Lkw-Hersteller
Iveco schließt drei Werke in Deutschland

Insgesamt mehr als 1000 Arbeitsplätze fallen Rotstift zum Opfer. In Deutschland sind die Werke Ulm, Weisweil und Görlitz betroffen. Zu einem Produktionsstopp kommt es auch in Graz und im französischen Chambery.
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Turin/BerlinDer Lkw-Bauer Iveco setzt wegen der schrumpfenden Nachfrage nach Nutzfahrzeugen in Europa den Rotstift an und will fünf Werke schließen. Von dem zum Jahresende geplanten Produktionsstopp in den Werken in Ulm, im badischen Weisweil, im sächsischen Görlitz sowie Graz in Österreich und Chambery in Frankreich seien rund 1075 Beschäftigte betroffen, sagte Iveco-Chef Alfredo Altavilla, am Sonntagabend bei der Vorstellung des Lkw-Flaggschiffs Stralis. Iveco gehört zu Fiat Industrial, eine börsennotierte Beteiligung des italienischen Fiat -Konzerns, zu der unter anderem auch der Landmaschinenhersteller CNH gehört. An den Investitionsplänen zum Ausbau der Lkw-Produktion in Spanien werde festgehalten, sagte Altavilla. Dort will Iveco 1100 Arbeiter zusätzlich einstellen, die ersten 500 neuen Mitarbeiter sollen zum Jahresende an Bord gehen.

Grund für die geplanten Werkschließungen seien die rückläufigen Verkaufszahlen bei Lkw in Europa, sagte der Iveco-Chef. Zu den finanziellen Details wollte sich Altavilla nicht äußern. Zur Höhe der möglichen Kosteneinsparungen durch die Werksschließungen werde sich das Unternehmen bei der zum Monatsende geplanten Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das zweite Quartal äußern. An der Übernahme des US-Lkw-Herstellers Navistar hat Iveco nach den Worten von Vorstandschef Altavilla kein Interesse. "Das ist eine große Marke mit einem großen Vertriebsnetz, aber ihre Motorenstrategie unterscheidet sich komplett von unserer", sagte der Manager. Daher könne es keine Kostensynergien durch eine gemeinsame Plattform geben. An der Börse waren zuletzt Spekulationen über eine Übernahme von Navistar durch Fiat Industrial beziehungsweise VW laut geworden. Von Iveco war am Montag keine weitere Stellungnahme zu erhalten.

Iveco ist vor allem in Südeuropa stark vertreten und daher von dem dortigen Wirtschaftseinbruch im Zuge der Staatschuldenkrise besonders betroffen. Der Umsatz schrumpfte im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um knapp elf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Mit knapp 28.300 Fahrzeugen lieferte Iveco weltweit 17,8 Prozent weniger Fahrzeuge aus, mit minus 26 Prozent fiel der Rückgang in Westeuropa besonders drastisch aus. In Spanien und Italien halbierten sich die Verkaufszahlen beinahe. Der Handelsgewinn verringerte sich im Auftaktquartal auf 64 Millionen Euro von 71 Millionen Euro vor Jahresfrist.

In einer Branchenübersicht des weltgrößten Nutzfahrzeug-Marktführers Daimler rangierte Iveco (Industrial Vehicles Corporation) 2011 beim Absatz mittelschwerer und schwerer Lkw auf Rang 17. Darüber hinaus produziert Iveco Transporter, Busse sowie Spezialfahrzeuge für Streitkräfte, den Zivilschutz und Feuerwehren. Zuletzt beschäftigte das Unternehmen weltweit mehr als 25.000 Mitarbeiter in 27 Werken in 16 Ländern. "Deutschland hat für Iveco traditionell große Bedeutung", heißt auf der Homepage. An dem vor der Schließung stehenden Standort Ulm werde der Schwer-Lkw Stralis "für alle Märkte in Europa und der Welt hergestellt". In Ulm entwickelt und testet Iveco eigenen Angaben zufolge zudem alle Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht über 7,5 Tonnen. (Reporter: Jennifer Clark, Hendrik Sackmann; Mitarbeit: Jan Schwartz; redigiert von Jörn Poltz)

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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