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Übernahme des Roboterbauers?Chinesen geben Milliarden-Angebot für Kuka ab

Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea will den deutschen Roboterbauer Kuka übernehmen. Beim Firmensitz und der Produktion soll alles beim Alten bleiben. Doch der Großaktionär Voith hat noch Fragen. 18.05.2016 - 09:34 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Ein Arbeiter kontrolliert in Augsburg (Bayern) einen Roboter von Kuka.

Foto: dpa

München/Frankfurt. Der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgeräte-Hersteller Midea will seine Beteiligung am Roboterbauer Kuka kräftig aufstocken und gemeinsam mit den Augsburgern den Markt für die Automatisierung von Logistik aufrollen. Über ihre Tochter Mecca International gaben die Asiaten am Mittwoch ein öffentliches Übernahmeangebot ab: Pro Kuka-Aktie bieten sie demnach 115 Euro - das entspricht einem Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Euro.

Midea hält derzeit 13,5 Prozent der Kuka-Anteile und will sich – so die Bedingung für das Übernahmeangebot – mindestens 30 Prozent sichern. Die Kontrolle über Kuka wollen sie aber nach eigenen Angaben auch als dann größter Einzelaktionär nicht übernehmen. Der Vorstand um Till Reuter habe weiterhin freie Hand.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen
Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.
Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).
Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.
2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.
Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.
Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.
Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.
Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.
Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.
Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.
Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.
Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.
Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Es gehe darum, die Chancen im chinesischen Logistikmarkt zu nutzen und die Automatisierung bei Mideas bestehenden Kunden voranzutreiben, hieß es in einer Präsentation. Die Chinesen sind nach eigenen Angaben weltweit Marktführer für Haushaltsgeräte und erzielen rund 7 von 18,7 Milliarden Euro Umsatz außerhalb ihres Heimatlandes.

Kuka wiederum hat sich vorgenommen, nach jahrelanger Abhängigkeit von der Autoindustrie mehr Geschäft mit Kunden aus der Logistik, Luftfahrt, IT oder Herstellern von Computern, Telefonen, Tablets und Haushaltsgeräten zu machen. Die Schwaben sprechen bereits seit einiger Zeit mit dem chinesischen Unternehmen über dessen Automatisierung von gut 100 Logistikzentren.

China ist für Kuka auch deshalb interessant, weil im größten Robotermarkt der Welt der Automatisierungsgrad vergleichsweise gering ist. Mit dem Einstieg von Midea und der Partnerschaft könne Kukas China-Strategie beschleunigt werden, hieß es weiter. Kuka will bis 2020 den Umsatz auf 4,0 bis 4,5 Milliarden Euro steigern, zuletzt erzielten die Augsburger 2,97 Milliarden. Allein in China will der Roboterbauer eine Milliarde umsetzen.

Midea macht den Schwaben im Zuge des Übernahmeangebots weitreichende Zugeständnisse. Kuka soll an der Börse notiert bleiben, ein Beherrschungsvertrag sei nicht geplant. Firmensitz bleibe Augsburg, auch an den Produktionsstandorten solle sich nichts ändern. Bei der Belegschaft seien ebenfalls keine Veränderungen geplant; Kuka beschäftigt rund 12.300 Menschen.

Midea war im August zunächst mit fünf Prozent bei Kuka eingestiegen und Anfang Februar mit 10,2 Prozent zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen. Schon damals hatten die Chinesen angekündigt, den Anteil aufstocken zu wollen. Größter Kuka-Aktionär ist bisher mit 25,1 Prozent Voith.

Der schwäbische Anlagenbauer fordert von Midea Auskunft über deren Pläne mit dem Roboterbauer. „Wir gehen davon aus, dass Midea Voith als größtem Einzelaktionär seine Planungen und Absichten erläutern wird“, sagte ein Sprecher am Mittwoch. „Unabhängig von dieser aktuellen Entwicklung sind wir mit unserem Investment gut positioniert und mit der Entwicklung der Beteiligung seit unserem Einstieg im November 2014 sehr zufrieden“, erklärte Voith.

Midea-Vertreter wurden Insidern zufolge übers Wochenende bei Kuka vorstellig und warben für ihren Plan. Als dies am Dienstagabend bekannt wurde, schoss die Kuka-Aktie im nachbörslichen Handel in die Höhe. Die Kuka-Papiere hatten zuvor auf Xetra bei 84,41 Euro geschlossen. Am Morgen schossen die Kuka-Aktien 34,3 Prozent in die Höhe auf ein Rekordhoch von 113,40 Euro.

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