Pharmakonzern: Bayer vollendet Algeta-Übernahme
Bayer AG im Chemiepark Leverkusen: Um das Saatgut-Geschäft auszubauen, übernimmt der Bereich Crop Science die argentinische Biagro-Gruppe.
Foto: dpaLeverkusen. Der Bayer-Konzern hat die milliardenschwere Übernahme des norwegischen Krebsmittel-Spezialisten Algeta abgeschlossen. Der Kaufpreis für die angebotenen Aktien sei überwiesen und die Papiere seien auf den Leverkusener Konzern übertragen worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Bayer hält damit 98,2 Prozent der Algeta-Aktien.
Der Chemie- und Pharmariese will nun den Ausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre einleiten und bereits in den nächsten Tagen auch die restlichen Algeta-Aktien erwerben. Das norwegische Unternehmen soll dann von der Börse genommen werden.
Das Kaufangebot bewertete Algeta mit 1,9 Milliarden Euro. Mit der Übernahme will Bayer seine Position im Geschäft mit Tumormedikamenten stärken. Hersteller von Krebsmitteln sind derzeit bei großen Pharmakonzernen sehr beliebt. Denn einerseits steigt durch die Alterung der Bevölkerung die Zahl der Krebserkrankungen. Andererseits versprechen neue Behandlungsansätze lukrative Einnahmen.
Aufsteiger 1: Valeant (Kanada)
Der kanadische Pharmariese wächst und wächst – hauptsächlich durch Zukäufe. Im Jahr 2013 kaufte Valeant den Kontaktlinsenhersteller Bausch & Lomb aus den USA für 8,7 Milliarden Dollar. Im Bereich Augengesundheit wollen die Kanadier ganz vorne mitmischen. Beim Umsatz hat es der Konzern zumindest schon einmal in die Top 30 der Welt geschafft. Die Pharma-Erlöse stiegen um 62,4 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.
Quellen: Unternehmen, HB-Schätzungen
Foto: apAufsteiger 2: Biogen Idec (USA)
Erst Ende März 2013 wurde das Multiple-Sklerose-Mittel Tecfidera in den USA zugelassen. Doch die Tablette ist eine Goldgrube für das aufstrebende US-Biotech-Unternehmen Biogen Idec. Im Jahr 2013 steigerte es dank Tecfidera den Umsatz um gut ein Viertel auf 6,9 Milliarden Dollar.
Foto: apAufsteiger 3: Actavis (Irland/USA)
Das Unternehmen ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Nachahmerpräparaten. Doch allzu großes Wachstum verspricht dieses Geschäftsfeld nicht unbedingt, da der Preisverfall oft das Mengenwachstum aufzehrt. Actavis wächst daher vor allem mit Übernahmen: In den vergangenen drei Jahren steckte der Konzern mehr als 14 Milliarden Dollar in Zukäufe. Der Konkurrent Forest Laboratories soll nun für 25 Milliarden Dollar ebenfalls geschluckt werden. Im Jahr 2013 legte der Umsatz um 46,7 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar zu.
Foto: PRDeutsche Unternehmen: Merck
Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern wächst im Jahr 2013 moderat. Der Umsatz legt um 2,6 Prozent auf umgerechnet 7,9 Milliarden Dollar zu (Schätzung). In der Rangliste der größten Pharmaunternehmen der Welt schafft es Merck damit auf Platz 23. Das könnte sich aber ändern, denn das Unternehmen plant einen Zukauf: Die Darmstädter bieten rund zwei Milliarden Dollar für die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials – eine ehemalige Hoechst-Tochter, die unter anderem Komponenten für Apples iPad liefert.
Foto: dpaDeutsche Unternehmen: Boehringer Ingelheim
Das Familienunternehmen ist der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern. Im Jahr 2013 hielt Boehringer Ingelheim die Umsätze stabil und landet mit umgerechnet 14,7 Milliarden Dollar (Schätzung) auf Platz 17 der Rangliste. Aktuell ist Boehringer in den USA mit einer Klagewelle konfrontiert. Mehr als 2000 Kläger werfen dem Unternehmen vor, für schwere und zum Teil tödliche Blutungen nach einer Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Pradaxa verantwortlich zu sein.
Foto: dpaDeutsche Unternehmen: Bayer
Bayers Pharma-Umsätze wachsen, die Leverkusener legen zum sieben Prozent zu und rücken in der Rangliste mit umgerechnet 14,9 Milliarden Dollar Umsatz auf Platz 16 vor. Gerade Bayers neue Medikamente wie das Schlaganfallmittel Xarelto laufen prächtig. Die Umsatzziele für die fünf stärksten Medikamente wurden erhöht.
Foto: ReutersPlatz 10: Teva (Israel)
Der weltgrößte Generika-Hersteller kommt aus Israel: Teva. Im Jahr 2013 stagnierte der Umsatz des Konzern allerdings bei gut 20 Milliarden Dollar. Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Chef Erez Vigodman. Teva ist auch in Deutschland aktiv – so gehört seit 2009 die Ulmer Ratiopharm zum Konzern.
Foto: Pressefoto Teva PharmaceuticalPlatz 9: Eli Lilly (USA)
Anfang 2014 machte der US-Konzern mit einer Übernahme von sich reden: Eli Lilly kaufte dem Geflügel-Produzenten Wiesenhof (PHW-Gruppe) die Tiermedizin-Tochter Lohmann Animal Health ab. Der Umsatz des Unternehmens wird dadurch weiter zulegen. 2013 wuchsen die Erlöse um knapp zwei Prozent auf 21 Milliarden Dollar.
Foto: PRPlatz 8: Astra Zeneca (Großbritannien)
Patenabläufe und eine Schwäche bei Innovationen machen dem Pharmariesen Astra Zeneca zu schaffen. Im Jahr 2013 schrumpfte der Umsatz um mehr als acht Prozent auf 25,7 Milliarden Dollar. Und der Gegenwind nimmt weiter zu: Im Mai 2014 läuft in den USA der Schutz für Nexium ab, ein Mittel gegen Sodbrennen.
Foto: apPlatz 7: Johnson & Johnson (USA)
Das US-Unternehmen Johnson & Johnson – im Bild die Zentrale in New Brunswick – ist einer der wenigen Großen, die in 2013 gewachsen sind. Die Erlöse stiegen um 10,9 Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar. Die Pharmasparte sorgte für einen Gewinnschub beim Konsumgüterriesen. Auch dank eines deutschen Medikaments: Als US-Partner von Bayer beim Schlaganfall-Mittel Xarelto profitiert Johnson & Johnson von steigenden Umsätzen.
Foto: apPlatz 6: Glaxo-Smith-Kline (Großbritannien)
In Deutschland kämpfte der Pharmariese zuletzt mit Lieferengpässen bei wichtigen Impfstoffen für Kinder. Dabei haben die Briten erst ein enttäuschendes Jahr 2013 hinter sich. Der Umsatz ging um 1,3 Prozent auf 33,5 Milliarden Dollar zurück – Platz sechs im Ranking.
Foto: apPlatz 5: Sanofi (Frankreich)
Auch das Geschäft der Franzosen stagniert: Die Erlöse gingen 2013 um fast drei Prozent auf 37,1 Milliarden Dollar zurück. Zum Jahresende lief aber es besser beim Pharmakonzern. Dabei machte sich ein Zukauf im Biotech-Sektor bezahlt: Die Medikamente der 2012 übernommenen US-Firma Genzyme sorgten für viele Verkäufe.
Foto: dpaPlatz 4: Merck (USA)
Das US-Pharmaunternehmen musste 2013 großer Umsatzverluste hinnehmen. Mit einem Minus von knapp acht Prozent büßte Merck Rang drei in der Rangliste ein. Günstige Nachahmer-Präparate setzen dem Konzern zu. Merck benötigt dringend einen neuen Verkaufsschlager.
Foto: apPlatz 3: Roche (Schweiz)
Mit einem Umsatzzuwachs von knapp vier Prozent auf 39 Milliarden Dollar erobern die Schweizer den dritten Platz der Rangliste. Beim Gewinn ist das Unternehmen sogar führend in der Pharmawelt. In 2013 erwirtschaftete Roche ein Betriebsergebnis von 17,6 Milliarden Dollar (inklusive pharmafremder Erträge). Der Konzern profitiert vor allem von der wachsenden Nachfrage nach Krebsmedikamenten. Blockbuster sind Mab-Thera gegen Blutkrebs, Herceptin gegen Brustkrebs oder das breit eingesetzte Avastin.
Foto: AFPPlatz 2: Novartis (Schweiz)
Auch den Silberrang belegt ein Schweizer Unternehmen: Der Umsatz des Pharmakonzerns Novartis wuchs in 2013 leicht um 1,6 Prozent auf 47,5 Milliarden Dollar. Allerdings leidet das Unternehmen ebenfalls unter günstigen Nachahmerpräparaten. In 2014 rechnet Novartis mit Umsatzeinbußen beim Blutdrucksenker Diovan – die Erlöse des Konzerns sollen dennoch steigen.
Foto: dapdPlatz 1: Pfizer (USA)
Trotz des Ablaufs des Viagra-Patents und eines Umsatzverlustes von 15 Milliarden Dollar in nur drei Jahren bleibt Pfizer an der Spitze. Mit 47,9 Milliarden Dollar Umsatz (minus 6,5 Prozent) verteidigt der Pharma-Champion aus den USA knapp Platz eins der Rangliste. Die Erlöse soll in Zukunft vor allem das neue Brustkrebs-Medikament Palbociclib ankurbeln.
Foto: apAuch in ihrer Agrarsparte verstärken sich die Leverkusener. Um das Saatgut-Geschäft auszubauen, übernimmt der Bereich Crop Science die argentinische Biagro-Gruppe, einen Hersteller biologischer Saatgut-Behandlungsmittel. Über den Kaufpreis wurde nach Bayern-Angaben Stillschweigen vereinbart.
Biagro beschäftigt rund 140 Mitarbeiter und besitzt Produktionsstätten in Argentinien und Brasilien. Das Unternehmen stellt unter anderem Mikroorganismen zur Stärkung des Pflanzenwachstums sowie andere Produkte zur Schädlingsbekämpfung auf Basis von Bakterien- und Pilzstämmen her. Die argentinischen Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.
Die Mitarbeiter von Bayer erhalten in diesem Jahr eine Erfolgsbeteiligung von insgesamt rund 650 Millionen Euro. Gut die Hälfte davon geht an die Beschäftigten in Deutschland. Damit fallen die Bonuszahlungen um etwa 30 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr. Die tariflich bezahlten Mitarbeiter erhalten zwischen 70 und 130 Prozent eines Monatsgehalts.