Mobileye
Israelis erteilen Tesla eine Abfuhr

Tesla verliert einen wichtigen Baustein für das autonome Fahren. Der US-Elektroautobauer sei zu risikofreudig, meint der Zulieferer Mobileye. Das junge Unternehmen aus Israel gibt BMW den Vorzug.

New YorkMobileye ist das Auge für selbstfahrende Autos. Die israelische Firma ist einer der Pioniere, seine Software, Chips und Kameras sind unverzichtbar für Autohersteller. „Sie sind in ihrem Bereich die besten in der Welt und deswegen nutzen wir sie“, schrieb auch Tesla vor wenigen Monaten.

Doch damit ist nun Schluss. Überraschend trennen sich Mobileye und der E-Auto-Hersteller ab Herbst. „Wir haben einfach entschieden, wo wir unsere Ressourcen für die Zukunft der selbstfahrenden Autos konzentrieren wollen“, sagte Amnon Shashua, Cheftechnologe von Mobileye, auf einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Als Grund steht der Tod eines Tesla-Fahrers vor wenigen Wochen im Raum, dessen Autopilot nicht einen querstehenden weißen Lastwagen vom hellen Himmel unterscheiden konnte. Für manche Branchenexperten führt Tesla zu früh die Assistenzsysteme ein. Sie könnten dem Fahrer eine falsche Sicherheit geben, obwohl Tesla etwa warnt, die Hände vom Steuer zu nehmen.

Mobileye reagierte auf den Unfall mit Kritik, das Tesla-System sei nicht ausgereift. Der Autopilot des Lieferanten könne erst ab 2018 querstehende Fahrzeuge erkennen. „Wir wollen enger mit Herstellern wie BMW und Intel zusammenarbeiten und nicht nur reiner Zulieferant sein“, sagte Mobileye in der Pressemitteilung, „um die Reputation und Wahrnehmung von selbstfahrenden Autos zu schützen“. Laut Shashua handele es sich um einen „Paradigmenwechsel“ in der Branche, zu viel stehe auf dem Spiel: „Es nicht im Interesse von Mobil‧eye, weiter mit Tesla in dem Bereich zusammenzuarbeiten.“

Die Aktionäre von Mobileye zeigten sich von der Entscheidung geschockt. Der Kurs der Aktie fiel um rund acht Prozent. Die Reaktion ist laut Analyst Itay Michael von Citigroup übertrieben. „Wir glauben nicht, dass Tesla eine Rolle für Mobileyes derzeitige Geschäftsergebnisse spielt.“ Auch künftig wäre der Anteil des Elektroautoherstellers am Umsatz von Mobileye mit zwei Prozent gering.

Für Tesla ist der Verlust von Mobileye ein herber Rückschlag. Noch vor wenigen Monaten besuchte Vorstandschef Elon Musk den Lieferanten in Israel, um sich Einblick in dessen neue Technik zu verschaffen. Mobileye arbeitet beispielsweise an neuralen Netzen, die aus Informationen lernen und Straßenbeläge oder anderes Umfeld besser erkennen. Ein anderes System nennt sich „Holistic Path Prediction“, das ohne optische Signale wie Straßenmarkierungen den korrekten Weg zu erkennen versucht.

Auf solche Innovationen muss Musk nun verzichten, wie auch auf konkrete Neuerungen wie den Chip EyeQ4. Den will Mobileye 2018 auf den Markt bringen. Das System soll auch Fahrzeuge von der Seite erkennen und würde einen Unfall wie den des Model-S-Fahrers in Florida verhindern. Die Aktie von Tesla gab nach Bekanntgabe der Trennung von Mobileye in einem schwachen Börsenumfeld um knapp ein Prozent nach.

Die Zusammenarbeit von Mobil‧eye mit BMW und Intel wurde erst vor wenigen Wochen bekanntgegeben. Die Firmen wollen bis 2021 ein selbstfahrendes Auto entwickeln. Die Partnerschaft ist nicht exklusiv. „Sie ist die erste signifikante Kooperation dieser Art, und wir erwarten weitere“, sagte Mobileyes Vorstandschef Ziv Aviram.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York
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