Mitsubishi baut Passagierjet
Japans neuer Star der Lüfte

Der erste Passagierjet Japans nach dem Zweiten Weltkrieg hat seinen Jungfernflug bestanden. Er soll den Markt für Regionaljets aufrollen. Doch die Krise von Bombardier zeigte, wie halsbrecherisch das Geschäft ist.
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TokioUm 9.35 Uhr Ortszeit wurde am Mittwoch in Nagoya japanische Luftfahrtgeschichte geschrieben. Sauber hob Japans erster selbstentwickelter Passagierjet nach dem Zweiten Weltkrieg zu seinem Jungfernflug ab, eskortiert von zwei kleinen Jets. Mitsubishi Regional Jet (MRJ) heißt das Flugzeug, auf dem große Hoffnungen der Japan AG ruhen.

Mit ihm will der japanische Großkonzern Mitsubishi Heavy Industry (MHI) den Sprung von einem der wichtigsten Zulieferer des US-Konzerns Boeing zu einem vollwertigen Flugzeughersteller schaffen. MHI liefert große Teile des Rumpfs aus Kohlefaserverbundwerkstoff für den Dreamliner, die Boeing 787.

Auch die Regierung sowie die Wirtschaft des Landes hoffen, dass der MRJ Japan zurück in die Phalanx der großen Flugzeugnationen führt. „Der MRJ ist nicht Mitsubishis, sondern Japans MRJ“, brachte Hiromichi Morimoto, der Chef des frischgeborenen Flugzeugherstellers, die nationale Bedeutung des Flugzeugs auf den Punkt.

Um den Traum vom ersten japanischen Linienjet zu verwirklichen, hat die Japan AG zusammengelegt. MHI steuerte 64 Prozent der eine Milliarden Dollar Startkapital für die 2008 gegründete Firma Mitsubishi Aircraft Corp. bei. Den Rest teilten sich Japans Entwicklungsbank und sieben Handelshäuser und Großunternehmen. Darunter ist auch der Autobauer Toyota, der am Ort der Produktionsstätte des Fliegers in Nagoya seinen Hauptsitz hat.

Eine einfache Geburt war der MRJ nicht. Immer wieder wurde der Verkaufsstart verschoben. Nun soll im zweiten Quartal 2017 das erste Flugzeug an die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways ausgeliefert werden. Währenddessen schaffte der Autobauer Honda das Wunder, den etablierten Flugzeugprofi MHI mit einem selbstentwickelten kleinen Privatjet für den globalen Jetset am Markt zu schlagen.

Doch MHI trieb das Projekt trotz der Rückschläge voran. Denn das Unternehmen wittert eine große Chance, sich langfristig als Flugzeughersteller zu etablieren. Dafür haben sie sich für den Start mit Bedacht das Segment der Regionaljets mit weniger als 130 Sitzplätzen ausgesucht.

Erstens vermeiden sie so den Frontalangriff auf die Großkunden Boeing und Airbus. Stattdessen wollen sie die vermeintlich schwächeren kleineren Flugzeughersteller Embraer aus Brasilien und Bombardier entthronen. Zweitens rechnet das Unternehmen mit einem Boom des Segments in Asien, den USA und Europa. Laut eigener Vorhersage sollen von 2014 bis 2033 5360 Flugzeuge mit 61 bis 100 Sitzen verkauft werden.

Zuerst sind Versionen mit 70 und 90 Sitzplätzen geplant. Ein verlängertes Modell mit 100 Plätzen ist angedacht. Die Japaner werben damit, dass ihre Flugzeuge dank des Designs und vor allem eines neuen Triebwerks von Pratt & Whitney nicht nur weniger Sprit verbrauchen, sondern auch mehr Raum für Passagiere als die Rivalen bieten. Darüber hinaus versprechen sie niedrigere Wartungskosten, weil die Flugzeuge auf einer Plattform gebaut werden und daher die gleichen Bauteile verwenden.

Kommentare zu " Mitsubishi baut Passagierjet: Japans neuer Star der Lüfte"

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  • Neue Wettbewerber aus China und Japan = mehr Druck auf Leiharbeitnehmer in der Luftfahrtbranche?

    Frau Nahles weigert sich einen Gesetzesentwurf zur Leiharbeit durch den Bundestag zu winken, der derartige unbegrnezte Tätigkeit wieder auf ein erträgliches Mass von 18 Monaten zurückführen soll ( Fronatl 21 berichtete).
    Sie gab dazu keinen Kommentar ab.
    Dann sollten Enders Zetsche Sporr endlich Farbe bekennen, die sich ja mehrheitlich dafür ausgesprochen haben das Sie Zuwanderung begrüssen nun aber wieder einen Rückzieher machen wollen, da nicht die Arbeitskräfte zu Billiglöhnen zu haben sind von denen in Berlin immer geredet wird.
    Die Mär vom Fachkräftemangel wird weitererzählt.

    Gute Nacht Deutschland

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