Ökostrom-Finanzierung
Bärenmarke jetzt EEG-befreit

Fast 2100 Firmen müssen keine Ökostrom-Zulage zahlen. In diesem Jahr sind Hunderte Firmen dazugekommen – kleine und große Betriebe. Fast jede fünfte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde ist mittlerweile EEG-befreit.
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DüsseldorfDie Hochwald Foods GmbH ist bei weitem nicht die erste Molkerei, die eine Befreiung von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beantragt hat. Doch der Bärenmarke-Hersteller kommt 2014 zum ersten Mal in den Genuss, die 6,24 Cent pro Kilowattstunde verbrauchten Strom nicht zahlen zu müssen. So profitiert etwa das Werk Polling in Bayern davon – der Herkunftsort der bekannten Milch.

Hochwald Foods ist eine von 2098 Firmen, die in diesem Jahr die „Besondere Ausgleichsregelung für stromintensive Unternehmen“ nutzen. Das sind 378 mehr als im Vorjahr. Über die Umlage wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland finanziert – doch wer besonders viel verbraucht, muss nicht zahlen. Insgesamt werden Unternehmen dieses Jahr um 5,1 Milliarden Euro entlastet – 1,1 Milliarden Euro mehr als noch 2013. Befreit sind mittlerweile 101 Terawattstunden Strom pro Jahr und damit fast ein Fünftel des deutschen Stromverbrauchs.

Am Mittwoch veröffentlichte das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Namen aller befreiten Unternehmen. Neu hinzugekommen sind Betriebe aus vielen Branchen – etwa ein Pilzzuchtbetrieb im brandenburgischen Tietzow. 35 Kilometer von der Berliner Innenstadt entfernt, ernten etwa 200 Mitarbeiter jede Woche 130 Tonnen Pilze. Seit diesem Jahr spart die Firma Dohme Pilze dabei kräftig Geld. Zu den Profiteuren zählen aber auch andere Lebensmittelbetriebe wie Hochwald oder zwei Gemüsewerke des Tiefkühlkost-Produzenten Frosta.

„Wir haben dadurch eine Ersparnis von jährlich eine Million Euro“, sagt Frosta-Produktionsvorstand Jürgen Marggraf zu Handelsblatt Online. Man stehe im Wettbewerb etwa mit belgischen und niederländischen Tiefkühlproduzenten, was ein Grund für den Antrag zur Befreiung gewesen sei. Außerdem sei die EEG-Umlage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sodass man sich für die Befreiung gerüstet habe. Dazu zählt eine Zertifizierung der Standorte nach der Norm ISO 50001, um systematisches Energiemanagement zu belegen.

Neuerdings befreit sind auch zahlreiche Druckereien, Metallverarbeiter und Chemieunternehmen. Besonders auffällig: Bei Bahnbetreibern ist ein deutlicher Anstieg von 53 auf 72 Firmen zu verzeichnen. Das ist pikant, denn gerade an Straßenbahnunternehmen hat sich in den vergangenen Jahren ein Streit entzündet.

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Viele Bahnbetreiber erhalten Befreiungen

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  • So ist das, zuerst mit Millarden zu Lasten der Verbraucher fördern und dann in den Eigenverbraucher verabschieden und die gemachte Zeche hinterlassen. Die Erzeugung ist in der Zwischenzeit ein unbedeutender Teil des Strompreises. Bezahlt wird damit nicht nur die Infrastruktur. Von der Konzessionsabgabe über die diversen Umlagen bedient sich der Staat zur Finanzierung von allem möglichen. Davon verabschieden sich die Eigenverbraucher, der Rest darf das dann übernehmen. Die einfachen Stromverbraucher zahlen die unwirtschaftliche Erzeugung und die üppigen Renditen. Dazu noch die Ersatzkraftwerke, wenn die Sonnen nicht scheint und Flaute herrscht. Die mit dem Wettbewerb begründeten Befreiungen kommen dazu. Eine weiter steigende EEG-Umlage je Kilowattstunde ist so vorprogrammiert. So geht das nicht weiter!

    Klima- und Umweltschutz sind allgemeine staatliche Aufgaben, die aus den Staatshaushalten zu finanzieren sind. Weg mit dieser Fehlkonstruktion EEG. Dauersubventionen sind schädlich. Eine Subvention jagt die nächste. Das EEG ist ein klassisches Beispiel dafür. Das wird nichts mehr mit diesem mehrfachen Rohrkrepierer. Die jahrelange Flickschusterei muss jetzt beendet werden. Schluss mit der EEG-Umlage und den Folgekosten zu Lasten der Verbraucher.

  • Also sind Sie der Meinung, dass Frankreich seinen Co2 Ausstoß wie Deutschland erhöhen sollte? Naja President Hollande zeigt ja wenigstens in diesem Punkt Einsicht und hat das schon jetzt gekippt. Deutschland redet ja nur viel, aber steigert seine Co2 Emissionen seit Jahren.Naja aber Fakten haben die Ökos ja noch nie gestört.

  • Zitat: „0,5453 EUR pro KW/h da kann man nicht meckern.“

    Dann müsste die Anlage 2005 in Betrieb gegangen sein. Damals kosteten PV-Anlagen noch unglaubliche 5.000 €/kWp. (heute bei ca. 1200 €/kWp) Wann werden Sie Ihre Investitionen unter Berücksichtigung von Wartung, Versicherung, (Schuldzinsen) und Steuern wieder raus haben? Ist die Rendite höher im Vergleich zu einer Staatsanleihe? (in 2005 ca. 4,0 %)

    Zitat: „Meine zweite Anlage läuft seit 2012, speist direkt auf den Verbrauchszähler ein, dadurch 100 % Abnahme durch Eigenverbrauch, Ersparnis aktuell rund 0,25 EUR pro KW/h.“

    Das verstehe ich nicht. Meine Anlage läuft seit 2011. Die Berechnung der Vergütung läuft so ab:
    1. Berechnung der erzeugten Strommenge und Multiplikation mit der Vergütung.
    2. Berechnung des selbst verbrauchten Anteils und Multiplikation mit der Vergütung.
    3. Multiplikation des selbst verbrauchten Anteils mit der Vergütung Eigenverbrauch.

    Auszahlung = 1 + 2 – 3

    Beispiel:
    Erzeugter Strom 5000 kWh x Vergütung 0,2874 Cent/kWh = 1437 €
    Eigenverbrauch 1000 kWh x Vergütung 0,2874 Cent/kWh = 287,40 €
    Vergütung Eigenverbrauch 1000 KWh x Vergütung 0,1236 Cent/kWh = 123,60 €

    Auszahlung: 1437 – 287,4 + 123,6 = 1273,2 €
    Als weiteren Ertrag ist der nicht erforderliche Stromkauf der 1000 kWh Eigenverbrauch zu berücksichtigen und zu versteuern. (ca. 250 €)
    In ca. 12 Jahren hat sich die Anlage amortisiert (wenn nichts dazwischen kommt)

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