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Craft Beer von der Großbrauerei?Schluss mit dem Durchschnitts-Pils

Der Trend zum Craft Beer ist in Deutschland ungebrochen. Kleinbrauereien feiern große Erfolge. Doch die Großkonzerne drängen immer stärker mit neuen Biersorten in den Markt – oder kaufen die Mini-Brauer gleich ganz auf. 30.06.2015 - 13:47 Uhr Artikel anhören

„Dass große Hersteller damit Erfolg haben würde ich sehr bezweifeln“.

Foto: dpa

Frankfurt/Berlin. In den USA hat der Ausverkauf auf dem Biermarkt längst begonnen. Seit Jahren entwickelt eine steigende Zahl unabhängiger Kleinbrauereien neue Biersorten, verpasst ihnen ungewöhnliche Namen und hat damit eine ganz neue Szene von Bierliebhabern begründet. Jetzt passiert das Unausweichliche: Die großen Braukonzerne kommen und wollen sich auch etwas von steigenden Umsätzen mit dem sogenannten Craft Beer abzapfen.

AB Inbev (Beck's, Budweiser) kaufte zuletzt die Brauereien 10 Barrel Brewing im US-Bundesstaat Oregon, Blue Point auf Long Island und die Elysian Brewing Company aus Seattle. SAB Miller (Pilsner Urquell, Grolsch) pirscht sich mit der Übernahme der britischen Meantime Brewing Company an die europäischen Bierliebhaber heran. Wann wird auch in Deutschland der erste Craft-Beer-Brauer schwach?

Die größten Bierbrauer weltweit
BGI / Groupe Castel (Frankreich)Das französische Traditionsunternehmen BGI / Groupe Castel verkauft nicht nur Bier, sondern auch Wein und Soft Drinks. Insbesondere in Afrika sind die Franzosen mit ihren Marken Castel und Flag gut aufgestellt.Ausstoß (Mio. hl): 29,8*Quelle: Barth-Haas Group/Statista, alle Zahlen für 2015
Kirin (Japan)Die Japaner haben durchaus Sinn für ausgefallene Bierkreationen, entwarfen vor wenigen Jahren ein Frozen Beer. Obwohl die Brauerei, die zum Industriekonglomerat Mitsubishi gehört, ihre Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt vor zehn Jahren an Asahi abtreten musste, ist sie global führend.Ausstoß (Mio. hl): 43,1
Beijing Yanjing Beer Company (China)Yanjing ist der Durchstarter in Asien. In rasantem Tempo hat sich das Kleinunternehmen zu einem mächtigen Konzern im asiatischen Raum entwickelt. Die Gründung der Brauerei liegt nur gut 30 Jahre zurück.Ausstoß (Mio. hl): 48,3
Molson-Coors (USA/Kanada)Die Erfinder des Dosenbiers sind auch international längst eine Größe. 2012 übernahm das Unternehmen die tschechische Brauereigruppe StarBev, zu der auch Staropramen gehört. Dadurch gehören die Amerikaner vor allem in Osteuropa zu den führenden Brauern.Ausstoß (Mio. hl): 58,1
Tsingtao Brewery (China)Die Chinesen haben ihren Einfluss in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Als einer der Hauptsponsoren der olympischen Spiele von 2008 in Peking hat sich Tsingtao fest etabliert. Bereits seit 1972 vertreibt die Firma ihre Produkte auch in den USA.Ausstoß (Mio. hl): 70,5
China Resource Brewery (China)Dieses Unternehmen setzt auf Kompetenz aus Europa: Das Joint Venture aus dem chinesischen Unternehmen CR Enterprise und SAB-Miller aus Großbritannien produziert die Marke „Snowbeer“ für den chinesischen Markt. Und das durchaus erfolgreich. Wächst die Marke weiter wie bisher, dürfte bald im Ranking aufsteigen.Ausstoß (Mio. hl): 117,4
Carlsberg (Dänemark)Die Dänen haben sich längst von einer regionalen Marke zum Global Player entwickelt. Zu Carlsberg gehören auch die deutsche Kultmarke Astra sowie Lübzer und Holsten.Ausstoß (Mio. hl): 120,3
Heineken (Niederlande)Die Welt trinkt Heineken, möchte man meinen. Die Marke hat sich international längst etabliert. Heineken ist auch an den deutschen Marken Kulmbacher und Paulaner beteiligt.Ausstoß (Mio. hl): 188,3
SAB Miller (Vereinigtes Königreich)Die britische Brauerei ist berühmt-berüchtigt für das „Miller“. Die ur-amerikanische Marke gehört seit 2002 zum SAB-Miller-Konzern und hat sich die australische Traditionssorte Foster's einverleibt.Ausstoß (Mio. hl): 191,3
Anheuser-Busch Inbev NV/ SA (Belgien)Der amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriese kann seinen Marktenteil sogar weiter steigern. Mittlerweile stammt jedes fünfte Bier, das weltweit verkauft wird, aus dem Konzern. Die bekannteste deutsche Marke im Portfolio ist Beck's.Ausstoß (Mio. Hektoliter): 409,9

„Ich warte eigentlich nur darauf, dass das hier zum ersten Mal passiert“, sagt Nina Anika Klotz, Autorin des Craft-Beer-Blogs Hopfenhelden.de. „Denn dass große Hersteller damit Erfolg haben, unter ihren eigenen Markennamen Craft Beer zu verkaufen, würde ich sehr bezweifeln. Das passt nicht zur Idee der Szene.“

Aber was ist diese Craft-Beer-Idee? Was ist überhaupt Craft Beer? Die Frage ist zumindest in Deutschland noch nicht geklärt. Craft heißt auf deutsch Handwerk. Es geht also um handwerklich gebrautes Bier. Für viele in der Szene ist Unabhängigkeit von großen Konzernen wichtig und der Geschmack soll sich vom üblichen Pils-Mainstream abheben.

Verlässliche Zahlen zum Craft-Beer-Absatz in Deutschland gibt es nicht, aber laut Statistischem Bundesamt steigt die Zahl aller Brauereien – man kann davon ausgehen, das dies überwiegend kleine Hersteller sind.

Mit herkömmlichem Bier lassen sich zumindest in Europa und den USA kaum noch Umsatzsteigerungen erzielen. Der Bierabsatz geht dort seit Jahren zurück. Die Braukonzerne versuchen deshalb, ins sogenannte Premium-Segment zu kommen, sprich: Biere zu verkaufen, für die ihre Kunden mehr Geld zahlen.

Craft Beer gehört definitiv dazu. Bei zwei Euro für die 0,33-Liter-Flasche geht es in der Regel los, man kann aber auch locker mehr als 20 Euro auf den Tisch legen. Das liegt zum einen daran, dass Craft Beer sich einfach für mehr Geld verkaufen lässt. Zum anderen werden für die Herstellung aber oft auch mehr Hopfen und Malz – für intensiveren Geschmack – verwendet. Die Einkaufspreise der Rohstoffe für kleine Brauereien sind außerdem natürlich deutlich höher als für Beck's & Co.

Und wenn große Konzerne jetzt auch ins Craft-Beer-Business einsteigen, könnte sich das noch verschärfen.

Das sind die beliebtesten Biere Deutschlands
Der Absatz sank im Jahr 2015 auf 5,393 Millionen Hektoliter – und bedeutet für Oettinger damit den Verlust der Spitzenposition.
Die Marke verlor 2014 um 0,6 Prozent auf 5,47 Millionen Hektoliter.
Das Bier aus der Eifel verkaufte sich 2015 etwas schlechter als im Vorjahr. Der Absatz sank um gut 2,5 Prozent auf 3,84 Millionen Hektoliter.
Die Marke legte um 2,6 Prozent auf 2,77 Millionen Hektoliter zu.
2014 verzeichnete das Bremer Bier ein Plus von 1 Prozent auf 2,53 Millionen Hektoliter.
Bei der Marke aus dem Sauerland brach 2014 der Absatz um 8,4 Prozent auf 2,53 Millionen Hektoliter ein.
Das Bier aus Bayern verkaufte sich 2014 besser. Der Absatz stieg um 4,5 Prozent auf 2,45 Millionen Hektoliter.
Hier sank der Absatz um 6,9 Prozent auf 1,87 Millionen Hektoliter.
Von der Marke wurden 1,87 Millionen Hektoliter abgesetzt, 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Das Bier aus Bayern steigert den Absatz um 3,5 Prozent auf 1,82 Millionen Hektoliter omBier aus Bayern steigert den Absatz um 3,5 Prozent auf 1,82 Millionen Hektoliter
INSIDE-Marken-Hitliste 2014.

Georg-Augustin Schmidt trinkt einen Schluck von seinem Frankfurt Pale Ale. Er ist eigentlich Immobilien-Sachverständiger, hat aber im vergangenen Jahr die Mikrobrauerei Braustil eröffnet, auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle im Frankfurter Nordend.

Einen Wettbewerb mit großen Konzernen um seine Kunden fürchtet er zwar nicht, aber die Nachfrage nach speziellen Hopfensorten sei schon jetzt sehr hoch. „Wenn jetzt immer mehr Braukonzerne anfangen, Sorten aus der Craft-Beer-Szene nachzubrauen, dann dürfte die hohe Nachfrage zu noch höheren Hopfenpreisen führen.“

Beck's versucht, seit knapp zwei Monaten unter dem eigenen Markennamen unter anderem Pale Ale zu verkaufen – eine Biersorte, für die helles Malz verwendet wird. Beim Brauen verwenden sie die Hopfensorte Cascade, die in der Craft-Beer-Szene beliebt ist.

Der Start der neuen Biere sei „sehr erfolgreich gelaufen“, sagt ein Sprecher der Beck's-Mutter AB Inbev, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Man wolle die neue Produktlinie auch nicht als Craft Beer verkaufen und den Kunden etwas vorgaukeln. Aber den Wunsch der Verbraucher nach neuen Biersorten wolle Beck's trotzdem erfüllen.

Dass der Konzern nach den Übernahmen in den USA auch in Europa beginnt, Craft-Beer-Brauer aufzukaufen, hält der Sprecher für unwahrscheinlich. „Aktuell kommt das für AB Inbev nicht infrage. Es ist im Moment eher unsere Strategie, zum Beispiel Marken wie das belgische Leffe nach Deutschland zu holen.“ Das belgische Bier geht geschmacklich auch in die Richtung einiger Craft-Beer-Sorten.

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Bei Braustil in Frankfurt ist es derzeit ziemlich unwahrscheinlich, dass eine Großbrauerei als Käufer anklopft. Die Firma nehme zwar schon jetzt mehr ein als für den Anfang geplant war, sagt Braustil-Chef Schmidt. Aber mit einem Ausstoß von 660 Hektolitern im Jahr seien sie „einfach zu klein für einen Braukonzern“.

Er könnte Recht haben, denn in den USA hat der Craft-Beer-Markt inzwischen ganz andere Dimensionen. Blue Point, die AB Inbev Anfang des Jahres kaufte, hatten 2013 einen Bierausstoß von mehr als 70.000 Hektolitern – also mehr als das Hundertfache der Frankfurter.

dpa
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