Nestlé und Fischerei in Thailand
Sklavenarbeit auf den Kuttern des Lebensmittelmulti

Auf Koh Samui machen viele Deutsche Urlaub. Wenige Kilometer entfernt werden Arbeiter auf Fischkuttern ausgebeutet. Auch für den Fisch von Nestlé, das die Zustände untersuchen ließ – mit dramatischen Ergebnissen.

BangkokZulieferer von globalen Nahrungsmittelkonzernen aus der Fischereibranche beuten in Thailand Gastarbeiter aus – und setzen sie gefährlichen und erniedrigenden Arbeitsbedingungen aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht im Auftrag von Nestlé, der am Montag veröffentlicht wurde.

Geld für die harte Arbeit an Bord gibt es erst ab einem Jahr – so freimütig erzählten es die Manager eines Fangschiffs den von Nestlé geschickten Kontrolleuren. Die Arbeiter des Boots setzten noch einen drauf: Früher dürfe ohnehin niemand das Boot verlassen. Denn das Management behalte einfach die wichtigen Ausweispapiere. Die Arbeiter sind meist aus dem Ausland und darauf angewiesen.

Die Fangschiffe stehen in manchen Gegenden nur wenige Kilometer von den Touristenhochburgen entfernt. Die Kontrolleure inspizierten beispielsweise den Hafen von Surat Thani ganz in der Nähe der Ferieninseln Koh Phangan und Koh Samui. Dort reihen sich manchmal dutzende Kähne aneinander. Die Arbeiter darauf flicken Netze oder sortieren den Fang.

Es sind die wenigen Stunden, die sie überhaupt an Land sind. Innerhalb eines Monats legen die Schiffe meistens nur zwei oder drei Mal am Festland an. Die ganz großen Kutter kreuzen manchmal sogar ein ganzes Jahr durch die See.

Die thailändische Armee gibt sich mittlerweile entschlossen: Sie zeigt Werbefilme, auf denen Flugzeuge über kleinen Fischkuttern kreisen. Offiziere zeigen mit Stöcken auf die Routen der Schlepper und verdächtige Häfen. Die Botschaft: Wir nehmen den Kampf auf. Doch bisher hat der thailändische Staat mit ihrem Einsatz kaum jemand überzeugt. Seit Jahren beklagen die EU und die USA den Menschenhandel und die Sklavenarbeit in der Industrie.

Die Arbeit auf den Kuttern ist hart – und gefährlich. Auch im Golf von Thailand kann die See meterhohe Wellen schlagen. Die Männer rutschen oft Barfuß über Deck, das übersäht ist zermatschten Fischen und Innereien. Die Schiffe haben oft nur eine niedrige Rehling. Und dabei müssen die Männer oft auch in der Nacht auf den Schiffen hantieren.

In dem von der Organisation Verite verfassten Report heißt es, es gebe „Hinweise auf Zwangsarbeit, Menschenhandel und Kinderarbeit unter der Belegschaft auf See und an Land.“ Die Ergebnisse, die frühere Berichte der NGO über die Branche bestätigen, seien eine „dringende Herausforderung an jedes Unternehmen, das Fisch bezieht.“

Seite 1:

Sklavenarbeit auf den Kuttern des Lebensmittelmulti

Seite 2:

Vorbild Schokoladengeschäft

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%