Daimler Mit der „Schwarm-Organisation“ auf den Premium-Thron

Die wachsende Konkurrenz durch US-IT-Konzerne wie Google und Apple zwingt die traditionelle Autoindustrie, schneller zu agieren und ihre Strukturen zu überdenken. Daimler-Chef Zetsche setzt auf „Schwarm-Organisation“.
Eine „Schwarm-Organsiation“ die den Konzern komplett neu strukturiert, soll Daimler zurück an die Spitze der Premium-Autobauer bringen. Quelle: Reuters
Daimler-Chef Dieter Zetsche

Eine „Schwarm-Organsiation“ die den Konzern komplett neu strukturiert, soll Daimler zurück an die Spitze der Premium-Autobauer bringen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDaimler-Chef Dieter Zetsche will den deutschen Automobilbauer mit einem Konzernumbau fit für die Herausforderungen der Digitalisierung machen. „Wir stellen uns vor, dass wir kurzfristig, innerhalb von einem halben Jahr oder Jahr, rund 20 Prozent der Mitarbeiter auf eine Schwarm-Organisation umstellen“, sagte Zetsche der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Dabei sollen Mitarbeiter, die nicht in strikte Hierarchien eingebunden sind, für bestimmte Themen verknüpft werden.

Rund 1000 Führungskräfte und Mitarbeiter waren aufgefordert, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen, um die Unternehmenskultur von morgen zu erarbeiten. „Sie agieren unabhängig von Abteilungsgrenzen sehr autonom vernetzt, und das ist dann keinesfalls auf einzelne Projekte beschränkt, sondern eine dauerhafte Sache“, fügte Zetsche hinzu. Allein drei bis vier Prozent der Mitarbeiter sollen demnach in einem Schwarm tätig sein, der sich mit der Mobilität der Zukunft beschäftigt. Daimler habe dafür den Begriff „Case“ gewählt.

„'C' für connected cars, also die Digitalisierung des Verkehrs, 'a' für autonomes Fahren, 's' für shared mobility, also neue Geschäftsmodelle und 'e' für Elektrifizierung“, erklärte Zetsche. „Jede dieser Veränderungen für sich hat schon allein das Potenzial, alles auf den Kopf zu stellen. Für Daimler geht es ganz klar darum, in allen vier Feldern die führende Position zu belegen und vor allem das Zusammenspiel der Felder zu verstehen und zu nutzen.“ Statt bis zu sechs werde es nur noch zwei Hierarchiestufen geben. Bis 2020 soll das Konzept zur neuen Führungskultur vollständig umgesetzt werden.

Innovativ, leise und effizient
Vision Van von Daimler
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Autobauer Daimler hat ein neues Baby – wenn auch ein vergleichsweise großes. Mit dem sogenannten „Vision Van“ will Daimler durch die vernetzte Logistik der Großstädte steuern.

Mercedes-Benz Van Innovation Campus
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Daimler kündigte an, bis zum Jahr 2020 eine halbe Milliarde Euro in neue Ideen rund um Transporter und Lieferdienste investieren zu wollen. „Das kann auch schnell mehr werden“, sagte der Chef der Transporter Sparte, Volker Mornhinweg.

Logistischer Fortschritt
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Vorgestellt wurden unter anderem Lieferwagen mit automatischer Beladung. Um den logistischen Aufwand entscheidend zu mindern, sollen Roboter automatisch beladen werden und Pakete verteilen können.

Intelligente Landeplätze
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Das Auto soll elektrisch fahren und digital vernetzt sein. Eine spektakuläre Neuerung dabei ist eine Drohne an Bord, die ein Paketzusteller zusätzlich zur persönlichen Zustellung an der Haustür einsetzen könnte. Auf dem Auto selbst befindet sich ein entsprechender Landeplatz.

Mehr Service, weniger Lärm
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Dank Bordcomputer sollen Kunden besser über die Zustellung auf dem Laufenden gehalten werden. Der leise Elektromotor soll die Lärmbelästigung reduzieren.

Automatischer Laderaum
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Zu den Produktideen der Zukunft gehört auch ein vollautomatisierter Laderaum, der entsprechend nach der Tourenplanung die Pakete ausspuckt und dem Fahrer das häufige Sortieren erspart.

Schneller und effizienter
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Der „Vision Van“ soll den neuen Anforderungen des E-Commerce gerecht werden und die Zustellung deutlich effizienter machen – denn heutzutage werden viele Wege umsonst zurückgelegt.

Zetsche, der seit mehr als zehn Jahren sowohl den Konzern wie auch den Geschäftsbereich Mercedes führt, bekräftigte dabei den Anspruch trotz wachsenden Konkurrenz durch BMW und Audi die Krone als weltweit größter Premiumautobauer zurückerobern und zu verteidigen. „Im Augenblick haben wir das neueste Produktportfolio, aber das verschiebt sich in den nächsten Jahren auch wieder“, erklärte der Vorstandschef. „Es wird also nicht leichter. Aber ja, wir werden auch 2020 vorne sein.“ Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz ist dank Neuauflagen in der kompletten Modellpalette seit dreieinhalb Jahren auf Wachstumskurs. In diesem Jahr könnte es den Schwaben gelingen, die vor zehn Jahren an BMW verlorene Marktführung beim Absatz zurückzugewinnen.

Schräg und schnell
Mercedes-AMG GLC 43 4matic Coupé
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Nach der Performance-Version des GLC im Frühjahr bringt Mercedes-AMG im Dezember auch eine leistungsgesteigerte Variante des Coupé-Ablegers auf den Markt. Das GLC 43 4matic Coupé wird ebenfalls vom Sechszylinder-Biturbomotor mit 3,0 Liter Hubraum und 270 kW/367 PS angetrieben, das maximale Drehmoment liegt bei 520 Newtonmetern.

Sportfahrwerk für mehr Agilität
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Wie das Mittelklasse-SUV absolviert auch die Version mit dem schräg abfallenden Heck den Sprint auf Tempo 100 km/h in 4,9 Sekunden, bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Mit verkürzten Schaltzeiten ist die 9-Gang-Automatik speziell auf das Sportmodell abgestimmt. Für mehr Agilität sollen zudem das auf Basis der Luftfederung eigenständig entwickelte Sportfahrwerk, der heckbetonte Allradantrieb und die Sportlenkung beitragen.

Hochglanzschwarz lackiert
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Vor allem an Front und Heck haben AMG-Designer die Optik angepasst, unter anderem mit neuer Frontschürze und –Splitter, verchromten Endrohrblenden, neuer Heckschürze und diversen Details in hochglanzschwarz und Silberchrom. Das SUV-Coupé steht auf hochglanzschwarz lackierten und glanzgedrehten 19-Zoll-Leichtmetallrädern.

Schwarz-roter Innenraum
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Im Innenraum dominiert die Farbkombi schwarz-rot, ergänzt mit Zierleisten in Aluminium.

Premiere auf dem Pariser Autosalon
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Seine Premiere hat das GLC 43 4matic Coupé auf dem Pariser Autosalon Ende September. Einen Preis kommuniziert Mercedes-AMG noch nicht. Der GLC 43 4matic kostet mindestens 61.761 Euro. Legt man den regulären Preisabstand zwischen GLC und GLC Coupé zugrunde, könnte die stärkste Ausführung des GLC Coupé etwa 66.000 Euro kosten.

Der vor knapp einem Jahr ausgebrochene Dieselskandal bei Volkswagen hat sich Zetsche zufolge bisher nicht auf die Verkaufszahlen niedergeschlagen. Mercedes verkaufe anteilig nicht weniger Diesel-Autos als vor Bekanntwerden der Abgasmanipulation. „Die Kunden haben in den Show-Rooms auch keine Fragen gestellt“, sagte Zetsche. Allerdings gibt es in den USA auch gegen Daimler wegen hoher Stickoxid-Werte Ermittlungen und Sammelklagen von Kunden. In Europa ruft Mercedes-Benz unter dem Druck des Bundesverkehrsministeriums rund 247.000 Fahrzeuge zurück, um die Abgasreinigung nachzubessern.

Zetsche räumte in dem „FAZ“-Interview zugleich ein, dass Veränderungen in guten Zeiten schwierig sind: „Die größten Fehler werden in Erfolgsphasen gemacht.“

  • afp
  • rtr
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