt ein Gewerkschafter die alte Dame per Megafon, stehe noch aus. Ein junger Aktivist einer Belgischen Entwicklungshilfeorganisation stiftet die Umstehenden an, die Faust zum Arbeitergruß zu recken.

Die Erinnerung an den Fabrikeinsturz ist in Bangladesch auch nach einem Jahr nicht verblasst. Nicht nur die regelmäßigen, professionell organisierten Proteste der Gewerkschaft National Garment Workers Federation (NGWF) halten die Erinnerung wach, sondern auch die neuen Sicherheitskontrollen der westlichen Modemarken und der bengalischen Behörden. Die Fabriken vor Ort stellen sich darauf ein. Ihre Mission: neues Vertrauen – bei den Einkäufern der Weltmarken, die billig in Bangladesch produzieren lassen, und bei den Kunden in Europa.

Das Ringen um faire Bedingungen
Die Fabrikbesitzer in Bangladesh stehen unter besonderer Beobachtung, seit zwei Katastrophen 2013 sowohl Auftraggeber als auch Konsumenten auf der ganzen Welt aufschreckten: Erst ging die Tazreen-Fabrik in Flammen auf und riss Dutzende Menschen in den Tod, dann fiel das Industriehochhaus Rana Plaza in sich zusammen und wurde für mehr als 1100 Menschen zum Grab.
Die Nachfrage nach Textilien aus Bangladesh ist nach den Unglücken keineswegs eingebrochen, sie steigt sogar weiter an. Hauptgrund sind die günstigen Löhne. In China etwa sind die Arbeitskosten inzwischen viermal so hoch, zudem verlangen die Wanderarbeiter dort kostenlose Unterkunft und Verpflegung. Allerdings fehlt Bangladesch die Wertschöpfungstiefe, es gibt keinen Baumwollanbau. Das verursacht höhere Materialkosten. Zudem ist die Qualität der Produkte oft noch schlechter als etwa aus den fortschrittlichen Fabriken in China und Vietnam. Dazu kommen große Probleme bei der Logistik: Politische Streiks blockieren oft die Straßen, der Hafen des Landes ist überlastet. Das führt dazu, dass die Marken in Bangladesch vor allem Basisprodukte wie T-Shirts fertigen lassen. Hochwertigere und modischere Ware kommt dagegen  aus Ländern, die für höhere Liefersicherheit bekannt sind. Das limitiert das Wachstum des Textilsektors in Bangladesch, das zuletzt bei zehn Prozent lag.
Der Preisvorteil der bengalischen Fabriken wird geringer, seit die Politik auf internationalen Druck und zahlreiche Arbeiterproteste reagierte und den Mindestlohn anhob. Seit Dezember erhalten Arbeiter monatlich mindestens 5300 Taka (49 Euro) statt wie bisher 3000 Taka. Allerdings dürfte der Aufpreis pro Kleidungsstück nur ein paar Cent betragen. Dazu kommt: Als eines der ärmsten Länder der Welt schlägt die EU auf Exporte aus Bangladesh keinen Zoll auf – das macht die Ware aus dem Land noch konkurrenzfähiger.
Seit 2003 existiert die Industrie-Initiative BSCI, die soziale Kriterien nach einheitlichen Maßstäben prüft. Inspektoren haken einen Kriterienplan ab, Fabriken bekommen Maßnahmen-Empfehlungen. Dazu nutzen sie eine Selbsteinschätzung der Fabrikmanager, einen Kontrollgang und Befragungen von Mitarbeitern. Allerdings wird nur alle drei Jahre neu kontrolliert, teilnehmende Marken dürfen ein Drittel ihres Volumens bei unauditierten Fabriken kaufen. Immerhin: Das Bewusstsein für solche Kriterien ist gestiegen, Kinderarbeit inzwischen höchst selten. Auch Rana Plaza hatte ein BSCI-Siegel – geprüft vom Tüv Rheinland, der damals nur mit einem Sozial-Prüfer in dem Land arbeitete. Heute sind es drei.
Im Accord haben sich viele europäische Marken und Händler zusammengeschlossen, die in Bangladesch einkaufen. Sie verpflichten sich rechtlich bindend, nur bei von der Organisation geprüften Fabriken zu kaufen. Einbezogen sind auch Regierung und Arbeiter-Organisationen. Derzeit untersuchen westliche Bauingenieure die Fabriken, die für die Teilnehmer produzieren. Einige wenige werden ausgeschlossen, die meisten bekommen Auflagen für den Umbau, die sie innerhalb einiger Monate erfüllen müssen. Die Marken wollen teilweise Sicherheitsumbauten kofinanzieren. Die ersten Berichte stehen bereits im Netz. Das US-Pendant zum Accord heißt Alliance.
Es gibt für Mode kein einheitliches Siegel, das sowohl Umwelt- als auch Arbeitsstandards zusammenfasst. Ein grünes Label mit weißem Hemd steht für „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) – zu den Kriterien gehören das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit sowie die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Ein rot-weißes Label mit dem Aufdruck „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“ findet sich auf Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Seide. Es steht auch für die Einhaltung von Sozialstandards am Arbeitsplatz und die Einhaltung geregelter Arbeitszeiten. Auch das Öko-Zeichen „Textiles Vertrauen nach Oeko-Tex Standard 100plus“ steht mit für die Einhaltung von Sozialkriterien.

„Build your Trust“,  wirbt Heidelcement in meterhohen Buchstaben auf nacktem Beton ausgerechnet in der Industriestadt Savar, in der die Fabrik Rana Plaza einstürzte. Weniger Meter entfernt, verborgen hinter einer Stahlwand, wühlen noch immer Menschen in den Trümmern nach Brauchbarem. Neben ihnen erinnert eine Skulptur, zwei Hände kreuzen Hammer und Sichel, an die Opfer.

Um die Unglücksstelle drängt das Leben. Durch die  Straße schieben sich die Rikschas, daneben schleift ein Handwerker auf einem riesigen Rad Scheren, rasiert ein Barbier seine Kunden unter freiem Himmel, stoben die Fliegen um einen Stand mit frischen Erdbeeren. Rana Plaza stürzte vor einem Jahr an einer belebten Verkehrsstraße ein, mitten zwischen Marktständen und langen dunklen Einkaufspassagen für T-Shirts und billige Schuhe.

Savar ist ein riesiger Heimwerkermarkt für Großprojekte. Direkt neben der Einsturzstelle verkauft ein Laden Stahlmonierungen für die Stahlbeton-Skelette der oft illegalen Bauten, die anschließend mit Steinen aus den qualmenden Ziegeleien am Fluss ausgemauert werden sollen. Egal wohin der Blick von der maroden Fußgängerbrücke über die Hauptstraße schweift: Überall ragen halbfertige Betonskelette in die Höhe, wagemutig konstruiert, von Bambusstangen gestützt. Wer nur professionelle Bauten stehen lassen wollte, müsste von Savar fast alles abreißen.

Und da soll sich ausgerechnet die Textilindustrie, deren Hauptargument Billigpreise sind, an die Regeln halten? Fabriken, in denen Tausende Arbeiterinnen T-Shirts für zwei Dollar nähen?

Nähen für 49 Euro im Monat: Die Fabriken sind gerade für Frauen oft die einzige Gelegenheit, Arbeit zu finden.

Foto: Handelsblatt

Im April 2013 hat der Verein Rank a Brand, eine Initiative, die in Deutschland und in den Niederladen aktiv ist, zum ersten Mal die soziale und ökologische Nachhaltigkeit von zwölf in Deutschland aktiven Supermärkten und Discountern untersucht. Nun erfolgte die Veröffentlichung des „Branchenbericht 2013 – Supermärkte / Discounter“. Der Untersuchung und der Erstellung des Berichts ging eine bundesweite Verbraucherbefragung zur Bestimmung von Deutschlands populärsten Supermärkten und Discountern voraus. Die Ergebnisse im Überblick.

Foto: Imago

Bei der Untersuchung wurden drei Themenbereiche als Grundlage festgelegt: Klimaschutz, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen bzw. fairer Handel. Die Fragestellungen in den einzelnen Kategorien können Sie detailliert in der Studie nachlesen.

Foto: dpa

Schlusslicht: Aldi Nord

Von den insgesamt zwölf untersuchten Märkten schneidet der Discounter Aldi Nord am schlechtesten ab.

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Im Gegensatz zur Konkurrenz veröffentlicht Aldi Nord zum Zeitpunkt der Untersuchung (April 2013) keinen Nachhaltigkeitsbericht. Immerhin hat Aldi Nord auf seiner Website Informationen zur Nachhaltigkeit publiziert. Für die Initiatoren der Untersuchung macht es den Eindruck, dass, je allgemeiner die Informationen sind, desto weniger aktiv im Management an Zielen und Vorgaben gearbeitet wird.

Klimaschutz: Auch über betriebliche Klimaschutzmaßnahmen berichtet Aldi Nord nicht. Wie alle anderen Märkte auch, kann der Discounter außerdem keine ausreichende Reduktion des CO2-Ausstoßes in den letzten Jahren aufweisen und der Anteil an erneuerbaren Energien im Unternehmen ist geringer als 25 Prozent. Von maximal 6 möglichen Punkten bekam Aldi Nord 0.

Umweltschutz: Mangelnde Transparenz und auf ganzer Linie – 0 Punkte. Das schaffen nicht viele im Ranking. Rank a Brand kritisiert unter anderem den Umgang mit Papier, weniger als ein Prozent Bio-Produkte am Gesamtverkaufswert, fehlende Maßnahmen zur Abfallreduktion, keine Strategie zum Gebrauch von nachhaltigem Palmöl und den fehlenden Ausschluss von Käfigeiern.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Auch die Ergebnisse zum fairen Handel sind ernüchternd und Aldi Nord bekommt keinen einzigen Punkt. Das zeige, dass die untersuchten Themenbereiche keine hohe Relevanz für ihre strategische Ausrichtung haben, so Rank a Brand. Das könnte allerdings auf lange Sicht Verluste an Reputation und Kundschaft bedeuten, denn die Kunden legen darauf immer mehr Wert.

Foto: dapd

Platz 11: Netto

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Der Lebensmitteldiscounter Netto verfolgt wie Aldi Nord auch eine größtenteils oberflächliche und unvollständige Kommunikationsarbeit zum Thema Nachhaltigkeit. Auf der Webseite verweist der Discounter in einem Unterpunkt auf den Blauen Engel. Klickt man auf die Seite, erhält man allgemeine Informationen über das Siegel, jedoch keine Hinweise über die Verwendung des Siegels bei Netto. Dafür gibt es im Ranking 0 Punkte.

Klimaschutz: Immerhin einen Punkt bekommt der Discounter für eine allgemeine Klimaschutzstrategie von den Experten anerkannt. Trotzdem ist es dem Händler nicht gelungen, den C02-Fußabdruck in den letzten fünf Jahren um zehn Prozent zu reduzieren. Auch den Anteil erneuerbarer Energien sucht man bei Netto besser mit der Lupe.

Umweltschutz: Zum Verkaufswert von Bio-Produkten macht Netto keine Angaben. Und auch zur Frage, ob bei Eigenmarken auf Käfigeier verzichtet wird, schweigt sich der Discounter aus. 0 Punkte gibt es auch beim Thema Tierschutz, da Netto keine klare Strategie vorweisen kann, die Tierschutzstandards für sein Angebot über den gesetzlichen Standard hinaus zu erhöhen.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Hier steht Netto nicht alleine da, denn kaum eine Marke hat das Thema Arbeitsbedingungen bei tropischen Produkten wie Kakao, Kaffee, Tee, Reis oder tropischen Früchten auf der Agenda. Schlechte Arbeitsbedingungen sind hier laut Ranking die Regel.

Foto: mauritius images / imagebroker

Platz 10: Lidl

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Oberflächlich und unvollständig kommuniziert auch der Discounter-Riese Lidl zum Thema Nachhaltigkeit. Es gibt allgemeine Informationen auf der Homepage, aber dabei ist nicht zu erkennen, wie die Themenfelder ausgesucht wurden, bzw. warum sie relevant sind.

Klimaschutz: Einen Bewertungspunkt (von 6 möglichen) bekommt der Discounter dafür, dass er über betriebliche Klimaschutzmaßnahmen, um den CO2-Ausstoß zu minimieren, informiert.

Umweltschutz: Ins Schweigen hüllt sich Lidl, wenn es um den Papierverbrauch geht, während andere Marken darüber informieren, dass sie Umwelt-Papier benutzen und weniger Papier verbrauchen. Verbraucher erfahren auch nicht, wie hoch der Anteil der verkauften Bio-Produkte ist. Immerhin arbeitet Lidl mit der „Marine Resources Assessment Group“ zusammen, um eine auf Dauer nachhaltigere Fischeinkaufspolitik zu betreiben. Jedoch wird keine Liste mit Fischarten offengelegt. Überhaupt keine Informationen gibt es zum Thema Käfigeier bei Eigenmarken und auch bei Tierschutzstandards fehlt eine klare Strategie.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: In diesem Bereich geht es vor allem um Zertifizierungen wie Fairtrade, Rainforest Alliance oder UTZ für Eigenmarken, die bestimmte Sozialstandards garantieren. Immerhin kommuniziert Lidl den Verkauf von Fairtrade-Produkten, doch weitere Details zum Sortiment bleibt der Konzern schuldig.

Foto: ZB

Platz 9: Aldi Süd

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Auch bei Aldi Süd ist auf der Homepage mit den allgemeinen Informationen nicht zu erkennen, warum welche Themenfelder warum ausgesucht wurden. Dadurch, dass keinem Standard gefolgt wird, scheint Aldi Süd für sich selbst zu definieren, was Nachhaltigkeit bedeutet und wie darüber berichtet wird.

Klimaschutz: Aldi Süd ermittelt und berichtet nicht über die CO2-Bilanz der eigenen Geschäftsbereiche.

Umweltschutz: Zum Verkaufswert der angebotenen Bio-Produkte macht Aldi genauso wenig Angaben wie zum Papierverbrauch. Besser sieht es beim Thema Fisch aus: Aldi hat alle gefährdeten Arten aus dem Sortiment genommen. Trotzdem schafft es der Discounter nach eigenen Angaben nur, die umweltschädlichsten Fischereimethoden zu „minimieren“ und nicht komplett zu vermeiden. Tierschutzstandards, die über gesetzliche Anforderungen hinausgehen, gibt es nicht bei Aldi Süd.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Wie alle anderen Märkte auch, berichtet Aldi Süd nicht über zertifizierte Sortimentsanteile an Kakaoprodukten, Kaffee, Tee, Reis, Zucker oder tropischen Früchten und eine faire Einkaufsstrategie.

Foto: picture alliance/dpa

Platz 8: Kaufland

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Das Unternehmen Kaufland kommuniziert auch nur allgemein über seine Website und kann hier nur einen Bewertungspunkt von 6 möglichen erreichen.

Klimaschutz: Immerhin gibt es eine Strategie zum betrieblichen Klimaschutz. Eine ausreichende CO2-Reduktion in den letzten Jahren kann Kaufland jedoch nicht aufweisen.

Umweltschutz: Beim Umgang mit Fisch präsentiert Kaufland eine ausgearbeitete Einkaufspolitik, die im Laufe der Jahre umgesetzt werden soll, kommuniziert aber keine klaren Zielvorgaben und berichtet auch nichts über erreichte Ziele. Beim Tierschutz werden die gesetzlichen Standards eingehalten, während zum Papierverbrauch entweder keine ausreichende Strategie existiert oder darüber nicht hinreichend kommuniziert wird. Einen Pluspunkt gibt es für den Einsatz von nachhaltig angebautem Palmöl für die Eigenmarkenprodukte.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Zwar kommuniziert Kaufland den Verkauf von Fairtrade-Produkten, zu allem anderen hält sich die Supermarkt-Kette jedoch bedeckt. Das Thema fairer Handel scheint nicht so recht auf der Agenda zu stehen.

Foto: Rolf Schultes

Platz 7: Edeka

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Auch bei Edeka haben die Macher des Rankings den Eindruck, dass im Management nur wenig aktiv an Zielen und Vorgaben zur Nachhaltigkeit gearbeitet wird. Das Thema taucht zwar auf der Homepage auf, es fehlen aber konkrete Informationen zu den angesprochenen Themengebieten.

Klimaschutz: Betriebliche Klimaschutzmaßnahmen existieren, wofür es einen Punkt bei Edeka gibt. Über die CO2-Bilanz der eigenen Geschäftsbereiche wird jedoch nicht berichtet.

Umweltschutz: Keine Informationen gibt es zum Papierverbrauch und zum Anteil der verkauften Bio-Produkte. Pluspunkte gibt es, weil bis 2015 nur noch „nachhaltig“ angebautes Palmöl und Soja als Tierfutter für die Eigenmarken verwendet werden soll. Edeka hat außerdem alle gefährdeten Fischarten aus dem Sortiment genommen und zeigt eine Liste dieser Fischarten auf. Das Ranking kritisiert jedoch, dass es hier keine überzeugende Stellungnahme zu Fischereimethoden gibt.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Die Ergebnisse zum fairen Handel sind leider auch bei Edeka ernüchternd und den Initiatoren nur einen Bewertungspunkt wert.

Foto: dpa

Platz 6: Real (Metro)

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Die Metro-Tochter Real berichtet nach GRI-Standard mit dem Level B, was im Ranking honoriert wird. Die Guidelines der sogenannten Global Reporting Initiative haben sich international als Standard der nachhaltigen Berichterstattung etabliert. Sie sind entstanden und werden weiterentwickelt in einer Kooperation von hunderten Unternehmen, Investoren, Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfern, Verbänden, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Wissenschaftlern.

Klimaschutz: Punkte gibt es auch für eine betriebliche Klimaschutzstrategie und für das Ermitteln einer CO2-Bilanz für die eigenen Geschäftsbereiche bis hin auf zur Emissionseffizienz pro Quadratmeter. Demnach hatte Real (bzw. Metro) zwischen 2011 und 2012 einen Anstieg des CO2-Ausstoßes von 1,4 Prozent. Bis 2020 will die Metro Group ihren Ausstoß um 20 Prozent reduzieren, mit 2011 als Basisjahr.

Umweltschutz: Informationen zum Papierverbrauch gibt es bei Real nicht. Dafür liegt der Anteil von verkauften Bio-Produkten bei mindestens drei Prozent. Beim Fisch hat Real alle „stark bedrohten“ Arten aus der Liste der „International Union for Conservation of Nature“ aus dem Sortiment genommen, führt jedoch nach eigenen Angaben weiterhin „bedrohte“ und „gefährdete Fischarten.“

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Insgesamt gibt es von den Initiatoren hier nur einen Punkt für Real.

Foto: dpa

Platz 5: Kaisers/Tengelmann

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Auch Kaisers/Tengelmann berichtet nach GRI-Standard mit dem höchsten Level A+, was bedeutet, dass der Nachhaltigkeitsbericht auch extern bestätigt wurde.

Klimaschutz: Honoriert wird bei dem Supermarkt die eigene CO2-Bilanz und der betriebliche Klimaschutz. Leider liegen zur aktuellen Klimabilanz keine vergleichbaren vergangenen Daten vor. Bis 2020 will Kaisers/Tengelmann aber 20 Prozent weniger CO2-Ausstoß vorweisen. Pluspunkte gibt es bei Kaisers für den 100-prozentigen Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien.

Umweltschutz: Keine Informationen zum Papierverbrauch. Umgang mit Fisch: Kaisers behauptet, alle gefährdeten Fischarten aus dem Sortiment genommen zu haben. Es ist aber unklar, welche Fischarten das betrifft. Umgang mit Eiern: Noch in diesem Jahr will Kaisers auf Käfigeier in Eigenmarken verzichten. Keine oder unzureichende Strategien gibt es beim Einsatz von Palmöl und Soja als Tiermastfutter.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Nur einen von insgesamt acht Punkten gibt es beim Thema fairer Handel.

Foto: ecopix Fotoagentur

Platz 4/Platz 3: Penny & Rewe

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Die Rewe-Tochter Penny berichtet ebenfalls, wie auch die Mutter Rewe, nach GRI-Standard mit dem Level B+, was für eine erfolgte Wirtschaftsprüfung steht.

Klimaschutz: Der Discounter und sein Mutterkonzern berichten über eigene Klimaschutzmaßnahmen und beide ermitteln eine eigene C02-Bilanz für die verschiedenen Geschäftsbereiche und pro Quadratmeter. Zwischen 2008 und 2010 musste die Rewe Group einen Anstieg des CO2-Ausstoßes um sieben Prozent verbuchen. Bis 2020 will der Konzern aber die Emissionen um 30 Prozent senken, in Bezug auf das Basisjahr 2006. Auch Rewe und Penny geben an, dass sie 100 Prozent erneuerbare Energie verwenden. Die Quellen des Strombezugs werden dabei allerding noch eher ungenau angegeben. Trotzdem schneidet Rewe insgesamt mit vier von sechs Punkten am besten ab, vor den Bio-Supermärkten.

Umweltschutz: Rewe und Penny verwenden zu 99,7 Prozent FSC-zertifiziertes Papier, das die Umwelt schont. Damit nehmen sie eine Vorreiterrolle ein. Der Verkaufswert von Bio-Produkten lag 2010 bei 2,75 Prozent und beim Thema Fisch erklärt Rewe, schrittweise alle gefährdeten Arten aus dem Sortiment zu nehmen. Penny gibt an, „bewusst“ Fisch einzukaufen, macht aber keine genauen Angaben dazu, was „bewusst“ heißt und welche Fischarten das ausschließt.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Rewe und Penny garantieren erhöhte Tierschutzstandards für Legehennen und, dass keine Käfigeier mehr in ihren Produkten zu finden sind. Bei der Geflügelhaltung überzeugt Rewe mit dem unternehmenseigenen Label „Pro Planet“. Es geht über gesetzliche Standards hinaus. In diesem Rahmen erhöhen die Supermärkte auch den Anteil an „nachhaltigem“ Soja als Tierfuttermittel. Dasselbe gilt für den Einsatz von Palmöl.

Foto: dpa

Platz 2: Bio Company

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Der Biosupermarkt-Filialist mit Hauptsitz in Berlin landet auf dem zweiten Platz, und dass, obwohl Bio Company nicht nach GRI-Standard berichtet. Stattdessen kommuniziert das Unternehmen relevante Informationen vorwiegend über die Internetseite in Form von Blogeinträgen und zwölf Punkten, für die Bio Company steht. Auch hier gibt es aber keinen kompletten Aufschluss über die tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung in den relevanten Bereichen.

Klimaschutz: Es existiert ein betrieblicher Klimaschutz, jedoch keine CO2-Bilanz der eigenen Geschäftsbereiche. Der Strom kommt dafür zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

Umweltschutz: Da Bio Company ein Bio-Supermarkt ist, liegt der Anteil verkaufter Bio-Produkte bei 100 Prozent. Also gibt es auch einen erhöhten Tierschutz für Legehennen, Geflügel, Schwein und Rindfleisch und mindestens zu 99 Prozent nachhaltigen Fisch im Regal.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Bio Company hat außerdem eine eigene Fair-Trade-Strategie für Kleidung oder Elektronik und achtet auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Zuliefererkette. Man muss aber erwähnen, dass der Bio-Supermarkt fast ausschließlich Lebensmittel verkauft.

Foto: Handelsblatt

Platz 1: Alnatura

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Auch der erstplatzierte Supermarkt Alnatura berichtet wie die Bio Company nicht nach GTI-Standard. Der Bio-Supermarkt aus Bickenbach hat aber Grundprinzipien, die die Initiatoren überzeugen und mit in die Bewertungen einfließen konnten. Darüber informiert Alnatura in einer eigenen Broschüre. Kritikpunkt: Die Broschüre gibt keinen kompletten Aufschluss über die tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung in den relevanten Bereichen und ersetzt keinen Nachhaltigkeitsbericht.

Klimaschutz: Es gibt einen betrieblichen Klimaschutz, aber keine gesonderte CO2-Bilanz für eigene Geschäftsbereiche. Dafür kommt der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

Umweltschutz: Für den Papierverbrauch nutzt Alnatura zertifiziertes Umweltpapier und der Verkaufswert biologischer Lebensmittel liegt bei 100 Prozent. Alnatura hat außerdem per se durch das Biosortiment Tierschutzstandards, die über die gesetzlichen Standards hinaus gehen. Was hingegen nicht existiert (bei keinem der untersuchten Supermärkte im Ranking) sind Maßnahmen zur Abfallreduktion oder zu einem geringeren Verbrauch von Plastiktüten.

Arbeitsbedingungen/Fairer Handel: Bei fairen Arbeitsbedingungen zur Herstellung der Produkte hält sich Alnatura bedeckt.

Foto: dpa

Längs der Straße streben Frauen pulkweise zu einem Fabrikeingang. Bunte Buchstaben bilden riesig  die Worte „No Childlabour“ auf dem Tor. Konsequenterweise verbietet ein weiteres Schild Kindern den Zugang, bei Journalisten erledigt das ein Wachmann in Flecktarn. Kein Zutritt.

Schon von außen fällt auf: Die oberen drei der wohl sechs Geschosse sind noch im Rohbau, weil die Fabrik erweitert wird,  während unten der Betrieb voll läuft. Die Al-Muslim-Gruppe, der der Betonklotz gehört, produziert laut Selbstdarstellung im Internet unter anderem für H&M, Esprit, C&A, Carrefour, Tesco und Gap – und das Gebäude solle noch auf elf Stockwerke wachsen, ist dort zu lesen.

Einige Meter weiter die Straße hinunter ist Aman Knittings bei der Selbstdarstellung schon weiter: Am Fabriktor informieren englischsprachige Tafeln über Einsparungen bei Wasser, Strom und Treibhausgas. Der Brandschutz fällt demonstrativ gründlich aus: Sechs Wassereimer stehen schon am Fabrikeingang.

Im Besprechungszimmer hängen die Compliance-Regeln eines Partners an der Wand. Energiesparen helfe, die Kosten im Griff zu haben, sagt Vize-Fabrikchef Nazmul Huda Ahmed, der spontan Auskunft gibt. Zugleich könnten die Modermarken so ihre eigenen Öko-Labels mit Inhalt füllen. Nur das Fair-Trade-Label kann die Fabrik momentan nicht mehr anbieten – es fehlt an zertifizierter Baumwolle.

Ahmed berichtet, die Fabrik sei in nur zwei Jahren nach der Gründung 2012 von 50 auf knapp 2000 Mitarbeiter angewachsen. „Die Kapazitäten sind mit den Kunden gewachsen“, sagt er. Als Personalchef müsse er daher jetzt für ein gutes Gehalt und ein gutes Arbeitsklima sorgen. Ahmed hat für das Wachstum Arbeiterinnen per Anzeige angeworben. Daher zahle er inzwischen häufig nur in den ersten vier Monaten der Einarbeitung den Mindestlohn von 5300 Taka (49 Euro), anschließend einen Zuschlag. Bei Bedarf würden die Arbeiterinnen auch mal zwei Stunden länger bleiben.

Nach dem Unfall in Rana Plaza habe sich etwas verändert, berichtet Ahmed: Die Markeneinkäufer fragten jetzt regelmäßig nach Feuerlöschern. „Außerdem sind die meisten Textilmanager sehr vorsichtig im Umgang mit Journalisten geworden“, sagt er. Für ihn sei aber klar: „Sicherheit und gute Preise sind zusammen machbar.“ Deshalb sei die Fabrik absichtlich kein Hochhaus. Allerdings ist er mit der Gewinn-Marge von 2,5 Prozent noch nicht zufrieden, er will sie auf fünf Prozent steigern – für ihn das Branchenniveau in Bangladesch.

Die Fabrikmanager in Bangladesch wissen inzwischen genau, was westliche Einkäufer sehen und hören wollen. Sie beteuern, die Arbeitszeiten einzuhalten: acht Stunden regulär, maximal vier Überstunden, freitags frei. Qualifizierte Näherinnen bekämen die vorgeschriebenen Zuschläge, würden inzwischen fast so viel verdienen wie ein fleißiger Rikscha-Fahrer. Viele Fabriken haben Kantinen und Kindertagesstätten – obwohl die meisten Näherinnen ihre Kinder bei Verwandten vor Ort oder gleich in ihrem Heimatdorf lassen. Schließlich teilen sich die meisten winzige Zimmer in den Slums der Hauptstadt. Nur so bleibt Geld übrig, um es an die Familie auf dem Land zu schicken.

Für Amirul Haque Amin spiegelt die Darstellung der Fabrik-Manager nicht unbedingt die Realität wider. Er ist der Kopf hinter den regelmäßigen Protesten NGWF. Vor 30 Jahren hat Amin als politisch bewegter Student die Arbeiterorganisation mitgegründet, heute vertritt er 48.000 Menschen.

70 Prozent aller Fabriken behaupteten, sich an die Regeln zu halten – bei bis zu 60 Prozent sei das tatsächlich weitgehend der Fall, sagt Amin. „Das Problem sind vor allem die kleinen Fabriken“, meint er. An die schäbigen Buden geben vorzeigbare Fabriken häufig Aufträge weiter, wenn sie sich zu viel Arbeit aufgehalst haben – ohne dass die Einkäufer der Marken etwas davon erfahren. Die chaotischen Betriebe ohne professionelles Management zahlten teilweise den Mindestlohn nicht aus, notierten die Überstunden nicht und seien unsicher. Und in allen Fabriken versuchten die Behörden, die Gründung von Betriebsgewerkschaften zu erschweren.

Doch Amin sieht auch Fortschritte. Nach teils gewalttätigen Arbeiterprotesten hat die Regierung im Wahlkampf Ende 2013 den Mindestlohn deutlich erhöht. Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist er um 219 Prozent gestiegen. „Der Mindestlohn muss weiter steigen, bis er zum Leben reicht. Aber wenn die internationalen Modemarken sich weigern, mehr zu zahlen, wird es für die Unternehmer aus Bangladesch schwierig, das umzusetzen“, sagt er. Im Januar hatte selbst der bangalische Textilunternehmer-Verband BGMEA eingestanden, nur 60 Prozent der Fabriken in Dhaka nach dem neuen System zahlten.

Mit seinen Aktionen macht sich Amin nicht nur Freunde. Seine Gegner halten ihn für eine Art politischen Unternehmer: Seine Organisation unterstützt Arbeiter etwa dabei, nach Entlassungen ihnen zustehende Abfindungen von den Fabriken einzutreiben. Die NGWF behalte davon die Hälfte ein, kritisiert ein Fabrik-Besitzer – selbst wenn er die Abfindung sowieso zahlen würde. Und jetzt kämpfe Amin eben um Entschädigungen für die Rana-Plaza-Opfer.

So sind die Fronten in Bangladeschs Textil-Industrie ein Jahr nach dem Unglück unklar: Es gibt kein klares Gut und Schlecht. Das weiß auch Nurul Haque. Er ist Beamter in der staatlichen Brandschutzbehörde – und hat einen realistischen Blick. Wenn er mit seinem Inspektoren-Team im klimatisierten Mitsubishi mit Martinshorn am Stau vorbei auf der Gegenfahrbahn zu einer Fabrik brettert, ist keiner der Männer angeschnallt. Das Leben im Dhaka, wo die Bauarbeiter ohne Gerüst und Helm an Hochhäusern arbeiten und die Tuberkulose in die Slums zurückkehrt, ist eben gefährlich.

Haque zeigt immer wieder auf die oberen Stockwerke von Häusern an den Hauptstraßen. „Da oben ist wieder eine Fabrik in ehemaligen Wohnungen. Da reichen die Treppenhäuser nie und nimmer für eine Evakuierung. Eigentlich müsste wir das alles schließen“, sagt er. Erst vor wenigen Monaten war der Brandinspekteur bei einem Kongress in Korea, er kennt die internationalen Standards. Sprinkleranlagen, Flachbauten statt übereinandergestapelte Fabriketagen.

„Natürlich machen wir immer wieder Kompromisse“, sagt Haque. „Man muss auch diese Seite sehen: Was machen diese Leute, wie ernähren sie ihre Kinder, wenn wir hier alles schließen?“ Wer von den westlichen Marken aussortiert werde, könne möglicherweise mit chinesischen Kunden weitermachen, die weniger auf Sicherheit bedacht seien.

Dennoch bereitet die europäische Initiative Accord, in der sich 150 Marken und Händler zusammengeschlossen habe, um selbst Fabriken zu auditieren, den Feuerwehrleuten in dem Auto Genugtuung - werden ihre eigenen Schließungen doch oft von korrupten Politikern im Arbeitsministerium zurückgenommen. Die Feuerwehrleute lachen: „Der Accord hat eine Fabrik geschlossen, die sieben Stockwerke hatte, aber nur für vier genehmigt war“, erzählt einer der Männer. „Was glaubt ihr, wem sie gehört hat: einem Abgeordneten. Und der will von nichts gewusst haben, angeblich war sein Vater verantwortlich!“

Angekommen an einer Fabrik preist Abdun Nayeem, Fabrikmanager der örtlichen Palmal-Gruppe und ehemaliger Armee-Offizier, vor den Inspektoren den Brandschutz in seiner sechsstöckigen Fabrik. 2000 Menschen arbeiten hier, nähen für Marken wie C&A, Walmart, H&M, Benetton, Carrefour und Woolworths.

Für 15 Millionen Taka (140 000 Euro) habe er Sprinkler-Systeme im Lager nachgerüstet, sagt Nayeem. Das habe auch 15 Ingenieure der westlichen Marken-Initiative Alliance überzeugt, beteuert er. Alliance ist das Pendant der US-Marken zum europäischen Verbund Alliance. So macht inzwischen fast jeden Tag macht eine andere Organisation oder ein Einkäufer eine Inspektion bei Palmal. „Wir arbeiten für die Marken – deshalb müssen wir da mitmachen“, sagt Nayeem. Doch letztlich komme es auch ihm selbst zugute: „Die meiste Zeit bin ich hier – also geht es auch um meine Sicherheit.“

Die Inspektoren begutachten Feuerlöscher und Sprinkler-Anlagen. Haque befragt eine Arbeiterin an der Nähmaschine, was sie tue, falls ihre Kleidung brenne. Mit der Antwort ist der Beamte zufrieden: „Ich wälze mich auf dem Boden.“

Die Arbeiterin wirft die Nähmaschine wieder an, greift ein Teil vom Stoffhaufen, macht ihre Naht, wirft das Teil weiter zur nächsten Näherin. Zehn Nähte sind an dem Pullover zu machen, dann geht er zum Bügeltisch, wo mehrere Männer die Teile plätten, anschließend geht es weiter zum verpacken. Angeblich sind alle Arbeiter mindestens 18 Jahre alt – auch wenn einige der mehreren Hundert Menschen auf der Etage recht jung aussehen.

Während sich die westlichen Einkäufer bei den Sozialstandards und den Mindestlöhnen gern auf die bangalischen Regeln zurückziehen, setzen sie nach Rana Plaza bei den Sicherheitsstandards eigene, schärfere Regeln. Schließlich haben die Fernsehbilder von dem Einsturz und den weinenden Angehörigen ihre Kunden in Europa verschreckt – obwohl Sicherheit deutlich weniger kostet als höhere Löhne. Deshalb stellen die neuen Sicherheits-Initiativen Accord und Alliance eilig strenge Regeln auf, während das bereits 2003 von der Industrie gegründete Sozial-Siegel BSCI vielen Kritikern als zu lasch gilt.

Der Eifer der Marken gefällt nicht allen. Denn die Textilindustrie ist eine Macht im Land – viele Textilindustrielle sind zugleich Politiker. Die Branche ist fast die einzige Gelegenheit, zu Wohlstand zu kommen. Nur 22 Milliarden Euro jährliches Exportvolumen hat Bangladesch, davon entfallen 16 Millionen Euro auf Textilien. Weit über 5000 Fabriken beschäftigen 4,4 Millionen Menschen, darunter 80 Prozent Frauen.

Den Erfolg will sich die bengalische Politik nicht kaputt machen, will keine Arbeiter aus prekären Fabriken in die grassierende Arbeitslosigkeit schicken  – so wie die Mode-Leute aus Europa und den USA nicht auf das Billiglohnland verzichten wollen. Es gibt immer noch viele gewissenlose Einkäufer, die allein auf den Preis achten, etwa für T-Shirts mit Werbeaufdruck. Denn wer keine großen Marken vertritt, muss nicht ums Image fürchten.

Und so verändert der Schock nach dem Fabrikeinsturz einiges – aber nicht genug. Hinter vielen Fenstern entlang der Hauptstraßen in Dhaka brennt in den oberen Geschossen kein Licht mehr, die kleinen Fabriken, die berüchtigten Sweatshops, haben geschlossen. Doch dazwischen drehen sich immer noch die typischen Lüftungsventilatoren der Textil-Fabriken in den Fenstern der einstigen Wohnhäuser. An einer belebten Fabrik endet die Feuerleiter in der zweiten Etage. Arbeiter müssten im Ernstfall springen – wohl in den Tod. Es gibt noch viel zu tun in Bangladesch.

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Ein Dossier über die Situation in Bangladesch ein Jahr nach dem Fabrik-Einsturz finden Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

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